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Kultur

Wie Kambodscha gegen pädophile Sextouristen vorgeht

Jahrelang galt Kambodscha unter Pädophilen als nahezu rechtsfreier Raum, in dem alles käuflich ist. Jetzt werden Sexualstraftäter immer öfter verurteilt.

In Kambodscha versuchen verschiedene Organisationen die Menschen über Zwangsprostitution aufzuklären: Auf dem Foto werden Kondome verteilt.

In Kambodscha versuchen verschiedene Organisationen die Menschen über Zwangsprostitution aufzuklären: hier werden Kondome verteilt

Es ist ein trauriger Weltrekord: Nirgends werden so viele Minderjährige zu sexuellen Handlungen gezwungen wie in der Mekong-Region. Zu der gehört neben Thailand, Vietnam und Laos auch Kambodscha. UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, gab im Jahr 2006 bekannt, dass ungefähr zwei Millionen Kinder weltweit zur Prostitution gezwungen werden. Rund eine Million davon werden allein in Asien missbraucht.

Wolf-Christian Ramm, Pressesprecher des Kinderhilfswerks "Terre des Hommes" erkennt in der Zunahme der Missbrauchsfälle in Kambodscha ein Muster: "Wenn die Menschen vom Land in die Städte ziehen, wissen viele nicht, wovon sie leben sollen." Oft setzt dann ein Prozess ein, den UNICEF so beschreibt: Eltern geben ihre Kinder in die Obhut von Vermittlern und glauben, dass sie bloß putzen müssen. Dabei werden viele von ihnen zur Arbeit in Bordellen gezwungen, vergewaltigt und geschlagen, oft mit Drogen wehrlos gemacht.

Kambodscha öffnet sich

In Kambodscha stieg die Zahl der Fälle von Kindesmissbrauch Anfang der 1990-er Jahre drastisch an. Damals beendete ein Friedensabkommen Jahrzehnte der Unruhe, in denen Bürgerkriege und die Diktatur der Roten Khmer Millionen von Menschen das Leben kostete. Es kamen rund 20.000 UN-Soldaten nach Kambodscha. "Das Land öffnete sich", beschreibt Ramm.

Der Tourismus habe schnell zugenommen und mit ihm der Sextourismus. "Die Regierung hat diese Entwicklungen zuerst negiert", sagt Ramm. Die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh galt in dieser Zeit als Paradies für Pädophile, das Land als stark korrupt. Erst seit kurzer Zeit würden sich Veränderungen im Umgang mit den Verbrechen an Minderjährigen zeigen. Das erkenne man nicht zuletzt an den zunehmenden Verurteilungen von Sexualstraftätern.

So wurden erst vergangene Woche ein 62-jähriger Mann aus Berlin und ein 41-jähriger Münchner zu 28 beziehungsweise 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Männer hatten Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren teilweise betäubt, gefesselt und zum Sex gezwungen. Ramm sieht in diesem Urteil ein Signal. Potenzielle Täter müssten nun endlich verstehen, dass Kindesmissbrauch auch in Kambodscha nicht mehr folgenlos bleibe.

Die richtige Richtung

Der auch durch Kambodscha fließende Mekong Fluss im Sonnenuntergang

Kambodscha gehört zur Mekong-Region, in der weltweit die meisten Kinder sexuell missbraucht werden.

Die mit Hilfe von UNICEF eingerichtete Abteilung des kambodschanischen Innenministeriums gegen Kinder- und Menschenhandel und das 2004 getroffene, grenzübergreifende Rahmenabkommen der Länder der Mekong-Region, das die Bereiche Strafverfolgung, Grenzkontrolle, Opferschutz und Rückführung behandelt, sind wichtige Schritte im Kampf gegen den Kindesmissbrauch.

"Terre des Hommes" versucht mit ländlichen Präventionsprogrammen, die Kinder und Eltern schon aufzuklären, bevor es zu den Verbrechen kommen kann. Außerdem betreut "Terre des Hommes" in Kambodscha die Opfer, die sich aus der Zwangsprostitution befreien können. Medizinische und psychische Hilfe, sowie die Planung der Zukunft der meist weiblichen Opfer stehe dabei im Vordergrund, so Ramm. Auch Touristen will "Terre des Hommes" aufklären. Die Kampagne "Please disturb" ruft dazu auf, auch selbst zu beobachten. UNICEF unterstützt zudem die Ausbildung von Polizisten und den Betrieb von Telefon-Hotlines vor Ort.

In Thailand haben solche Entwicklungen schon viel früher eingesetzt, so Wolf-Christian Ramm. Da sich das Land früher für Touristen und so auch für Sexualstraftäter öffnete, habe man auch eher das Ausmaß der Verbrechen erkannt und etwas dagegen getan. Ramm hofft, dass ähnliche Fortschritte auch in Kambodscha möglich sind.

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