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Wirtschaft

Wie Lego die Welt eroberte

Laut Guiness Buch der Rekorde heißt der größte Reifenhersteller der Welt nicht Goodyear, Bridgestone oder Michelin, sondern Lego. Vor 80 Jahren wurde die Spielzeugfirma in Dänemark gegründet.

Es sind noch einmal 18 Legosteine mehr geworden: 2007, beim 75-jährigen Jubiläum des dänischen Spielzeugherstellers, besaß jeder Mensch im Durchschnitt 62 Legosteine. Jetzt, zum 80-jährigen Jubiläum am 10.08.2012, sind es schon 80 Legosteine. Jeder Mensch in jedem Alter auf der ganzen Welt wohlgemerkt besitzt statistisch gesehenen so viele Legosteine.

Die Geschichte des nach Umsatz heute drittgrößten Spielzeugherstellers der Welt ist die Geschichte eines einfachen Tischlers, der sich auch von Widrigkeiten des Lebens nicht vom Kurs abbringen ließ. Ole Kirk Christiansen kam 1891 in der damals bitterarmen Region Jütland zur Welt. 1916 machte er sich als Schreiner und Tischler selbstständig, 1924 brannte seine erste Werkstatt mitsamt seinem Haus ab, nachdem zwei seiner vier Söhne mit Feuer gespielt hatten.

Von Holz zu Plastik

Christiansen baute acht Jahre später eine neue Werkstatt auf und gründete am 10. August 1932 in Billund seine Fertigung von Bügelbrettern, Stühlen und Holzspielzeug. Die Umstände für die Geburtsstunde des Unternehmens hätten nicht ungünstiger sein können: Einen Monat später starb Christiansens Frau, obendrein war es die Zeit der Weltwirtschaftskrise. Doch der Tischler zeigte sich zäh. Er holte seinen gerade zwölf Jahre alten Sohn Godtfred Kirk in die Firma. Zwei Jahre später erfand er den heutigen Firmennamen. Es ist eine Kurzform von "Leg godt", was übersetzt Spiel gut heißt.

Nachbau von Häusern in Kopenhagen im Legoland Billund, Dänemark

Nachbau von Häusern in Kopenhagen im Legoland Billund, Dänemark

Der alte Christiansen legte die Basis des Unternehmens, sein junger Sohn war der begnadete Tüftler für die Weiterentwicklung. 1935 entwickelt Lego das erste Konstruktionsspielzeug, bald hing das Familienmotto "Nur das Beste ist gut genug" auf einem Holzschild in der Werkstatt. Den Durchbruch schaffte die Familie mit der Abkehr vom bisherigen Material Holz. Direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs schaffte Lego als erste Firma in Dänemark eine Kunststoff-Spritzgussmaschine an und begann, mit dem Material zu experimentieren.

Die Maschine machte neue Erfindungen möglich. Dazu gehörten Kunststoffsteine, die sich "automatisch verbinden", wie die Firma damals warb - es waren Vorläufer der heutigen Legosteine. Sie hatten vier und acht Noppen und wurden nur in Dänemark angeboten. 1954 lernte Godtfred Kirk bei einer Schiffsreise nach Großbritannien einen Einkäufer kennen, der der Meinung war, dass es Spielzeug an System fehlt. Es wurde ein wegweisendes Gespräch: Der nun voll in die Unternehmensführung integrierte Junior entwickelte die Idee für das Lego System.

Ungeeignet für den deutschen Markt?

1955 gab es im Lego-System 28 verschiedene Baukästen. Als Christiansen diese auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorstellte, war das Echo allerdings vernichtend. Für den deutschen Markt sei Lego vollkommen ungeeignet, hieß es. Dennoch setzte die Firma auf Expansionskurs und gründete 1956 ihre erste Auslandsfiliale in Hohenwestedt im norddeutschen Bundesland Schleswig-Holstein.

Technisch entscheidend wurde das Jahr 1958, denn bislang hielten die Ur-Legosteine nur mäßig zusammen. Doch in diesem Jahr patentierte Lego die Fortentwicklung der Steine, die seitdem außer Noppen an der Oberseite auch Röhren in der Unterseite haben und sich so stabil miteinander verbinden lassen.

Obwohl das Patent längst ausgelaufen ist und es schon lange Nachahmerprodukte gab - so etwa in der DDR die Pebe-Steine - hat Lego praktisch eine unangefochtene Alleinstellung. Die kurze Krisenphase der Jahre 2003 und 2004 ist überwunden. Seitdem sind die Umsätze in jedem Jahr gestiegen. Die britische Vereinigung der Spielzeugverkäufer (BATR) wählte Lego zum Spielzeug des 20. Jahrhunderts - noch vor dem Teddybär und der Barbiepuppe.

Allein die 2011 produzierten Steine könnten aneinandergereiht 16 Mal um die Erde gelegt werden. Und seit 2012 führt das Guinness Buch der Rekorde Lego als größten Reifenhersteller der Welt. Die Firma, die immer noch im Familienbesitz ist, stellt pro Jahr mehr als 300 Millionen Minireifen aus Gummi her.