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Wie man "den Butt tritt"

Mit dem 'Butt treten' fing alles an: Schon als kleiner Junge ging Boy Boysen mit seinem Vater ins Watt zum Fischfang, zu Fuß und mit bloßen Händen fing er Schollen. Heute führt er Touristen durch sein altes Revier.

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Der Butt, also die Scholle, war eine wichtige Lebensgrundlage für die Bewohner der westlichen Küste Schleswig-Holsteins. Der Plattfisch hat die Angewohnheit, nicht unbedingt mit dem zweimal täglich ablaufenden Wasser der Nordsee hinauszuschwimmen. Er liebt es, sich in der Nähe der Priele, der tiefen Wasserfurchen, über die das Wasser den Küstenboden freilegt und auch wieder flutet, unter die Sandoberfläche einzubuddeln. Dort "döst" er dann in der Sonne, um mit der aufkommenden Strömung wieder ins Wasser zu gleiten. Er sei im Sand mit bloßem Auge nicht zu sehen, erzählt Boy Boysen.

Den Butt treten

Touristen unternehmen eine Wattwanderung

Wanderung im 4500 Quadratmeter großen Wattenmeer

"Nur eine halbe Stunde vor Niedrigwasser und eine halbe Stunde danach hat man Zeit, den Fisch mit dem Fuß zu treten, ihn zu fühlen. Nur so kann man ihn mit den Händen zu packen kriegen". Beim "Butt treten" hat der heute 65-Jährige das Watt wie seine Westentasche kennen gelernt. Als Kind lief er mit seinen Freunden oft vor Langeweile mal eben auf die drei Stunden entfernt liegende Insel Föhr hinüber oder zur Hallig Oland, eine von insgesamt zehn Halligen in Nordfriesland.

Wattführer an der Westküste

Die Halligen sind im Gegensatz zu den Inseln nicht eingedeicht und werden bei starken Fluten überspült. Heute führt Boysen als anerkannter Nationalpark-Wattführer zahlreiche Besucher durch das knapp 4500 Quadratkilometer große Wattenmeer vor der Westküste Schleswig-Holsteins. Der "Butt" hat sich aus diesem Gebiet zwar weitgehend zurückgezogen, aber auf der ein oder anderen Tour spürt der erfahrene "Fischer" die Scholle noch immer auf und zeigt den Touristen die fast ausgestorbene Art des Fischfangs.

Seit das Wattenmeer 1985 zum Nationalpark erklärt wurde und unter einem besonderen Schutz steht, haben die Führungen durchs Watt zugenommen, berichtet Boysen. "Früher war ich vielleicht 14 Tage im Jahr im Watt, heute verbringe ich über 1000 Stunden im Nationalpark." Das Wattlaufen ist zu einer ganzjährigen Attraktion geworden. Sogar an den Weihnachtstagen führt er Besucher zum Kohlessen auf die Halligen.

Kohlessen auf der Hallig

Boy Boysen im Watt

Boy Boysen im Watt

Eine Familie ernähren kann der Mann mit dem typisch friesischen Namen von der Tätigkeit nicht. Jeder der etwa 250 Wattführer an der Küste habe einen gelernten Beruf und betreibe die Führungen nebenbei, erzählt Boysen. "Gelaufen wird hauptsächlich an den Wochenenden oder im Sommer." Dafür opfern viele Führer sogar ihren Jahresurlaub. "Wir alle lieben die Natur, die Ruhe im Watt und die gute jodhaltige Luft draußen", sagt der studierte Landwirt, der seinen Brotberuf als landwirtschaftlicher Berater ausübt.

Das bis zu 30 Kilometer breite Watt gehört mit zu den tierreichsten Großlandschaften der Welt. Hier finden bis zu 60 Vogelarten ein ideales Futterreservoir. Zur Hochsaison der Zugvögel im Frühjahr und Herbst halten sich bis zu 1,5 Millionen Vögel gleichzeitig im Nationalpark auf.

Muscheln als Wasserfilter

Landunter im flachen Halligland

Landunter im flachen Halligland

Auf seinen Touren erklärt Boysen seinen Zuhörern vor allem den Nutzen und die Wichtigkeit auch der kleinsten Lebewesen. Herz- und Miesmuscheln leben zum Beispiel als Filtrierer im Wasser. Eine Muschel filtere etwa 2,5 Liter Wasser pro Stunde, erzählt Boysen stolz. "Alle Muscheln in der Nordsee schaffen es auf diese Weise zusammen, alle 14 Tage die komplette Nordsee umzuwälzen. Ohne die Vielfalt der Tiere wäre das Watt eine stinkende Kloake".

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