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Politik

Wie im Film - Notizen aus dem Wilden Westen

Unsere USA-Korrespondentin Christina Bergmann hatte in ihrem Sommerurlaub an der Westküste der USA ein besonderes Ziel vor Augen: Das Monument Valley. Der Weg dorthin ist weit, aber er hat sich gelohnt, sagt sie.

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Einmal fühlen wie John Wayne - das geht problemlos inmitten der bizarren roten Felsen, die in der kargen Wüstenlandschaft in den Himmel ragen. Sie sehen wirklich so faszinierend aus wie auf der Leinwand in den vielen amerikanischen Filmen und in der Werbung. Wer sich dann noch ein Pferd leiht und die Landschaft mit einem PS erkundet, den überkommt ein echtes Westernfeeling. Mag der Gaul auch noch so lahm und stur sein.

Das Monument Valley liegt in den US-Bundesstaaten Arizona und Utah innerhalb eines Gebiets, das die US-Regierung den Navajos zugesprochen hat. Es unterliegt daher nicht wie die anderen Nationalparks dem Parkservice des US-Innenministeriums. Denn die Navajos wählen ihre eigene Regierung, haben eigene Gesetze und Gerichte, erheben ihre eigenen Steuern. Wenn es allerdings um Straftaten wir Raub oder Mord geht, sind die US-Gerichte zuständig.

Restaurant "Zum schwingenden Steak"

Fernschreiber Christina Bergmann

Wer das Tal besuchen will, kann zum Beispiel in Mexican Hat wohnen, einem kleinen Ort , der im Großen und Ganzen aus einer Tankstelle und einer Handvoll Motels besteht. Abends gibt es Steak mit Salat und Bohnen im Motel-Restaurant "Zum Schwingenden Steak“, wo der Cowboy-Koch über dem offenen Feuer das Fleisch bruzzelt. Die Gäste sitzen drumherum und das Tor zur anliegenden Garage ist aufgeklappt, es spielt das lokale Country-Duo Westernsongs, und zwar gar nicht schlecht.

Seinen Namen hat der Ort von einer kleinen Felsformation in der Nähe, die aussieht wie ein Sombrero, ein mexikanischer Hut eben. Auch im Monument Valley haben viele der Felsformationen Namen. "Handschuh“, "die drei Schwestern“, das "Kamel“ oder der "Drache“ werden sie genannt. Die Bezeichnungen stammen von Leuten wie dem Western-Regisseur John Ford oder dem Schauspieler John Wayne, die hier ihre Filme gedreht haben. Die Navajos haben für einige der Sandsteinformationen auch besondere Bezeichnungen - aber die verraten sie keinem Fremden.

Teppichweben für Touristen

Fünf Navajo-Familien leben noch direkt im Monument Valley, Suzie Yazzie gehört dazu. Auch sie verrät ihren wahren Namen nicht - und ihr Alter ist nur zu schätzen. Mit mindestens 90 Jahren zeigt sie in ihrer Lehmhütte, in der es trotz der brütenden Hitze durchaus auszuhalten ist, wie sie aus Schaffell Wolle spinnt und dann Teppiche webt. Früher, sagt die kleine Frau mit dem runzligen Gesicht in ihrer Muttersprache, sei es schneller gegangen, jetzt brauche sie für einen kleinen Läufer ungefähr zwei Monate. Suzie hat schon vor Jahrzehnten in mehreren Filmen mitgespielt und lebt jetzt vom Verkauf der Teppiche und dem Geld, das die Touristen geben, um sie weben zu sehen.

An einen Cowboyfilm erinnert auch die einzige öffentliche Toilette direkt im Monument Valley, die direkt neben einer Pferdekoppel steht: Drei Seiten Holzbalken, eine Schwingtür davor, kein Wasser, dafür aber eine Menge Fliegen.

Das Besucherzentrum ist derzeit allerdings geschlossen, es wird gerade ausgebaut, zusammen mit einem Motel, aus dessen Zimmern man dann direkt auf die grandiose Kulisse so vieler Filme schauen kann. Geöffnet hat eine Snackbar, in der es auch Souvenirs gibt. Wer allerdings aus dem Monument Valley ein Andenken etwa an John Wayne mit nach Hause nehmen möchte, sollte aufpassen. Auf den Tassen, Schildern und Statuen mit dem ur-amerikanischen Westernhelden steht in der Regel: Made in China.