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Deutschland

Wiedenhofer: "Anerkennenswerte Entscheidung"

Theologieprofessor Siegfried Wiedenhofer, einst Schüler von Joseph Ratzinger, bilanziert die theologische Leistung von Papst Benedikt XVI.

Besucher auf dem weitläufigen Petersplatz vor dem Petersdom. Aufnahme von 2007. Foto: Friedel Gierth +++(c) dpa - Report+++

Petersplatz vor dem Petersdom

Deutsche Welle: Sie kennen Benedikt XVI. schon lange, haben mit ihm an der Universität Regensburg gearbeitet. Was denken Sie über seine Rücktrittsankündigung?

Prof. Siegfried Wiedenhofer: Zunächst war ich schon sehr überrascht. Das hatte ich nicht erwartet, obwohl schon bei unserem Treffen des Schülerkreises Ende August letzten Jahres unübersehbar war, dass er infolge der Beanspruchung durch sein Amt stark gealtert ist. Ich finde die Entscheidung sehr anerkennenswert, aber sie setzt eigentlich nur das fort, was er schon vorher gemacht hat: Nämlich zu trennen zwischen Amt und Inhaber.

Wie haben Sie ihn während seines Pontifikats erlebt?

Er hat das Amt ja nie angestrebt, wie er auch nicht Bischof werden wollte. Er fühlte sich berufen zur theologischen Arbeit. Daran hing sein Herz. Insofern war das für ihn damals eine sehr schwere Entscheidung, aber er hat die Wahl offenbar aus Loyalität angenommen und dann dieser Aufgabe eine bestimmte - sehr stark theologische Gestalt - gegeben.

Was für Akzente hat Benedikt XVI. aus Ihrer Sicht gesetzt?

Was sicher zu seinen großen Leistungen gehört, ist seine Verbindung von Spiritualität und theologischer Reflexion, die für viele - auch für Kritiker - ein wichtiger Impuls geworden ist. In einer Zeit, in der die katholische Kirche pluralistischer und polarisierter wird, war das gewiss kein geringer Dienst.

Es gibt sicher viele, die in ihm einen konservativen Papst sehen, der viele heiße Eisen nicht aufzunehmen wagte. So wirklich kann das eigentlich erst in 50 oder 100 Jahren beurteilt werden. In einzelnen Punkten wäre es schon möglich gewesen, einige neue Zeichen zu setzen, zum Beispiel in der Ökumene. In anderen Fragen, etwa der der Missbrauchsfälle war seine Position indes eindeutig und gegen heftige Widerstände auch schließlich durchsetzbar.

Inwiefern hat Benedikt XVI. es geschafft, Religion und Moderne zusammenzubringen?

Bild: Prof. em. Dr. Siegfried Wiedenhofer Foto: privat

Siegfried Wiedenhofer ist emeritierter Professor für katholische Dogmatik

Einerseits gehörte es immer zu seinen Zielen, das Glaubensverständnis zu erneuern, den traditionellen Glauben in einer Weise zu vermitteln, dass er vom heutigen Menschen verstanden wird. Auf der anderen Seite hat er sich von Anfang an gegen bestimmte Grundformen des modernen Denkens kritisch zur Wehr gesetzt. Insofern ist seine Stellung zur Moderne ambivalent. Das spannungsvolle Verhältnis zur Moderne ist aber, glaube ich, zukunftsträchtig.

Haben Sie eine Idee, wer Benedikts Nachfolger werden könnte?

Ich habe keine Ahnung. Es kann sein, dass es ein Italiener wird oder vielleicht ein Vertreter einer außereuropäischen Region, was sehr notwendig wäre. Die Aufgabe ist eigentlich klar: Einerseits geht sie in die Richtung, die ich oben schon angedeutet habe. Zum Anderen ist das Problem, dass sich die katholische Kirche in einer epochalen Übergangszeit befindet, dass Pluralismus und Polarisierung zunehmen und der Amtsinhaber die Aufgabe hat, die Einheit der Kirche zu wahren. Für den Nachfolger wird das eine der Hauptaufgaben.

Was war für Sie der eindrucksvollste Moment des Pontifikats von Benedikt XVI.?

Besonders eindrucksvoll fand ich, als er zu Beginn selbst erklärte, dass er gebetet habe, dass es ein anderer wird und mit Schrecken gesehen habe, wie das Fallbeil auf ihn niederfällt. Das hat zum Ausdruck gebracht, dass er sich eigentlich nicht für das Amt geeignet hält. Ich fand das schon erstaunlich, das in der Öffentlichkeit so zu sagen - bei einem Amt, das so stark durch öffentliche Repräsentation bestimmt ist.

Siegfried Wiedenhofer ist emeritierter Professor für katholische Dogmatik der Universität Frankfurt. Er war Schüler von Josef Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI.

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