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Fußball

Wie sicher sind Fußballstadien?

Krawalle in Frankfurt, ein vereitelter Anschlag in Dortmund und ein Bierbecherwurf auf St. Pauli – die Bundesliga zeigte in diesem Jahr nicht nur friedlichen Sport. Eine neue Sicherheits-Initiative soll nun helfen.

Ein Frankfurter Fan wird von Polizisten vom Spielfeld abgeführt (Foto: AP)

Tatort Frankfurt: Ein Fan wird von Polizisten abgeführt

Nach dem verlorenen Heimspiel gegen Köln am 33. Spieltag hatten es die Eintracht-Profis eilig, in ihre Kabine zu kommen - nicht etwa, um unangenehmen Interviews mit Journalisten aus dem Weg zu gehen, sondern weil die eigenen Fans sie jagten. Rund 150 vermummte Hooligans suchten ein Ventil für ihren angestauten Frust. Die traurige Bilanz: Zehn Verletzte, sechs Festnahmen, eine demolierte Tribüne und eine kaputte TV-Kamera im Wert von rund 600.000 Euro.

Frankfurter Fans stürmen das Spielfeld nach der Pleite gegen Köln (Foto: AP)

Frankfurter "Problemfans" stürmen das Spielfeld

"Wir haben Verständnis für Enttäuschung, aber was wir ablehnen, sind jegliche Aggressionen gegen Sachen oder Menschen", stellte Frankfurts Trainer Christoph Daum klar, dem die sportliche Talfahrt schon völlig gereicht hätte. Nun hat er auch noch die sogenannten Problemfans am Hals. Die Frankfurter Ausschreitungen sind nur das jüngste Beispiel für die diffizile Sicherheitslage in den deutschen Fußballstadien. Wenn bei bis zu 80.000 Menschen die Emotionen hochkochen, gerät die Situation trotz aller Vorkehrungen schon mal außer Kontrolle. Da fliegt dann mal ein Bierbecher auf den Linienrichter oder ein Feuerzeug auf den gegnerischen Torwart und auch unter den Fans gibt es immer mehr Verletzte.

17,5 Millionen Zuschauer und mehr Straftaten

"Wir haben schon extreme Steigerungsraten, was Gewalttaten und Verletzte betrifft", sagt Ralf Jäger, Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Zunahme der Gewalt liege auch daran, dass immer mehr Menschen in die Stadien strömen: 17,5 Millionen Zuschauer sind es in dieser Spielzeit. Und wo es mehr Menschen gebe, dort gebe es auch mehr Straftaten. Dennoch sei der massive Anstieg nicht hinnehmbar. Daher will der Innenminister mit einer neuen Modell-Initiative für mehr Sicherheit im Stadion sorgen. Dabei sollen Polizei, DFB, Vereine, Verkehrsbetriebe und Fans zusammenarbeiten. Bei Erfolg soll diese Kooperation vom bevölkerungsreichsten Bundesland auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt werden.

Das Dortmunder Stadion (Foto: AP)

Anschlagsziel BVB-Arena: Im März verhinderte die Polizei ein Bomben-Attentat auf ein Borussen-Spiel

Insbesondere außerhalb der Stadien und auf den Reisewegen habe die Gewalt zugenommen, sagt Helmut Spahn, Sicherheitsbeauftragter des Deutschen Fußballbundes. "Das ist vollkommen inakzeptabel, und das abzustellen, das ist das Ziel der Initiative." Doppelt so viele Straftaten bei Fußballspielen wie noch vor zehn Jahren registrierte die Polizei und die hat immer mehr Arbeit mit der Sicherung der Spiele. Fast 1,8 Millionen Einsatzstunden pro Saison kosten den Steuerzahler viel Geld. Angesichts der prekären Sicherheitslage ist dies aber unverzichtbar, wie das vereitelte Bombenattentat auf das Dortmunder Stadion Ende März zeigte.

Polizei hofft auf Unterstützung der Fans

Dennoch sollen die verschärften Sicherheitsmaßnahmen nicht zu Lasten der friedlichen Fans gehen, wie Helmut Spahn betont. "Wir wollen keine Pauschalverurteilungen und auch keine Maßnahmen, die pauschal alle Fans betreffen, sondern wir möchten nur die treffen, die es verdient haben. Aber dazu sind wir auch auf Hilfe aus den Fanreihen angewiesen."

Polizisten auf Pferden in Dortmund (Foto: AP)

Fast 1,8 Mio. Polizei-Arbeitsstunden für eine Saison

Die Fans sollen helfen, Straftäter in ihren Reihen zu identifizieren. Gewaltbereite Hooligans sollen isoliert werden, statt dass sich die Fans mit ihnen solidarisieren, fordert Michael Gabriel, der die Bundesliga-Fanprojekte koordiniert. "Nehmen Sie zum Beispiel die Dortmunder Südtribüne: Dort stehen 25.000 Menschen. Der geringste Teil davon ist gewalttätig. Die anderen 24.975 müssen einfach ihr Maul aufmachen!"

Gabriel stellt aber auch klar, dass die große friedliche Mehrheit nicht für die Fehltritte einiger weniger mithaften dürften. "Die Fans geben den Vereinen unglaublich viel an Emotionen und einen großen Anteil ihres Lebens, sorgen dafür, dass im Stadion die Stimmung so toll ist, und dafür haben sie nicht nur Wertschätzung und Anerkennung verdient, sondern auch Interesse an ihnen selbst." Man will und muss also mehr miteinander reden, um zukünftig Krawalle wie in Frankfurt zu vermeiden.

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Miriam Klausner

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