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Kultur

Wie viel Jesus ist erlaubt?

"Merry Christmas" oder "Happy Holidays"? Christen in den USA wollen Jesus wieder ins Zentrum der Festtage stellen - aber niemandem etwas vorschreiben. Trotzdem ist der Heilige Abend Teil des Kulturkampfes geworden.

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Immer mehr US-Amerikaner fühlen sich davon nicht angesprochen

Weihnachtliche Klänge erfüllen in diesen Tagen die Shopping Malls Amerikas, doch an den ursprünglichen Gedanken des Fests, die Geburt Jesu Christi, erinnert nur wenig im multikulturellen Amerika. Keine Krippen, keine Jesusfiguren, noch nicht einmal der traditionelle Weihnachtwunsch "Merry Christmas" ziert Grußkarten oder die üppige Festdekoration der Geschäfte. In den USA gehören 85 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Glaubensgemeinschaft an. Knapp zwei Prozent der Bevölkerung sind jüdischen Glaubens, der Rest verteilt sich auf andere Religionsgemeinschaften wie Muslime oder Buddhisten. Um keine der anderen Religionsgruppen auszuschließen, war es in jüngster Zeit in weiten Teilen des Landes üblich geworden, sich nur noch ganz neutral "Happy Holidays" - "Frohe Festtage" zu wünschen.

Weihnachtskarten und Hanukkah Karten USA

Links die Karten für Hannuka, rechts die für das Weihnachtsfest

In diesem Jahr jedoch haben christliche Gruppierungen gegen die Ent-Christianisierung des Fests mobil gemacht. In einer landesweiten Kampagne fordern sie: Wünscht einander wieder "Merry Christmas" - "Frohe Weihnachten"!

Wie feiert man Weihnachten interreligös?

Weihnachten ist in den USA vor allem ein kommerzielles Ereignis, bei dem die großen Ladenketten einen erheblichen Teil ihres Jahresumsatz erzielen, da will man niemanden durch den vermeintlich falschen Wunsch zum Fest brüskieren und gar vom Kauf abschrecken.

Religiöse Christen wie Jenn Giroux, die im Bundesstaat Ohio einen christlichen Buchladen führt, geht dieser multikulurelle Trend zu weit. Zusammen mit anderen hat sie die Aktion: "Just say merry Christmas" ("Sagt wieder Frohe Weihnacht") ins Leben gerufen. "Wir wollen Christus im Weihnachtsfest bewahren für unsere Kinder und Enkelkinder," sagt Giroux. Doch das sei nicht als Beleidigung gegenüber Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften gemeint. "Ich zum Beispiel habe viele jüdische Freunde und wünsche Ihnen ein frohes Hanukka. Es geht nicht um die Zurücksetzung anderer. Wir denken positiv und wollen Christen ermutigen, wieder Frohe Weihnachten zu sagen und Jesus in den Mittelpunkt der festlichen Jahreszeit zu stellen."

Das Ende des Weihnachtsbaums?

Die Aktionsgruppe um Giroux hat in 16 Tagen 15.000 Armbänder mit dem Aufdruck "Just say merry Christmas" verkauft, für zwei Dollar das Stück in 43 Staaten der USA. Das Armband in den Weihnachtsfarben grün-rot ist inzwischen vergriffen. 10.000 weitere Exemplare sind vorbestellt.

Unterstützung erhalten die Religiösen vom Vorsitzenden des Repräsentantenhauses in Washington D. C., Dennis Hastert. Der hat den vor dem Kapitol aufgestellten Tannenbaum, der seit Beginn der 1990er-Jahre nur noch "Holiday Tree" hieß, in diesem Jahr kurzerhand wieder in "Christmas Tree", also Weihnachtsbaum, umbenannt. Das wiederum rief liberale Bürgerrechtsorganisationen auf den Plan, die darin eine unzulässige Verquickung von Staat und Kirche sehen - die nach der amerikanischen Verfassung getrennt bleiben müssen. Für Jenn Giroux kommt das einem Feldzug gegen das christliche Weihnachten gleich. "Wer bestreitet, dass es sich um einen Krieg gegen das christliche Weihnachtsfest handelt, der könnte genauso gut behaupten, es gäbe keine Pornografie im Internet. Jeder, der Augen im Kopf hat, kann doch sehen, dass man versucht, Jesus aus unserer Gesellschaft zu verbannen."

Die Linken sind schuld

Doch ganz so harmlos ist es nicht. Der ideologische Vater der Bewegung heißt John Gibson. Er ist Moderator des konservativen Nachrichtensenders Fox News. Sein Buch "Der Krieg gegen das Weihnachfest", das in diesem November in den Buchläden erschien, versucht eine Verschwörung der politischen Linken gegen das christliche Weihnachten nachzuweisen. Diese Verschwörung habe zum Ziel, so das Buch, Abtreibungen und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in den USA den Weg zu ebnen. Auf seinem Nachrichtensender ruft Gibson zum Boykott von Ladenketten auf, die auf das Wort "Christmas" in ihrem Weinachtschmuck verzichten. Der scheinbar harmlose Streit um ein Wort ist also Teil des amerikanischen Kulturkampfs.

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