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Sport

Wieder gleichberechtigter Sportpartner

1949 ist das Jahr des Aufbruchs im Nachkriegsdeutschland - nicht nur im politischen Bereich. Auch auf sportlicher Ebene gibt es einen Neubeginn: Das Nationale Olympische Komitee (NOK) für Deutschland wird gegründet.

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Das NOK führte den deutschen Sport nach dem Krieg wieder auf die Weltbühne

Politiker, Sportfunktionäre und Gäste aus dem In- und Ausland drängen sich in den Festsaal des Bonner Museum König. Es herrscht eine feierliche Stimmung an diesem 24. September 1949. "Wir hoffen, dass die Gründung des Nationalen Olympischen Komitees dem deutschen Volk von Segen sein wird", sagt Alfred Friedrich zu Mecklenburg, der erste Präsident des NOKs in seiner Gründungsrede.

Bereits seit 1895 ist Deutschland durch verschieden Organisationen beim IOC vertreten, zuletzt durch den deutschen Olympischen Ausschuss. Mal war es das "Komitee für die Beteilung Deutschlands an den Olympischen Spielen zu Athen", dann der Deutsche Reichsausschuss für Olympische Spiele (1904-1917), der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen (1917-1925) und der Deutsche Olympische Ausschuss (1925-1946). Doch dieser wird nach Kriegsende 1946 von den Alliierten aufgelöst.

Zwei sind einer zuviel

Willi Daume, langjähriger Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland (Foto: Rolf Kosecki)

Willi Daume prägte als Präsident das NOK über Jahre

Ein provisorischer Ausschuss ein Jahr später wird abgelehnt, da Deutschland zu dieser Zeit noch kein anerkannter Staat ist. Die Olympischen Spiele 1948 in London finden ohne deutsche Sportler statt. Nachdem die Bundesrepublik gegründet ist, steht auch dem NOK für Deutschland nichts mehr im Wege. "Und so hoffen wir, dass Deutschland bald von den meisten Gruppen dieser Welt wieder als gleichberechtigter Sportpartner anerkannt wird", erklärt Vizekanzler Franz Blücher bei der Gründung.

Tatsächlich wird bald darauf Deutschland vom IOC anerkannt. Das kurz zuvor gegründete NOK der DDR dagegen nicht. Die Begründung: Es könne keine zwei deutschen NOKs geben. Also sollten alle deutschen Sportler in einer gemeinsamen deutschen Mannschaft antreten. Aber das war leichter gesagt als getan. "Da gab es so viele grundsätzliche Dinge. Das fing schon allein mit protokollarischen Fragen an: Der Fahne, der Hymne, der Bezeichnung", erinnerte sich später der langjährige Präsident des westdeutschen NOK, Willi Daume.

Beethovens Neunte

So kam es, dass bei den Olympischen Spielen 1952 nur Sportler aus Westdeutschland antraten. Da es sich die DDR aber in Zukunft nicht nehmen lassen wollte, sich sportlich international zu beweisen, einigten sich die beiden deutschen NOKs und entsandten für die Spiele 1956 eine gesamtdeutsche Mannschaft. Bei der Fahne ist der Kompromiss: schwarz-rot-gold mit weißen olympischen Ringen. Als Hymne wird Beethovens neunte Symphonie gespielt, die heutige Europa-Hymne.

Muenchen : Olympia Bewerbung 2018 17.09.2009 Pressekonferenz : Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2018 Praesident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Dr. Thomas Bach FOTO: Pressefoto ULMER/Claus Cremer

Heute führt Dr. Thomas Bach den NOK-Nachfolger DOSB

Doch durch den Bau der Berliner Mauer wird der Konflikt zwischen den zwei deutschen Staaten verschärft – eine gemeinsame Mannschaft ist nicht mehr praktikabel. Nachdem ab 1965 das DDR-NOK vom IOC anerkannt wird, tritt man 1968 bei den Spielen in schon mit getrennten Teams an, wenn auch noch mit derselben Fahne und Hymne. Bei den Sommerspielen 1972 in München im eigenen Land sind beide Mannschaften auch symbolisch getrennt.

Nach der Wiedervereinigung werden auch die beiden deutschen NOKs zusammengelegt. Bei den Olympischen Spielen 1992 vertritt nun wieder eine Mannschaft die deutsche Nation. 2006, 57 Jahre nach der Gründung des NOKs für Deutschland, wird es aufgelöst und fusioniert gemeinsam mit dem Deutschen Sportbund zum neuen Dachverband, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Autorin: Sarah Faupel
Redaktion: Wolfgang van Kann

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