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Filme

Wie rassistisch ist Hollywood? Die USA streiten über ihr Kino

Nach Kritik an der Nominierung von ausschließlich weißen Schauspielern für die diesjährigen Oscars hat die US-Filmakademie Reformen angekündigt. Doch vielen reicht das nicht.

"Genug ist genug", sagt Frederic Kendrick, der junge Professor für Kommunikation an der Howard University in Washington, "wir haben es einfach satt." Sein Befund: "Die USA haben eine Menge Probleme mit Rasse und Kultur."

Dass schwarze Darsteller bei der Oscar-Nominierung erneut leer ausgingen, ist für Kendrick aber nur die Spitze des Eisbergs. Wenige Tage vor der Oscarverleihung am 28. Februar hat sich die Empörung über die Filmakademie in Hollywood, die aus 6261 Mitgliedern - hauptsächlich älteren, weißen Männern - besteht, nicht gelegt. Im Gegenteil: Der Ton der Auseinandersetzung ist schärfer geworden, besonders in den sozialen Medien.

#OscarsSoWhite ist eine der Plattformen für den landesweiten Protest

Der Hashtag OscarsSoWhite erhielt Stunden nach Bekanntgabe der Nominierungen für den diesjährigen Oscar Mitte Januar enormen Zulauf und ist inzwischen eine der Plattformen für den landesweiten Protest. Aber auch Zeitungen wie die "New York Times" stimmen in den Chor der Kritiker ein und konstatieren, dass Hollywood ein "Rassenproblem" habe. Der Regisseur Spike Lee und die Schauspielerin Jada Pinkett Smith waren die ersten, die angekündigt haben, sie wollten der Preisverleihung aus Protest fernbleiben.

Für die Aufregung vieler Amerikaner gibt es die verschiedensten Gründe. Präsident Barack Obama hat in seiner Kritik an der Filmakademie darauf verwiesen, dass die Debatte um die Diskriminierung schwarzer Schauspieler Teil eines größeren Problems sei: "Tun wir alles, damit jeder eine faire Chance bekommt?", fragte Obama - und ließ keinen Zweifel an der Antwort.

Hollywood Teil des Systems

Earl Ofari Hutchinson (Foto: AP Photo/Nick Ut)

Earl Ofari Hutchinson

Ausgangspunkt allen Übels ist für viele immer noch die Sklaverei. Auch wenn sie schon lange abgeschafft ist und alle US-Bürger nominell die gleichen Rechte und Chancen haben, steht für viele Schwarze und Angehörige anderer Minderheiten fest, dass dies nicht die Realität ist. Daran hat auch der erste schwarze Präsident bisher kaum etwas ändern können.

Aus Sicht vieler ist auch Hollywood Teil dieses Verhinderungssystems. Der prominente Buchautor Earl Ofari Hutchinson nennt es gegenüber der Deutschen Welle ein, "schräges, tief verwurzeltes, parteiisches System weißer Jungs", dessen einziger Sinn es sei, Privilegien zu verteidigen. "Hollywood hat kontinuierlich dafür gesorgt, alle nicht weißen Talente auszuschließen", kritisiert Hutchinson, der mit seinen Büchern und Sendungen über das Rassenproblem in den USA eine große Fangemeinde erreicht.

Medienstudenten der Howard University in Washington wollen es genau wissen. Sie haben für ihr Online-Projekt "Truth be told" einen Faktencheck begonnen, mit dem sie untersuchen wollen, ob die Vorwürfe gegen Hollywood und die Filmakademie berechtigt sind. Ein erster Blick in die 87-jährige Geschichte der Oscars fällt ernüchternd aus: Nur 32 Preisträger waren Schwarze.

Dynamik der Diskriminierung

Bilder beim Netzwerk Instagram - OscarsSoWhite

Bilder beim Netzwerk Instagram

Die zwei Oscars für Denzel Washington sind dabei die absolute Ausnahme. "In der Gründungsgeschichte von Hollywood waren Schwarze nicht vorgesehen", sagt Frederic Kendrick, der das Fakten-Check-Projekt an der Howard University ins Leben gerufen hat. Er erinnert an den Stummfilm "Birth of a nation", der 1915 von einem der Gründungsväter von Hollywood produziert wurde. Darin seien Schwarze in einem negativen Licht gezeigt und Praktiken des rassistischen Geheimbundes Ku Klux Klan verherrlicht worden.

Viele Amerikaner meinten, ihr Land sei bereits in einem "post-rassistischen Zeitalter" angekommen, vermutet Kendrick, doch sie machten sich etwas vor. Die "Dynamik von Hollywood" sei ein Beweis für das Gegenteil. Im letzten Jahr hat es aus Sicht der Kritiker einige wirklich gelungene Filme mit schwarzen Darstellern gegeben. Immer wieder werden hier Will Smith in "Focus" und Michael B. Jordan im Rocky-Streifen "Creed" genannt. Doch auch für sie hat es nicht zu einer Nominierung gereicht. Dabei haben beide Filme nicht nur ihre unbestrittenen Qualitäten, sondern waren auch an der Kinokasse erfolgreich.

Zögerliche Reformen

Die Filmakademie hat inzwischen versprochen, die Zahl der nicht weißen Mitglieder schrittweise zu erhöhen, um den Forderungen nach mehr "Diversity" (Vielfalt) Rechnung zu tragen. Zu spät und zu wenig sei das, kritisiert Earl Ofari Hutchinson. "Das ist alles andere als eine dramatische Veränderung", so der Buchautor, der sich auch als Präsident des Los Angeles Urban Policy Roundtables für die Interessen der Filmschaffenden einsetzt. Schon hört man Warnungen: Wenn die Filmakademie weiter störrisch bleibe, könne die Zeit bald über sie hinweggehen. Glanz und Einfluss wären dann schnell Geschichte.

Robert Redford (Foto: AP Photo/Doug Mills)

Robert Redford

Robert Redford, der in Hollywood einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk erhielt, hat den Kritikern mit kaum verhohlener Verachtung entgegengehalten, ihn interessiere "nur die Arbeit" und das Ergebnis auf der Leinwand. Redford verkörpere noch "die Elite der good old boys, die sich ihre Pfründe sichern wollen", kritisiert Hutchinson.

Proteste im Netz

So geht die Diskussion über Hollywoods angebliches Rassenproblem weiter. Ist sie, wie Professor Frederic Kendrick von der Howard University vermutet, das Vorspiel für eine weit größere Debatte? Produktionen aus anderen Weltregionen wie etwa "Bollywood" oder China seien in den USA ebenfalls kaum zu sehen. Für den Tag der Oscarverleihung haben Protestler schon mal eine massive Kampagne in den Sozialen Medien angekündigt. Gut möglich, dass Aktivisten im Netz den Filmstars auf der Bühne diesmal die Show stehlen.

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