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Nahost

Wieder schockierende Bilder aus Abu Ghraib

In den USA sind zum ersten Mal Berichte von irakischen Gefangenen aus dem Abu Ghraib-Gefängnis in Bagdad veröffentlicht worden. Die US-Tagesszeitung Washington Post druckte zudem neue Fotos von Folterungen.

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Gefoltert und Gequält - das Pentagon will gegen das Wachpersonal vorgehen


Auf einem der Fotos sieht man einen nackten Gefangenen, die Füße in Fesseln, wie er beschmiert mit einer braunen Substanz vor einem US-Soldaten entlang balanciert. Der Soldat hält dabei einen Schlagstock in deutlicher Drohgebärde. Auf einem anderen Foto schlägt ein Militärpolizist mit geballter Faust auf gefesselte, am Boden liegende Gefangene ein.

Auf der Internetseite der Zeitung ist außerdem ein Video zu sehen, dass eine Gruppe von US-Soldaten bei der Misshandlungen irakischer Gefangener zeigt. Zum ersten Mal veröffentlicht die "Washington Post“ am Freitag (21.5.) auch die eidesstattlichen Erklärungen zahlreicher Häftlinge aus dem berüchtigten Block 1 A des Bagdader Abu Ghraib Gefängnisses. Sie entstanden in der zweiten Januarhälfte dieses Jahres als US-Militärs die Zustände in dem inzwischen berühmt-berüchtigten zu untersuchen begannen.


Haarsträubende Berichte von Folterungen

Die zum Teil haarsträubenden Berichte füllen 65 Seiten. Mehrere Gefangene identifizieren darin ihre Peiniger sogar namentlich. Charles Graner, der bereits vor einem US-Kriegsgericht angeklagte Militärpolizist, soll bei den Folterungen besonders demütigend vorgegangen sein. Hussein Mohssein Al Zayiadi, Gefangener in Abu Ghraib, berichtet, Graner habe sie gezwungen vor weiblichen US-Soldaten zu masturbieren. Andere Soldaten hätten sie wiederum gezwungen auf allen Vieren zu kriechen, dabei hätten die Soldaten sie wie Tiere geritten. Graner habe ihre Mahlzeiten in die Toilette geschmissen und sie dann zum Verzehr genötigt.

Andere Gefangene berichten, sie seien gezwungen worden entgegen ihres Glaubens Schweinefleisch und Alokohol zu konsumieren. Der Gefangene Kasim Mehaddi Hilas berichtet, wie er, nur mit einem rosafarbenen Frauenslip bekleidet, ganze Tage unter einer schwarzen Kopfbedeckung in seiner Zelle verbracht habe.

Gequält und gedemütigt

Hilas berichtet auch von der Vergewaltigung eines noch jugendlichen Strafgefangenen durch einen US-Soldaten. Nachts hätte das Wachpersonal oft die Zellen der Gefangenen unter Wasser gesetzt und die Matratzen herausgenommen. Immer wieder seien Gefangene geschlagen worden. Mustafa Jassim Mustafa schildert in seinem Bericht, wie US-Soldaten einen anderen Gefangenen mit einem phosphorisierenden Leuchtstab anal penetriert hätten. Immer wieder seien die Gefangen während dieser Demütigungen von weiblichen Soldaten fotografiert worden.

Pentagon ermittelt selbst

Im Pentagon reagierte man auf die neuen Folter-Fotos mit der Einleitung neuer Ermittlungen gegen einzelne Angehörige des Wachspersonals in Abu Ghraib. Unterdessen hat das US-Verteidigungsministerium eingeräumt, dass Pentagonchef Donald Rumsfeld im Spätherbst des Jahres 2002 Verhörtechniken für die Insassen des Gefangenenlagers Guantanamo genehmigt habe, die nicht im Einklang mit der üblichen US-Militärdoktrin gestanden hätten. Diese offenbar harschen Verhörmethoden, seien aber im Januar 2003 wieder gestoppt worden.


Unbeirrt von den immer neuen Folterberichten aus US-Militärgefängnissen hat die Bushregierung unterdessen im Weltsicherheitsrat die Verlängerung von UN-Resolution 1487 beantragt. Diese Resolution garantiert US-Bürgern grundsätzlich Immunität vor dem Internationalen Strafgerichtshof, auch bei UN-geführten Friedensmissionen. Damit könnten auch künftig nur US-Gerichte amerikanische Kriegsverbrechen ahnden. (ali)

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