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Wie umgehen mit dem Iran?

Der Streit mit dem Iran über dessen Atomprogramm sowie die Berichterstattung darüber bewegt weiter die Gemüter der Nutzer von DW-WORLD.DE.

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Über einen Gastkommentar von Janet Kursawe ("US-Regierung spielt Teheran in die Hände") schreibt Michael Moller:

Der Kommentar ist von einem tief sitzenden antiamerikanistischen Ressentiment erfüllt, die iranische Regierung wird geradezu als bedauernswertes Opfer subtiler amerikanischer Provokation dargestellt, siehe die beiden folgenden Zitate: "Die religiöse Frömmigkeit und Selbstinszenierung von Ahmadinedschad, die er mit Opferbereitschaft und überhöhtem Nationalismus verbindet, ist die logische Antwort auf das freiheitliche Sendungsbewusstsein von George W. Bush." sowie "Das sich verschlechternde politische Klima und ein Anstieg von Menschenrechtsverletzungen sind Folgen der zunehmenden Isolation Irans."

Fakten sind: Der iranische Präsident leugnet den Holocaust, vertritt gebetsmühlenartig die Vernichtung Israels. Das iranische Regime ist totalitär undemokratisch und begeht massivste Menschenrechtsverletzungen (selbst an letzterem sind irgendwie die USA schuld). Der IRAN(!) hat den russischen Kompromissvorschlag im Atomkonflikt abgelehnt, es gab von Anfang an nicht das geringste Zeichen des Einlenkens seitens Iran usw. usw. Das Gerede über Deeskalationsstrategien ist schlicht Ausdruck argumentativer Hilflosigkeit vor dem gefühlten Wissen, dass es eben der Iran ist, der nicht deeskalieren will.

Die Autorin weicht der Frage aus, ob das Entstehen einer zukünftigen Atomwaffenmacht Iran (Ahmadinedschadscher Prägung!) bei Erfolglosigkeit aller Kompromissangebote militärisch verhindert werden oder letzten Endes zähneknirschend akzeptiert werden soll. (Bei Entscheidung zugunsten der letzteren Alternative empfehle ich Frau Kursawe, dieses doch einmal israelischem Publikum vorzutragen.)

Die Konstatierung langfristig fataler sicherheitspolitischer Folgen im Falle eines punktuellen Militärschlags ist Ausdruck der Konvergenz der Propaganda des iranischen Staatspräsidenten mit der sicherheitspolitischen "Analyse" einer Vertreterin des deutschen Orient Instituts, hat aber mit einer realistischen Einschätzung weltpolitischer Kräfteverhältnisse wenig zu tun. Die Autorin als Repräsentantin eines "Think Tanks" zu bezeichnen, ist vor diesem Hintergrund eine bizarre Übertreibung, die auf die Deutsche Welle zurückfällt. Sie ist vielmehr eine mittelmäßige Vertreterin des alteuropäischen deutschen Common Sense, der sich schon seit Jahren aus verantwortungsvoller Weltpolitik und Analyse verabschiedet hat.

Jörg Thiede meint zum selben Thema:

1945 haben die US-Amerikaner zwei Atombomben auf Japan geworfen, die erste sicher aus taktischen, die zweite aus niederen Gründen. Seit diesen Tagen irrt das Gespenst des Atomkriegs um die Welt. Es waren bisher immer ausnahmslos die US-Amerikaner, die mit solchen Waffen drohten, nicht einmal die Russen auf ihren Beutezügen um die Welt haben vergleichbares angerichtet. Und nun wieder die US-Amerikaner: Irak verpfuscht, Verteidigungs- und Außenpolitik total verkorkst weil unfähige Säbelrassler am Werke, man betrachte nur die Gesten eines Rumsfeld genau, und nun der Iran. Na ja, wenn es im Irak nicht klappt, gehen wir eben ein bisschen weiter östlich.

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