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Politik

Wieder Bombenattentat in der Türkei

Bei einem Anschlag in dem türkischen Ferienort Kusadasi sind fünf Menschen getötet worden. Vor einer Woche explodierte bereits im nahe gelegenen Badeort Cesme eine Splitterbombe. Droht eine neue Gewaltwelle?

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Nach dem Anschlag in Kusadasi

Die Bombe in Kusadasi zerriss am Samstag (16.7.2005) einen Minibus, der auf dem Weg zum Strand war. Erste Angaben aus Polizeikreisen, eine türkische Frau habe sich selbst in die Luft gesprengt, konnte der Vizegouverneur der Provinz an der Ägäis-Küste nicht bestätigen. Die Bombe sei in einem Paket versteckt gewesen, das in dem Bus deponiert worden war, sagte Nurdogan Kaya.

"Verschärfte Sicherheitslage"

Unter den Toten sind nach Angaben der Behörden ein Brite, zwei Iren und zwei Türken. 14 weitere Menschen wurden bei dem Bombenattentat verletzt. Hinweise auf betroffene Deutsche gab es zunächst nicht. Das Auswärtige Amt aktualisierte seine Reise- und Sicherheitshinweise für die Türkei. Angesichts der "verschärften Sicherheitslage" wird Türkei-Reisenden "besondere Vorsicht" empfohlen.

Hintergrund unklar

Zu dem zweiten Anschlag in türkischen Badeorten innerhalb von sieben Tagen bekannte sich zunächst niemand. Am Sonntag vor einer Woche waren bei der Explosion einer Splitterbombe in einem Papierkorb im Küstenort Cesme 20 Touristen verletzt worden, darunter ein Brite und ein Russe. Zu dem Anschlag hatten sich die so genannten Freiheitsfalken Kurdistans bekannt, eine Splittergruppe der Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Ein Anrufer hatte nach Angaben der PKK-nahen Nachrichtenagentur MHA weitere Anschläge angedroht.

Warnung vor Gewaltwelle

Der Terrorismusexperte Rolf Tophoven warnte in einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost am Sonntag und der Welt vor weiteren Anschlägen auf türkische Touristenorte. "Das Attentat in Kusadasi ist das zweite auf Touristenziele binnen weniger Tage, verübt von einer mit der PKK verknüpften Terrorgruppe", sagte Tophoven. Es sei nicht auszuschließen, dass eine neue Welle terroristischer Operationen folge, um die Kurden-Frage erneut ganz oben auf die Agenda der türkischen Politik zu setzen, sagte Tophoven. Er sieht bei dem Anschlag in Kusadasi keine Verbindungen zum militanten Islamismus. Die Tat wende sich unverkennbar gegen die türkische Regierung. Allerdings weise der verwendet Sprengstoff C4 auf Verbindungen zu kurdischen Hinterleuten im Nordirak hin. Bekanntlich bestünden Verbindungen zwischen den Kurden in der Türkei und denen im Nordirak - daher sei nicht auszuschließen, dass die PKK oder ihr nahe stehende Kader von dort diesen hocheffizienten Sprengstoff bekämen, sagte Tophoven.

Der Kleinbus in Kusadasi passierte gerade einen zentralen Platz mit einem Denkmal des türkischen Republikgründers Kemal Atatürk, als die Bombe detonierte. Nicht weit von derselben Stelle war erst vor gut zwei Monaten eine Sprengladung explodiert und hatte einen Polizisten in den Tod gerissen. Vier weitere Beamte, die den Sprengsatz ebenfalls ohne Schutzvorkehrungen hatten entschärfen wollen, wurden dabei verletzt.

Gefechte zwischen Armee und PKK

Seit die Kurdische Arbeiterpartei PKK vor einem Jahr eine fünfjährige Waffenruhe für beendet erklärt hatte, häufen sich in der Türkei wieder Bombenanschläge und Gefechte zwischen kurdischen Extremisten und der türkischen Armee. Von 1984 bis zur Festnahme von PKK-Führer Abdullah Öcalan 1999 wurden bei den blutigen Auseinandersetzungen zwischen der PKK und der Türkei mehr als 30.000 Menschen getötet. (ch)