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Amerika

Wie steht es um die "Lage der Nation"?

Wie viele Amerikaner hoffen auch die Bewohner der Kleinstadt Dalton, Georgia, auf Lösungen drängender sozialer Probleme. Ob ihnen die Rede zur Lage der Nation von US-Präsident Barack Obama Hoffnung geben kann?

"Mitte 2009 hat uns die Wirtschaftskrise mit voller Wucht erwischt, danach kamen wir nur mit viel Mühe über die Runden", sagt Sam Burger. Er ist Vizepräsident von Lexmark Carpet Inc., einer von über 150 Teppichfabriken in Dalton, Georgia. Die 33.000-Einwohner-Stadt im Südosten der USA bezeichnet sich selbst als die internationale Hauptstadt der Teppiche. Stolz führt Burger durch seine Fabrik. In zwei Hallen wird unter meterhohen Decken produziert. Als einer von wenigen in der Gegend konnte der Betrieb in den letzten Monaten wachsen. "Hier haben wir vor kurzem unsere Produktionshalle um 3000 Quadratmeter erweitert", erklärt Burger. Ungewöhnlich für Dalton. Die Arbeitslosigkeit in der Stadt beträgt elf Prozent, das liegt noch über dem Landesdurchschnitt von 7,9 Prozent. Selbst für amerikanische Verhältnisse zu hoch - und ein Problem für Präsident Obama, dessen Regierung mit massiven Konjunkturprogrammen versucht hat, die Wirtschaft anzukurbeln. Die amerikanische Notenbank hat erklärt, die Zinsen so lange niedrig zu halten, bis die Arbeitslosigkeit unter 6,5 Prozent sinkt.

Produktiv durch illegale Einwanderer

Rund 250 Männer und Frauen arbeiten rund um die Uhr in Zwölf-Stunden-Schichten in der Lexmark Fabrik. Ohne Tageslicht, bei ohrenbetäubendem Lärm und extremer Hitze. Die Arbeiter sprechen untereinander Spanisch. Ein Großteil der Menschen hat keine Aufenthaltsgenehmigung. Sie sind vor zehn Jahren nach Dalton gekommen, als die Wirtschaft noch boomte.

Buy American Schild I Foto: DW

Die US-Wirtschaft unterstützen und dabei Arbeitsplätze sichern - ein beliebter Werbespruch hier in Dalton

Mehr als elf Millionen illegale Einwanderer leben in den USA und verrichten Arbeiten, für die sich keine Amerikaner finden lassen. Die US-Wirtschaft ist auf sie angewiesen. Doch die Menschen sind nicht versichert und haben keinen Anspruch auf Rente. Eine Einwanderungsreform ist längst überfällig, scheiterte aber bisher am Widerstand der Republikaner. Doch die Gruppe der Latinos wird größer und einflussreicher und die Republikaner haben seit dem Wahlsieg Obamas begonnen, umzudenken: Der republikanische Senator Marco Rubio wird die traditionelle Erwiderung auf Obamas Rede halten - in Englisch und  Spanisch.

Einwandererkinder zwischen zwei Welten

Erste Veränderungen haben stattgefunden, und die Kinder an der Mittelschule in Dalton könnten zu den Ersten zählen, die davon profitieren. Etwa zwei Drittel der Schüler sind lateinamerikanischer Herkunft. Andres* ist einer von ihnen. Der 13-Jährige geht in die achte Klasse. Kurz vor seiner Geburt kamen seine Eltern aus der mexikanischen Provinz in die USA, Andres kam somit als amerikanischer Staatsbürger zur Welt.

Sein Vater aber hält sich illegal in den USA auf. Er arbeitet, wie fast alle Latinos in Dalton, in einer der Teppichfabriken. Andres macht kein Geheimnis aus der Geschichte seiner Familie, spricht offen darüber, während er nervös auf seinem Stuhl hin und her rutscht. In einem ist er zwiegespalten: "Ich fühle mich als Mexikaner, ich spreche die Sprache und meine Familie ist in Mexiko zu Hause", sagt Andres. Zugehörig zur amerikanischen Gesellschaft fühlt er sich nicht, aber er weiß, dass ihn in den USA eine bessere Zukunft erwartet. Sein großer Traum ist es, Meteorologe zu werden. Am liebsten in San Francisco, dort soll man gut verdienen.

Stillstand in Washington

David Pennington Foto DW

Bürgermeister David Pennington beklagt fehlende Kompromissbereitschaft der Parteien in Washington

David Pennington ist mit den Sorgen der Kinder vertraut. Der Bürgermeister hat für das politische Treiben in der Hauptstadt nur sehr wenig übrig. "Wir haben zwei 'Disney Worlds' in den USA, eines befindet sich in Orlando, das andere in Washington", sagt Pennington. Welche Partei an der Macht ist, spiele für ihn persönlich keine Rolle. "Sie glauben alle an einen aufgeblähten Regierungsapparat", erklärt er. "Die Demokraten verschwenden dafür unsere Steuergelder und die Republikaner wollen all unsere Probleme mit Schulden lösen."

Auch der Präsident hat den Stillstand in Washington immer wieder beklagt - bisher ist es ihm aber nicht gelungen, Demokraten und Republikaner an einen Tisch zu bringen. Ein aktuelles Ereignis könnte für ein Aufbrechen der bestehenden Fronten sorgen: die Schießerei von Newtown, bei der im Dezember 27 Menschen erschossen wurden, darunter 20 kleine Kinder. 

Waffenrechtsänderungen

Ein paar Meilen nördlich von Dalton, zwischen Kuhweiden und weißen Holzhäusern befindet sich, umringt von einem Wäldchen, die Schießbahn der Camp Shooters Inc.

Nicolas Lama Foto: DW

Der Zwölfjährige Nicolas Lama geht regelmäßig mit seiner Familie auf die Schießbahn

Hier treffen sich regelmäßig Waffenliebhaber. Der zwölfjährige Nicolas Lama nimmt seine Pistole in den Anschlag, zielt und trifft in die Mitte der zehn Meter entfernten Scheibe. Er schießt seit seinem vierten Lebensjahr. Sein Großvater Eddie Painter klopft ihm anerkennend auf die Schulter: "Gut gemacht Junge."

Painter verweist beim Thema Waffengesetze gerne auf die Verfassung. "Für jedes Recht - sei es die freie Meinungsäußerung, die Religionsfreiheit oder eben das Recht auf Waffenbesitz - müssen wir einen Preis bezahlen", findet er. Es werde immer Menschen geben, die Rechte missbrauchten. Nach dem Massaker von Newtown hatte Präsident Obama erklärt, es sei an der Zeit, das Waffenrecht zu ändern.  Das Land ist in der Waffenfrage nach wie vor tief gespalten.

Die strauchelnde Wirtschaft, Einwanderung und die umstrittenen Waffengesetze sind nur einige Probleme, für die US-Präsident Obama eine Lösung finden muss. Die Menschen in Dalton sind skeptisch, ob sich ihre persönliche Lage durch Entscheidungen in Washington verbessern kann.

*Name von der Redaktion geändert

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