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Wirtschaft

Wie Jim Yong Kim gegen Ebola kämpft

Grassierende Seuchen in Entwicklungsländern sind auch eine Folge von Armut und Ungleichheit, sagt die Weltbank. Der Westen habe es versäumt, diesen Ländern die Ressourcen zur Seuchenbekämpfung zu geben.

Jim Yong Kim (im Artikelbild), Präsident der Weltbank, ist von Hause aus Arzt. Er hat in seinem früheren Leben hoch ansteckende Krankheiten unter den ärmsten Bevölkerungsschichten in Haiti, Peru und Lesotho bekämpft. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er vor der drohenden Ebola-Pandemie in Afrika warnt: "Es ist schmerzhaft zu sehen, dass wir dabei sind, die Fehler zu wiederholen, die wir bei vorangegangenen Epidemien auch begangen haben", sagte Kim in einer Grundsatzrede im Vorfeld der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington.

Die Weltbank-Gruppe habe bereits 105 Millionen Dollar nach Guinea, Liberia und Sierra Leone überwiesen, mehr als jede andere Organisation, so Kim. Alles in allem habe seine Organisation über 400 Millionen Dollar an Hilfszusagen gegeben, zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds IWF sind es sogar über eine halbe Milliarde Dollar. Das Problem ist nur, ob und wie diese Mittel in Afrika überhaupt sinnvoll eingesetzt werden können, wenn dort die Epidemie staatliche Strukturen zu zerstören droht.

Kampf an vielen Fronten

"Der Kampf gegen das Virus ist ein Kampf an vielen Fronten", sagt Kim. "Zuallererst natürlich ein Kampf der Helfer und der Ärzte. Aber es ist auch ein Kampf gegen die Ungleichheit. Das Wissen und die Infrastruktur, die Kranken zu behandeln und das Virus einzudämmern, das existiert natürlich in den entwickelten Staaten. Wir haben es aber jahrelang versäumt, diese Dinge auch Entwicklungsländern wie Sierra Leone, Guinea, Liberia und anderen Staaten zugänglich zu machen."

Gerade in Sierra Leone gerät die Ebola-Epidemie immer stärker außer Kontrolle. Der offiziellen Statistik der Gesundheitsbehörden zufolge starben allein am vergangenen Wochenende über 120 Menschen an dem Virus, knapp 100 neue Fälle sind bekannt geworden. Die gesamte Zahl der Todesopfer steuert rapide auf die 1000 zu, während Helfer von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgehen. Und die Verbreitung des hoch ansteckenden Virus scheint unaufhaltsam zu sein: In Texas ringt der erste Amerikaner mit dem Tod, und in Spanien erkrankte Anfang der Woche der erste Europäer.

"Auf der falschen Seite geboren"

Video ansehen 12:07

Sierra Leones Kampf gegen Ebola (04.10.2014)

Langfristig jedoch will Weltbankpräsident Kim das Problem grassierender Epidemien in Entwicklungsländern viel grundsätzlicher angehen, indem er dort noch entschlossener Armut und Ungleichheit bekämpft. "Tausende verlieren in diesen Staaten ihr Leben, nur weil sie in der Lotterie des Lebens auf der falschen Seite geboren wurden", sagt Kim. "Wenn sich die Pandemie über Ländergrenzen und Kontinente verbreitet, werden sich die Wachstumsverluste in zweistelligen Milliardenbeträgen bemerkbar machen, wenn nicht sogar noch höher."

Deshalb hat sich die Weltbank ein neues Ziel auf die Fahnen geschrieben: "Boosting shared Prosperity" - zu deutsch etwa die "Förderung des gemeinsamen Wohlstands". Dahinter steht die Überzeugung, dass man enorm viel Wachstumspotenzial verschenkt, wenn man es versäumt, die unteren 40 Prozent einer Bevölkerung an den Einkommenszuwächsen einer Volkswirtschaft teilhaben zu lassen. Auch die unteren Einkommensschichten müssten genug Kaufkraft entwickeln, wenn eine Wirtschaft dauerhaft und nachhaltig wachsen soll.

Paradigmenwechsel

Im Grunde ist das eine Art Paradigmenwechsel bei den beiden UN-Organisationen IWF und Weltbank. Denn früher geißelten sie Umverteilungspolitik und staatliche Eingriffe als wachstumsschädlich, schrieben ihren Kreditempfängern Liberalisierung und Deregulierung vor, in dem Glauben, freie Märkte könnten jedes Problem lösen.

Tatsächlich aber hat eine rein angebotsorientierte Wachstumspolitik die Schere zwischen Arm und Reich immer größer werden lassen. Heute besitzen die 85 reichsten Menschen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, hat die Hilfsorganisation Oxfam ausgerechnet. So ist es kein Wunder, dass auch IWF-Chefin Christine Lagarde neuerdings davon spricht, man brauche eine bessere Balance zwischen angebots- und nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik.

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