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Wirtschaft

Wie offen ist Kuba schon?

Kuba, ein Markt von der Größe Guatemalas oder Puerto Ricos, wird für Touristen wie für Investoren auch aus den USA immer interessanter. Aber: Wie ist es wirklich bestellt um die wirtschaftliche Öffnung der Insel?

Sol Martínez sitzt im Schatten ihres Hauses in Havannas Stadtteil Vedado. Versonnen schaut sie dem spanischen Touristenpärchen nach, dessen Rollkoffer über den Asphalt klappert. Die Rentnerin, die ihren richtigen Namen weder im Netz noch in der Zeitung lesen möchte, ist zufrieden. Seit einigen Jahren schon vermietet sie zwei Zimmer im Obergeschoss ihres Hauses, aber "einen solchen Andrang wie derzeit, gab es noch nie", sagt sie. "Nachher kommen schon die Nächsten - ein Ehepaar aus Deutschland."

Auch Fran, der mit seinem Taxi Sols Gäste zum Flughafen bringt oder von dort abholt, kann sich über zu wenig Arbeit nicht beklagen. "Gestern erst hatte ich eine Tour in den Norden der Insel, auf die Cayos. Übermorgen geht es nach Viñales", erzählt er, während er das Gepäck in den Kofferraum hievt. Das Auto gehört zwar nicht ihm - er "bearbeitet" es nur, wie man in Kuba sagt - aber selbst auf diese Weise verdient er soviel wie ein Akademiker in einer staatlichen Festanstellung.

Inzwischen kommen auch die US-Touristen

Private Zimmervermietung und Taxifahren gehören zu jenen Tätigkeiten, die seit 2011 als Geschäftszweige für Kubaner zugelassen sind. Insgesamt umfasst die Liste knapp zweihundert Tätigkeitsfelder, darunter auch so Exotisches wie Feuerzeugbenzinnachfüller. Gutes Geld verdienen lässt sich aber vor allem in jenen Berufszweigen, die mit Tourismus zu tun haben. Erst recht seit US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Amtskollege Raúl Castro im Dezember 2014 einen Neubeginn der Beziehungen zwischen beiden Ländern angekündigt haben.

"Auf nach Kuba, bevor die US-Amerikaner kommen!" lautet das Motto der Stunde. Besucher aus aller Welt strömen auf die Karibikinsel und auch immer mehr US-Amerikaner machen einen Abstecher auf die bislang "verbotene Insel". Allein in den ersten zweieinhalb Monaten des Jahres wurden bereits mehr als eine Million Besucher verbucht - ein Rekord. Hotels sind trotz steigender Übernachtungspreise bis weit ins kommende Jahr ausgebucht. Selbst Privatunterkünfte sind immer schwieriger zu bekommen. Überall in Havanna schießen neue Bars und Restaurants aus dem Boden.

Noch mangelt es an Rechtssicherheit

Seit einigen Jahren vollzieht Kuba einen vorsichtigen Prozess wirtschaftlicher Öffnung. Mehr privatwirtschaftliche Initiative wurde zugelassen und ein neues Gesetz zu Auslandsinvestitionen verabschiedet, das es ausländischen Unternehmen ermöglicht, in alle Sektoren der kubanischen Wirtschaft zu investieren.

Der von der kubanischen Regierung aufgelegte Investitionskatalog umfasst 326 mögliche Investitionsprojekte mit einem Volumen von insgesamt 8,2 Milliarden US-Dollar - von Hühnerzucht über Herstellung von Impfstoffen bis hin zur Errichtung von Windparks. Das Interesse ist gewaltig. Regierungs- und Wirtschaftsdelegationen aus aller Welt geben sich seit Monaten in Havanna die Klinke in die Hand.

Der Moment für Kubas Rückkehr auf die weltwirtschaftliche Bühne scheint günstig. Der Rest Lateinamerikas kämpft mit Korruptionsskandalen, Währungsabwertungen und schrumpfenden Wachstumszahlen. Aber trotz aller Euphorie: Investieren auf Kuba bleibt mit Schwierigkeiten verbunden. Unternehmer beklagen immer wieder bürokratische Hürden und fehlende Rechtssicherheit.

US-Traktoren für kubanische Kooperativen

In Mariel, der Sonderwirtschaftszone vor den Toren Havannas, sind zwei Jahre nach der Eröffnung gerade einmal zwölf Projekte konkretisiert worden. Dort haben drei Firmen, die mit kubanischem Kapital arbeiten, ihren Sitz: ein Logistikunternehmen, eine Bank sowie Mariels Containerterminal, der mit brasilianischen Krediten errichtet wurde und von PSA International aus Singapur betrieben wird. Daneben haben sich bisher ein mexikanische Fleischproduzent, ein Farben- und Lackspezialist aus Mexiko, ein belgisches Transportunternehmen, ein spanischer Lebensmittelhersteller, ein Bauunternehmen aus Brasilien und ein kubanisch-brasilianische Tabak-Joint-Venture in Mariel angesiedelt.

Kuba Sonderwirtschaftszone Mariel

An der Nordküste Kubas, wenige Kilometer westlich von Havanna, liegt die Sonderwirtschaftszone Mariel.

Kurz vor dem Obama-Besuch bekam der Traktorenhersteller Cleber LLC aus Alabama grünes Licht aus Washington, um als erste US-Firma seit einem halben Jahrhundert ein Werk auf Kuba zu errichten. Ab Anfang 2017 sollen in Mariel dann jährlich rund 1000 kleine Traktoren für unabhängige Kleinbauern und Kooperativen vom Band rollen.

Der größte Bremser sitzt in Washington

Neben Landwirtschaft und Tourismus erscheinen vor allem Biotechnologie und Pharmazeutik als interessante Bereiche mit Potential. Noch aber dürfen kubanische Medikamente oder Biotechnologie-Produkte nicht in die USA eingeführt werden. Die weiterhin bestehende US-Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade verhindert dies.

Überhaupt ist die US-Blockadepolitik das wohl größte Investitionshindernis. Auch Sol traut den US-Amerikanern nicht ganz über den Weg. "Die sollen nicht glauben, dass sie die Uhren 60 Jahre zurückdrehen können. Herkommen und schnelles Geld machen, das läuft nicht. Sie müssen sich an unsere Regeln halten." Als Touristen sind sie ihr natürlich willkommen. "Wenn die Nachfrage weiter steigt, werden wir unsere Zimmerpreise wohl bald erhöhen", sagt sie und kneift die Augen zusammen.