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Filme

Wie viel Erotik verträgt eine Freundschaft?

Zwei Paare im zweiten Frühling, eine französische Postkartenidylle und knisternde Erotik: Arnaud und Jean-Marie Larrieu gelingt mit "Malen oder Lieben" eine unwiderstehlich humorvolle Liebeskömodie mit Starbesetzung.

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Spaziergang mit neuen Freunden

Madeleine, eine Landschaftsmalerin (Sabine Azema) und William (Daniel Auteuil) sind ein durchaus glückliches Paar und leben seit Jahren in einer unkomplizierten Ehe. Doch einem solchen Wechsel der Umstände sind sie nicht gewachsen: William geht in den Ruhestand, die Tochter zieht es zum Studieren nach Italien und plötzlich scheint ihr vorher so harmonisches Leben auseinander zu brechen. Ihre erste Lösung klingt einfach: Aus einer Laune heraus ziehen sie aus der Stadt in ein altes Bauernhaus in der Provence.

Die Malerin (Sabine Azema)

Die Landschaftsmalerin Madeleine (Sabine Azema) ist auf der Suche nach der Schönheit

Schnell schließen sie Freundschaft mit dem blinden Bürgermeister Adam (Sergi Lopez) und seiner Frau Eva (Amira Casar), die ihr Leben jedoch gehörig durcheinander wirbeln. Als nämlich das Haus der beiden abbrennt, bieten ihnen William und Madeleine eine Bleibe an, was schnell zu Verwicklungen und Gefühlschaos führt. Am Ende weiß keiner der Vier mehr, wen er eigentlich lieben soll.

Das Leben neu lernen

Bereits dieser Plot verspricht humorvolles und unterhaltsames Kino in typisch französischer Atmosphäre. Das direkt vermittelte Lebensgefühl der Protagonisten, allesamt Mittfünfziger, macht von Beginn an Spaß, wie auch der Wandel der beiden Hauptfiguren William und Madeleine. Als bürgerliches Großstadtpaar, deren Lebensinhalt bisher fast nur noch in der Erziehung ihrer Tochter lag, müssen sie das eigene Leben erst wieder erlernen - wie auch das Verlieben.

Auf der Veranda

Das neue Leben in der Provence soll ihre Liebe auffrischen

Besonders hier kommen die Stärken der Schauspieler zur Geltung. Der zaghafte Versuch von Leidenschaftlichkeit, mit dem William in sein neues Leben startet oder die Lebenslust von Madeleine, die so typisch, aber unverkrampft französisch wirkt, ziehen sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film. Das machen die Regie führenden Brüder Arnaud und Jean-Marie Larrieu, die 2003 mit "Un homme, un vrai" ihr Debut gaben, immer wieder auch in bedeutungsschwangeren Bildern deutlich. Neben dem brennenden Bauernhaus und der symbolischen Blindheit Adams vor allem in der Szene einer Nachtwanderung: Das Ehepaar wandert mit dem neuen Freund Adam durch einen stockdunklen Wald und das minutenlange Schwarz, nur akustisch durch das Zirpen der Grillen oder das Gluckern eines Bachs strukturiert, bietet ein perfektes Bild für ihre neue Situation.

Alles andere als beliebig

Kameramann Christophe Beaucarne gelingt mit klaren Bildern und seiner reduzierten Inszenierung eine poetische Stimmung, die durch die brillante Lichtführung unterstrichen wird. Der Film beschränkt sich jedoch keineswegs darauf, nur schöne Landschaften und eine gut erzählte Liebesgeschichte zu transportieren. Vielmehr sorgen die Schauspieler, allen voran Daniel Auteuil und Sabine Azema, für glaubwürdige Charaktere und immer wieder auch für knisternde Erotik, ohne - wie so oft sonst - in die Beliebigkeit abzudriften.

Kuss in der Küche

Ein französischer Film ohne Liebe wäre nicht denkbar gewesen

Am Ende zeigt der Film den Partnertausch der beiden Paare keineswegs als moralische Stolperfalle oder mit erhobenem Zeigefinger, sondern als adäquate Therapie für alle Beteiligten. Ein Film mit wunderbarem Humor und so französisch, wie es nur geht - immer knapp davor, in Klischees abzudriften. Und gerade an diesen Grenzen ist der Film am schönsten.

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