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Projekt Zukunft

Wie stressig darf unser Alltag sein?

Über guten und schlechten Stress ein Gespräch mit Prof. Isabella Heuser, Charité Berlin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Video ansehen 03:27

DW:

Jeder Mensch nimmt dieselbe Situation ja unterschiedlich wahr. Wir scheinen uns auch an den Stress im Alltag gewöhnt zu haben? Wie passt Wohlbefinden und Dauerstress zusammen?

Isabella Heuser:

Es kommt häufig vor, dass subjektiv gesagt wird, mir geht es eigentlich ganz gut, objektiv die Daten aber nicht dafür sprechen.


Dauerstress ist also auf längere Zeit immer schädlich?

Richtig. Stress auf die Dauer ist auf jeden Fall schädlich. Von Dauerstress spricht man dann, wenn der Körper nicht mehr von Spitzenleistungen, bei denen er richtig angekurbelt wird, zurück auf ein Ruheniveau kommen kann. Ein Ruheniveau ist dann gegeben, wenn zum Beispiel der Ruhepuls eintritt, der Blutdruck runter geht oder wenn bestimmte Hormone wieder nach unten reguliert werden. Wenn das nicht mehr passieren kann, wenn zum Beispiel selbst beim Schlafen keine erholsame Situation eintritt - dann ist das schädlich.

Was sind die schlimmsten Folgen von Dauerstress?


Das sind im Wesentlichen drei Erkrankungen: Die wichtigste, die auch immer mehr zunimmt, ist die Depression. Massiver Dauerstress kann auf Dauer zu Depressionenführen. Aber auch zu körperlichen Folgen, wie zum Beispiel Schlaganfall oder Herzinfarkt, also sogenannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen.


Trotzdem brauchen wir den Stress, weil er unseren Stoffwechsel ankurbelt. Dadurch werden wir leistungsfähiger, unsere Kräfte werden mobilisiert. Wie lange brauchen wir so einen positiven Stress?

Das hängt von der angeborenen Stressverarbeitung ab. Es gibt Menschen, die sind ganz einfach stressresistenter und andere sind stressempfindlicher.


Wo liegt die Grenze zwischen positivem und negativem Stress?

Man kann so etwas nicht definieren und deshalb vermeiden wir solche Begriffe, wie positiver und negativer Stress. Es kommt wirklich auf das Individuum an, auf die Situation des einzelnen Menschen, der im Stress ist. Das kann man nicht verallgemeinern. Aber man kann sicherlich als Faustregel sagen: Jeder sollte aufmerksam sein und vielleicht seinen Lebenstil überdenken. Beispielsweise wenn man das Gefühl hat, abends ohne Alkohol nicht mehr gut einzuschlafen.


Es ist auch wichtig für Ruhepausen zu sorgen. Das ist ja immer noch der einfachste Tipp.

Schauen wir noch ein bisschen in die Zukunft. Die digitale Welt macht es möglich: Wir müssen heute mehr Aufgaben bewältigen als früher und die Technik entwickelt sich schnell weiter. Werden damit Stresserkrankungen zunehmen?

Wir gehen davon aus, dass der Stress für die Menschen und damit einhergehende Krankheiten zunehmen werden, sowohl Schlaganfälle, als auch Depressionen. Das hat sich auch in den letzten 10 bis 15 Jahren gezeigt. Ich glaube, wir müssen insgesamt unseren Lebenstil überdenken.

(Interview: Maria Grunwald)