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Afrika

Wieder Franzosen in Westafrika entführt

Wieder sind Franzosen Opfer einer Entführung in Nigeria geworden. Nach Angaben einer Reederei hatten bewaffnete Männer das Versorgungsschiff einer Ölplattform geentert und drei Seeleute entführt.

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Rebellen sollen hinter der Entführung stecken

Die 67 Meter lange "Bourbon Alexandre" sei in der Nacht zum Mittwoch (22.09.2010) von mehreren Schnellbooten aus überfallen worden, teilte der für Öl-und Gasunternehmen tätige Schiffseigner Bourbon mit. Mit drei der insgesamt 16 Besatzungsmitglieder hätten die Piraten dann die Flucht ergriffen. Alle Entführten seien Franzosen.

Die größte Rebellengruppe im ölreichen Nigerdelta "Movement for the Emancipation of the Niger Delta" MEND steckt nach eigenen Angaben nicht hinter der Aktion, will aber in Kontakt zu den Entführern stehen. Ziel sei es, die Gefangenen in den Gewahrsam von MEND zu überstellen. Jomo Gbombo, Sprecher der MEND erklärte: "Wenn das klappt, können wir über ihren Gesundheitszustand und die Dauer ihres Aufenthalts bei uns sagen."

Ölmitarbeiter im Fadenkreuz

Symbolbild Piraterie: US-Marineaktion gegen mutmaßliche Piraten im indischen Ozean

Mit Schnellbooten haben Piraten das Versorgungsschiff angegriffen

In den vergangenen Jahren sind Hunderte Mitarbeiter von Ölfirmen im Nigerdelta Opfer von Kidnapping geworden. Fast ausschließlich ging es um Lösegeld, das die Entführer von den internationalen Arbeitgebern der Opfer erpressen wollten.

MEND ist die größte einer Reihe von militanten Gruppen, die vorgeblich für eine gerechtere Verteilung der Einnahmen durch die Erdölförderung kämpfen. Bekannt geworden ist die Gruppe durch eine Serie von Sabotageakten, die die Förderung teilweise lahmlegte. Bereits im Oktober 2008 und im Januar 2009 waren Bourbon-Besatzungen vor der westafrikanischen Küste entführt worden. Sie kamen alle wieder frei. Bourbon hält für Öl- und Gasunternehmen unter anderem Förderanlagen vor Küsten instand und befördert Material und Personal.

Entführungen auch in Niger

Vor einer knappen Woche hatte die islamistische Terrorgruppe "Al Kaida im Maghreb" fünf Franzosen und zwei Afrikaner im Norden des Nachbarlandes Niger entführt. Die Opfer arbeiten für den Atomkonzern Areva und ein Subunternehmen. Laut einer Stellungnahme der Entführer im Internet handelt es sich bei der Tat um einen Racheakt für die Tötung von sechs Al Kaida-Mitgliedern im Juli dieses Jahres. Staatspräsident Sarkozy sagte nach Angaben eines Regierungssprechers, dass die Freilassung der Geiseln "möglichst rasch" erfolgen solle. Ob dies über Verhandlungen oder durch den Einsatz von Militärs geschehen soll, ist aber unbekannt.

Als Reaktion auf die Entführung von mehreren Franzosen in Westafrika hat die Fluggesellschaft Air France die Sicherheitsregeln für ihr Personal in westafrikanischen Ländern verschärft. Einzelheiten nannte die Fluggesellschaft nicht, nach Gewerkschaftsangaben werden die Mitarbeiter aber schon jetzt auf den Wegen zum Flughafen von bewaffneten Sicherheitsleuten begleitet. Auch ihre Hotels werden von zivilem Wachpersonal geschützt.

Autor: Dirk Bathe (dpa/Reuters)

Redaktion: Christine Harjes