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Wirtschaft

Wieder Streiks bei Amazon

Nach einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi haben rund 2000 Mitarbeiter in Deutschland die Arbeit niedergelegt. Sie wollen endlich einen Tarifvertrag. Es ist nicht der erste Streik und wohl auch nicht der letzte.

Schon seit 2013 kommt es bei Amazon immer wieder zu Arbeitsniederlegungen. Dabei geht es im Kern um einen Tarifvertrag. Den verweigert der Versandriese Amazon den Beschäftigten. Deshalb haben nun erneut 2000 Beschäftigte des Konzerns die Arbeit ruhen lassen. Betroffen waren die sechs Standorte im hessischen Bad Hersfeld, Leipzig, Graben nahe München, im niederrheinischen Rheinberg, Werne und Koblenz, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Insgesamt betreibt Amazon nach eigenen Angaben neun Logistikzentren in Deutschland. Die Arbeitsniederlegungen führten laut Amazon allerdings nicht dazu, dass Lieferungen zu spät kämen. Um das zu gewährleisten, nutze man das europäische Logistiknetzwerk, bestehend aus 31 Logistikzentren in sieben Ländern.

Verdi fordert von Amazon, die Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den Versand- und Einzelhandel zu bezahlen. Im Einzelhandel seien die Entgelte zuletzt um 2,3 Prozent angehoben worden. Für das kommende Jahr sei eine weitere Steigerung um zwei Prozent vereinbart, teilte Verdi mit. Zwar habe Amazon die Löhne zuletzt geringfügig erhöht, so Verdi. "Die Anhebungen bleiben aber deutlich hinter der Branchenentwicklung und den Forderungen der Gewerkschafter zurück", sagte Thomas Voß, der bei der Gewerkschaft für den Versand- und Onlinehandel zuständig ist, laut Mitteilung.

Ein guter Arbeitgeber?

Die gewerkschaftspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Jutta Krellmann, warf Amazon ein "obszönes Dumpingmodell" vor. "Die Gewinne im Onlinehandel sprudeln und die Verkaufsflächen explodieren. Es ist an der Zeit, dass die Mitarbeiter partizipieren", teilte sie mit.

Von Amazon heißt es, man könne auch ohne Tarifvertrag ein guter Arbeitgeber sein. So betrage das durchschnittliche Brutto-Gehalt nach 24 Monaten bei Amazon für die Mitarbeiter 2483 Euro pro Monat. Außerdem hätten die Beschäftigten Anspruch auf zusätzliche Leistungen wie Aktien, leistungsbezogene Boni und Sondervergütungen für Überstunden. Insgesamt beschäftigt Amazon nach eigenen Angaben 12.000 Mitarbeiter in Deutschland.

Die Gewerkschaft aber will nicht aufgeben. Beim Tarifvertrag geht es Verdi auch um ein wichtiges Detail: Im eigenen Mutterland stuft sich Amazon als Händler ein, in Deutschland aber als Logistikunternehmen. Die Löhne bei den Logistikern sind in Deutschland niedriger als die im Handel. Das Ziel von Verdi also: Tarifverträge nach den Vorgaben für den Einzel- und Versandhandel. Für Thomas Voß von Verdi ist mit diesem Streik also noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Auch in Zukunft wolle man weiter mit Streiks Druck aufbauen.

nm/uh (dpa)

 

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