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Deutschlehrer-Info

Wie Jugendliche sprechen – oder auch nicht

Jedes Jahr beschäftigt sich ein großer deutscher Verlag mit der Sprache von Jugendlichen in Deutschland. Er gibt ein Buch zum Thema heraus und kürt das „Jugendwort des Jahres“. Doch sprechen Jugendliche wirklich so?

„knorke“, „astrein“ oder „dufte“ – das sind alles Adjektive, die ausdrücken, dass man etwas sehr gut findet. Aber sie haben noch eine andere Gemeinsamkeit: Sie stammen alle aus der Jugendsprache vergangener Jahrzehnte – und niemand verwendet sie heute mehr. Denn die Sprache Jugendlicher wandelt sich schnell. Logisch, wollen sich doch junge Menschen mit ihr als einer Art Code von der jeweiligen Erwachsenenwelt abgrenzen.

Umso schwieriger ist es für Erwachsene, herauszufinden, welche Wörter Jugendliche gerade tatsächlich benutzen und welche nicht. Der deutsche Verlag Langenscheidt versucht es trotzdem und gibt jährlich ein Buch zur Jugendsprache heraus. Dazu lässt er werbewirksam das „Jugendwort des Jahres“ wählen. Dieses Jahr hat eine Jury den Ausdruck „Läuft bei dir!“ als Synonym für „cool“ gekürt. Er hat also eine ganz ähnliche Bedeutung wie früher „knorke“. Die Sieger der letzten beiden Jahre waren „Babo“ (Chef, Boss) und „Yolo“ (Abkürzung für „You only live once“)

In der Vergangenheit wurde immer wieder bezweifelt, dass die gewählten Begriffe unter Jugendlichen wirklich verbreitet sind. Nils Bahlo, Sprachwissenschaftler an der Uni Münster, meint: „Wörter wie Yolo oder Babo haben einen Großteil der Jugendlichen nie erreicht.“ Die aktuelle Wahl hält er jedoch für gelungener. Diesmal hätte sich die Jury bemüht, ein Wort auszuwählen, dass tatsächlich im Kern der Jugendsprache vorkomme und deutschlandweit bekannt sei, sagt er: „Diese Kurzformel trifft den Charakter von Jugendsprache.“

Und auch Jugendliche selbst können mit der Wahl etwas anfangen. „Das Wort benutzen wirklich viele“, meint etwa die 19-jährige Hannah-Katharina Kiennen, Landesschülervertreterin in Rheinland-Pfalz. Fragt sich nur, wie lange noch. Wahrscheinlich so lange, bis Erwachsene beginnen, das Wort regelmäßig zu benutzen. Bislang jedenfalls kennt Kiennen nur wenige Erwachsene, die wissen, was mit der Redewendung gemeint ist. Aber das könnte sich nun nach der Auszeichnung zum Jugendwort 2014 ändern.

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