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Wie ... ist das denn?

Schriftsteller Burkhard Spinnen macht sich regelmäßig Gedanken über die deutsche Sprache. Dieses Mal nimmt er eine Formulierung ins Visier, die er am liebsten zum "Unwort des Jahres" erklärt hätte.

Der Schriftsteller Burkhard Spinnen (Foto: privat)

Burkhard Spinnen

Wie schon in den vergangenen Jahren möchte ich auch diesmal einen eigenen Vorschlag machen. Und wie in den vergangenen Jahren ist es einer, der vermutlich keine gute Aussicht auf einen Platz in der Hitparade der Unworte hat.

Chancenloser Außenseiter

Oder besser sollte ich sagen: mein Vorschlag ist ein chancenloser Außenseiter. Denn ich plädiere nicht für Stresstest oder irgendein anderes markantes Schlagwort. Mein Favorit ist vielmehr eine Redewendung, die mir schon seit geraumer Zeit mehrmals täglich im schlimmsten Sinne des Wortes um die Ohren geschlagen wird. Sie lautet: "Wie … ist das denn?" Für das "…" lassen sich viele verschiedene Adjektive einsetzen. "Wie blöd ist das denn?", "Wie verrückt ist das denn?" Unter jüngeren Menschen bevorzugt: "Wie geil ist das denn?" Oder: "Wie abgefahren, krass oder ätzend ist das denn?" Was, so frage ich mich, ist das?

Zwei Mädchen mit Sonnenbrillen (Foto: Fotolia)

Wie krass ist das denn?

Nun, natürlich ist es zunächst einmal eine rhetorische Frage. Niemand erwartet, dass ihm sein Gegenüber nach dem Satz "Wie blöd oder krass ist das denn?" erklärt, wo genau auf irgendeiner Blödheits- oder Krassheitsskala das vom Sprecher Gemeinte rangiert. Es handelt sich hier bloß um einen dieser Sprüche, die man so klopft, wenn einem gerade nichts Echtes, Authentisches und Persönliches einfällt. Und da vielen Menschen ja leider sehr häufig nichts Echtes, Authentisches und Persönliches einfällt, werden solche Sprüche nun mal gerne geklopft.

Wie flach ist das denn?

Allerdings werden sie vom vielen Klopfen immer flacher. Und dieser hier ist mittlerweile nicht bloß flach, sondern schon platt. Der bescheidene kleine Witz, der vielleicht einmal darin gesteckt haben könnte, ist längst mausetot, millionenfach erschlagen. Nichtsdestotrotz wird seine geschundene Leiche immer weiter missbraucht. Bekäme ich für jedes Exemplar einen Euro, in einer Woche könnte ich mir Microsoft und Google kaufen. Ich will aber nicht mit Bill Gates oder den Jungs von Google pokern. Ich möchte nur endlich nicht mehr mit dem Kadaver eines durch und durch toten Witzes behelligt werden. Und deshalb schlage ich, verwegen wie ich bin, "Wie … ist das denn?" als Unwort des Jahres vor.

Natürlich wird man nicht auf mich hören. Aber immerhin kann ich dann sagen: Ich habe mich gewehrt; ich habe einem faden Spruch nicht meinen Mund geliehen, sondern die Stirn gezeigt. Die Antwort kenne ich allerdings schon. Sie wird lauten: "Wie krank ist das denn?"

Autor: Burkhard Spinnen
Redaktion: Gabriela Schaaf

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