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Wirtschaft

Wie nimmt man soziale Verantwortung wahr?

Richtlinien zur sozialen Verantwortung im Unternehmen haben heute die meisten Konzerne. Aber wie sieht es mit deren Verwirklichung aus? Von Julian Jaursch

Arbeiter einer Kohlegrube in China

Menschenrechtsverstöße gibt es häufig in der Rohstoffindustrie

Nein, dem Manager von heute geht es nicht allein um die Gewinn-Maximierung. Nachhaltiges Wirtschaften und Umweltschutz sind angesagt, soziales Engagement ist ein Muss. All das ist Teil des freiwilligen Bekenntnisses zur sozialen Verantwortung der Unternehmen oder, wie es auf Englisch heißt, der "corporate social responsibility", kurz CSR. Bei Großunternehmen sind CSR-Richtlinien heute weit verbreitet. Doch so umfangreich und konkret diese in der Theorie oftmals sind: Viele Konzerne tun sich mit der Umsetzung sehr schwer. Das zeigt eine Studie der Ratingagentur oekom research und der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PWC) zur sozialen Verantwortung bei Auslandsinvestitionen.

Zulieferbetriebe verstoßen oft gegen Arbeitsrecht

Chinesische Arbeiterinnen in einer Textilfabrik (Foto: dpa)

Arbeitsrechtsverletzungen gibt es auch bei Textilzulieferern

Gerade in Schwellenländern kommt es demnach häufig zu Verstößen gegen Arbeitsrechte. Die Extremfälle zählt Matthias Bönning von oekom research auf: "Wir sind mit Kinderarbeit konfrontiert, teilweise mit Sklavenarbeit." Häufiger gebe es jedoch einfach "extrem schlechte Arbeitsbedingungen", beispielsweise "exzessive Überstunden" oder eine Bezahlung unterhalb des Mindestlohns.

Gerade bei Zulieferern käme es oft zu Arbeitsrechtsverstößen. Dabei könnten Großunternehmen, die sich an CSR-Standards halten wollen, durchaus Druck auf ihre Zulieferer ausüben und von ihnen dieselben Standards verlangen. Knapp zwei Drittel der Unternehmen aus der Unterhaltungselektronikbranche arbeiteten mit Zulieferbetrieben, die geltendes Arbeitsrecht verletzt haben, sagt die Studie. Gleiches gelte für über die Hälfte der IT-Konzerne.

Renate Hornung-Draus, Geschäftsführerin bei der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), sieht hier zwar auch die Unternehmen in der Verantwortung. Doch zuerst müsse das national geltende Arbeitsrecht umgesetzt werden. "Die Unternehmen können nicht zur Verantwortung dafür gezogen werden, dass die gesamte Zulieferkette, auf die sie zum Teil gar keinen Einfluss haben, ihre Standards respektiert."

Menschenrechtsverletzungen vor allem in der Rohstoffbranche

Menschenrechtsverletzungen häufen sich der Studie von oekom research und PWC zufolge in Branchen, die nicht mit Zulieferern arbeiteten: die Öl-, Gas und Bergbauindustrie. "Bei diesen Branchen kommt es eher zu Verstößen bei den Unternehmen selber", sagt Bönning. Mehr als jedes fünfte Unternehmen der Öl- und Gasbranche verstoße gegen Menschenrechte, im Bergbau sei es jedes dritte. Beispielsweise gebe es Konflikte mit der lokalen Bevölkerung über die Landnutzung; dabei käme es auch zu Vertreibungen oder Enteignungen. Und das trotz der besonders umfangreichen CSR-Standards, die die Branche habe.

Regenwald in Malaysia (Foto: AP)

Schutz des Regenwaldes: Teil der CSR im Ausland

Dabei lohnt sich die Umsetzung von CSR-Maßnahmen im Idealfall auch finanziell für Unternehmen. Zum Beispiel, wenn sie bei einem Projekt im Ausland frühzeitig die lokale Bevölkerung einbeziehen. Das bringt nicht nur Imagegewinn, sondern auch Kosteneinsparungen, weil die Projekte reibungslos und ohne Proteste über die Bühne gehen können. Die Unternehmen erkennen zunehmend selbst, dass CSR-Standards heute zu ihrer Strategie im Ausland dazugehören sollten. Bindende rechtliche Vorgaben gibt es nicht. Es kommt gerade auf die Freiwilligkeit der Maßnahmen an - das betont auch die Europäische Kommission immer wieder. Die EU befürwortet aber klar den Ausbau von CSR-Maßnahmen. BDA-Geschäftsführerin Hornung-Draus sagt, dass CSR bei deutschen Unternehmen bereits jetzt einen sehr hohen Stellenwert habe.

Nachhaltigkeit: Wichtiges Kriterium für Anleger

Und auch Investoren legten immer mehr Wert auf die soziale Verantwortung von Unternehmen, sagt Bönning von oekom research. Dafür haben sie nicht ausschließlich ethische Gründe: Menschenrechtsverstöße von Großkonzernen schaden auch dem Unternehmen selbst und sind somit ein Risiko für das eingesetzte Geld des Anlegers.

Autor: Julian Jaursch

Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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