Wie sich chinesische Unternehmer in Deutschland vernetzen | Wirtschaft | DW | 29.11.2017
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Integration

Wie sich chinesische Unternehmer in Deutschland vernetzen

Über 120.000 Chinesen leben in Deutschland. Die meisten davon studieren. Die zweitgrößte Gruppe besteht aus Unternehmern. Sie vernetzen sich - für mehr geschäftlichen Erfolg, aber auch für eine bessere Integration.

Mit der transsibirischen Eisenbahn kam Zhang Yuhua 1990 nach Deutschland. Während seines Maschinenbau-Studiums an der Technischen Universität in Hamburg jobbte er als Verpacker, Flugzeugreiniger, Kellner, und was sich sonst noch fand. "In Hamburg gibt es viele Chancen. Es ist einfach zu überleben." Um ein gutes Leben zu haben, schuftete er nach dem Studium weiter und zahlte viel Lehrgeld. Zehn Jahre später hatte er es geschafft. Heute beliefert er VW-Werke in Shanghai und Changchun mit Kabelbäumen.

Als erfolgreicher Unternehmer wolle er anderen Landsleuten den Start in Deutschland erleichtern und engagiere sich deswegen in der Vereinigung chinesischer Unternehmer, die er seit zwei Jahren leitet. "Wenn man hier neu ist, tappt man im Dunkeln. Wo finde ich ein bezahlbares Büro?  Welche Behörden sind für mich wichtig? Welcher Steuerberater hat ein gutes Preis-Leistungsverhältnis? Wir helfen bei diesen elementaren Dingen und zwar kostenlos", sagt Zhang Yuhua gegenüber der DW.

Zhang Yuhua, chinesischer Unternehmer (privat)

Zhang Yuhua wird über seine sozialen Engagements von einem chinesischen Sender interviewt

Vor rund 30 Jahren wurde die Vereinigung von den ersten chinesischen Unternehmern in Hamburg aus der Taufe gehoben. Unter ihnen die Gebrüder Chen, die junge Chinesen aus ihrer Heimat als Matrosen an europäische Firmen vermittelt hatten. Andere Gründungsmitglieder hatten die ersten China-Restaurants in Hamburg eröffnet. Heute sind die Unternehmer viel breiter aufgestellt und in Branchen wie Elektrotechnik, Chemie, Pharma und Textilindustrie unterwegs. Zudem haben sie ein höheres Bildungsniveau, so hat jedes vierte der über 40 Mitglieder einen Doktortitel.

Von der Domstadt aus für ganz Deutschland

Silke Besser, Deutsch-Chinesische Wirtschaftsvereinigung in Köln (privat)

DCW-Geschäftsführerin Silke Besser

Auch die Deutsch-Chinesische Wirtschaftsvereinigung (DCW) mit Sitz in Köln feiert in diesem Jahr ihr 30jähriges Jubiläum. Gegründet wurde sie von den ersten deutschen Unternehmern, die sich in China engagierten und das Bedürfnis verspürten, sich zu vernetzen und auszutauschen. Heute ist sie nicht mehr nur deutsch. Von den 450 Mitgliedern in ganz Deutschland machen Chinesen inzwischen 20 Prozent aus. „Darunter sind bekannte Namen wie Huawei und ZTE, aber auch ganz kleine Unternehmen, die gerade in Deutschland gestartet sind", sagt DCW-Geschäftsführerin Silke Besser gegenüber der Deutschen Welle. Der Fokus der Medien liege oft auf chinesische Übernahmen, dabei entstehen gerade viele spannende Startups.

Mit einem Deutschland-Telegramm auf Chinesisch und einem China-Telegramm auf Deutsch informiert die DCW ihre Mitglieder über marktrelevante Neuigkeiten in beiden Ländern. Ebenso wichtig ist der persönliche Austausch auf Veranstaltungen. Gute Kontakte können die halbe Miete für den geschäftlichen Erfolg ausmachen. Das gilt nicht nur für China. Laut Besser verfügt die DCW durch die Mitglieder über 26.000 Kontakte mit Unternehmen und Organisationen in beiden Ländern.

Weiblich und gebildet

Auch Luo Hongbin geht es um Netzwerken, als sie Anfang des Jahres einen Unternehmerinnenverband in Hamburg ins Leben rief. Das Besondere: Beitreten darf nur, wer weiblich ist und einen Hochschulabschluss hat. Sie wolle niemanden ausschließen und diskriminieren, aber "über manche Themen können Frauen untereinander besser kommunizieren und eine höhere Schwelle sorgt für mehr Gemeinsamkeiten und ähnliche Interessen", sagt Luo Hongbin im Gespräch mit der DW. Damit hat sie wohl einen Nerv getroffen – innerhalb kurzer Zeit hat ihr Verein über 40 Mitglieder gewonnen.

Deutschland Hamburger Unternehmerin Luo Hongbin (privat)

Will Frauenthemen in den Fokus rücken: Unternehmerin Luo Hongbin

Anders als ihr Landsmann Zhang Yuhua kam Luo Hongbin nicht als Studentin, sondern als Investorin in die Hansestadt. Sie gründete die Toolcraft Import-Export GmbH, lernte nebenbei Deutsch und zog zwei Kinder groß. "Männer bekommen Beifall, wenn sie einen guten Job machen. Frauen müssen aber noch den Haushalt führen und sich um die Bildung der Kinder kümmern", sagt Luo. Der Verband biete eine Plattform, Dampf abzulassen und positive Energie zu tanken. „Gemeinsam wollen wir auch Kontakte zu Unternehmerinnen in China knüpfen und in Deutschland besser integrieren", so Luo weiter.

Eine bessere Integration strebt auch die Vereinigung chinesischer Unternehmer an. Für Zhang Yuhua bedeutet das vor allem Steuerehrlichkeit. Früher gälte es unter Chinesen als Bagatelle, ein bisschen Steuern zu hinterziehen, Hauptsache, man käme mit einem Huhn in der linken und einer Ente in der rechten Hand nach Hause, sprich: Man bedenkt die Liebsten daheim mit reichlich Geschenken. Nun habe sich die Einstellung gewandelt, meint Zhang Yuhua: "Auch mit einem chinesischen Pass in der Tasche müssen wir versuchen, gute Bürger in Deutschland zu werden. Und als erste Bürgerpflicht gilt die Steuerpflicht. Schließlich profitieren wir ja von allen Vorteilen, die das Land bietet." Für Hühner und Enten wäre im Koffer ja immer noch Platz.

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