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Wirtschaft

Wie teuer wären iPhones made in USA?

Als Präsident werde er dafür sorgen, dass Apple seine iPhones nicht mehr in China baut, sondern den USA, hat Donald Trump im Wahlkampf gedroht. Ist das sinnvoll? Und was würde das kosten?

Apple entwickelt das iPhone und andere Produkte an seinem Konzernsitz im kalifornischen Cupertino. Hier arbeitet ein großer Teil der 116.000 Mitarbeiter, die das Unternehmen nach eigenen Angaben in Vollzeit beschäftigt, darunter Ingenieure, Designer, Programmierer und Marketingfachleute. Außerdem gibt es allein in den USA 268 Apple Stores, die ebenfalls Mitarbeiter beschäftigen.

Produziert wird das iPhone allerdings in China, wie fast alle Smartphones der Wettbewerber auch. Und zwar durch zwei Firmen, die ihren Hauptsitz in Taiwan haben: Hon Hai Precision Industry, auch bekannt als Foxconn, und Pegatron. Gemeinsam haben beide Firmen zuletzt rund 200 Millionen iPhones pro Jahr produziert.

"Ich werde Apple dazu bringen, seine Computer und iPhones in unserem Land zu bauen und nicht in China", hatte Trump im Wahlkampf mehrfach gesagt. Die Botschaft: So entstehen in den USA Jobs für Amerikaner, und das Land wird wieder "great".

Die Rechnung, bitte!

Nach Angaben des Nikkei Asian Review hat Apple seine Subunternehmer Foxconn und Pegatron gebeten, die Kosten für eine Verlagerung der Produktion in die USA zu kalkulieren. "Foxconn ist dem nachgekommen", zitiert die englischsprachige japanische Wirtschaftszeitung eine anonyme Quelle. "Pegatron hat es dagegen aus Kostengründen abgelehnt, einen solchen Plan durchzurechnen."

Das Ergebnis der Foxconn-Berechnungen laut derselben Quelle: "iPhones in den US herzustellen, würde die Kosten mehr als verdoppeln."

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Ein aktuelles iPhone 7 mit 32 GB Speicher kostet bei Apple 649 US-Dollar. Die reinen Herstellungskosten belaufen sich nach Berechnungen des Informationsdienstleisters IHS Markit auf 220 Dollar, davon sind rund fünf Dollar Lohnkosten.

Nun ist Foxconn als Hauptproduzent des iPhones in China keine verlässliche Quelle, um eine Verdoppelung der Kosten bei einer Verlagerung in die USA vorherzusagen. Jason Dedrick, der als Professor an der Syracuse University in New York zur Globalisierung der Informationsindustrie forscht, kommt auf andere Zahlen.

Wer trägt die Kosten?

"Würde das iPhone in den USA zusammengebaut und alle dazu nötigen Komponenten fertig importiert, dann würden die Herstellungskosten um 30-40 Dollar steigen", so Dedrick zur DW. Das liege zum einen an den höheren Lohnkosten in den USA, zum anderen am höheren Aufwand für Transport und Logistik.

"Würden alle Einzelteile in den USA hergestellt und das iPhone auch dort zusammengebaut", so Dedrick, "dann würde die Herstellung um mindestens 80-90 Dollar teurer". Apple könnte die Kosten entweder auf den Verkaufspreis aufschlagen oder müsste eine entsprechend niedrigere Profitmarge hinnehmen.

Doch selbst Dedrick glaubt nicht an eine Verlagerung der kompletten iPhone-Produktion in die USA. "Kurz- und mittelfristig wäre es unmöglich, dort die Infrastruktur aufzubauen, die für die Produktion von jährlich hunderten Millionen iPhones nötig ist", so Dedrick.

Vorteil China

Denn die Standorte in China haben sich zu regelrechten Ballungszentren für die Smartphone-Produktion entwickelt. Hier werden nicht nur Geräte sämtlicher Hersteller zusammengeschraubt, hier sitzen auch die meisten Zulieferer, und auch die Verarbeiter der "Seltenen Erden", die vor allem von China gefördert werden und in keinem Handy fehlen dürfen.

"Hinzu kommt, dass eine Firma wie Foxconn die Ausrüstung, das Wissen und die Erfahrung hat, um die Produktion von Null auf mehrere Millionen hochzufahren, und zwar innerhalb der kurzen Zeiträume, die Apple braucht, um wettbewerbsfähig zu sein", sagt Dedrick.

Der Aufbau dieser Infrastruktur in China habe "einige Jahrzehnte" gedauert und "außergewöhnlich hohe Investitionen durch tausende Firmen" erfordert. Es sei nicht abzuschätzen, was eine ähnliche Struktur in den USA kosten würden, so Dedrick.

Steve Jobs mit Apple iPhone (picture alliance/dpa/J. G. Mabanglo)

In den USA gebe es nicht genügend Facharbeiter für die iPhone-Produktion, soll Apple-Gründer Steve Jobs 2010 laut seinem Biographen Walter Isaacson gesagt haben.

Mehr Roboter

Ob durch eine Verlagerung der reinen Montage in die USA viele Arbeitsplätze entstehen würden, ist zudem fraglich. "Dort würde die Produktion wahrscheinlich mehr automatisiert sein", glaubt Dedrick.

Denn schon jetzt, bei den zwar steigenden, aber noch verhältnismäßig niedrigen Löhnen in China, arbeiten die Gerätehersteller bereits an Plänen, die Montage zunehmend durch Roboter erledigen zu lassen.

Dedrick ist überzeugt, dass eine Produktionsverlagerung auch für die USA Nachteile hätte: "Profitieren würden vor allem Apples Wettbewerber, weil sie in China Kostenvorteile haben. Und wenn Apple weniger verkauft, könnten auch viele hochbezahlte Jobs in den USA verschwinden, in Forschung und Entwicklung, bei den Ingenieuren oder im Management."

"Hirngespinst von Dummköpfen"

Als Präsident wird Donald Trump Apple und andere Firmen kaum zwingen können, in den USA zu produzieren. Allerdings hatte er im Wahlkampf auch davon gesprochen, Exporte aus China mit Strafzöllen von bis zu 45 Prozent zu belegen und damit teurer zu machen.

Auf den Einwand eines Interviewers des US-Senders NBC im Juni, dass die Regeln der Welthandelsorganisation WTO solche pauschalen Strafzölle verbieten, sagte Trump nur: "Dann verhandeln wir eben neu oder treten aus. Die Welthandelsorganisation ist ein Desaster."

Schon Anfang der 1980er Jahre hatte der damalige US-Präsident Ronald Reagan versucht, US-Branchen wie Chip- und Motorradhersteller vor der - damals japanischen - Konkurrenz zu schützen, zum Teil mit hohen Zöllen. Insgesamt aber hätten die USA grundsätzlich eine freie und offene Handelspolitik beibehalten, so David Flath, Wirtschaftsprofessor der North Carolina State University.

Wenn sich das unter Trump ändern sollte, würde nicht nur der amerikanische, sondern auch der weltweite Wohlstand Schaden nehmen. "Eine Abschottung der USA ist das Hirngespinst von Dummköpfen, aber kein erreichbares Ziel", so Flath zur DW.