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Hintergrund

"Wie ihm der Schnabel gewachsen ist"

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Wolfgang Börnsen (Bönstrup) ist Mitglied des Deutschen Bundestages. Im Gespräch mit Berthold Stevens sieht der Politiker Goethe und Kiez versöhnt und hält eine Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz für angemessen.

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DW-WORLD.DE: Herr Börnsen, wenn Sie eine SMS an die deutsche Sprache senden könnten, würden Sie diese mit einem "hdgdl" unterschreiben und das "cool" finden?

Wolfgang Börnsen: Zwar habe ich die deutsche Sprache "ganz doll lieb", aber ich finde es ausgesprochen "uncool", Liebeserklärungen per Kurzmitteilung zu versenden. In dieser Hinsicht bin ich altmodisch.

Die deutsche Sprache soll im Grundgesetz verankert werden. Gilt der Verfassungsrang dann gleichermaßen für die Sprache Goethes wie für das Kiezdeutsch?

Das Deutsche ist eine lebendige und vitale Sprache, die sich stetig weiterentwickelt. Sie hat ein hohes Integrationsvermögen für Anglizismen und andere fremdsprachliche Einflüsse, für "Kiezdeutsch" oder SMS-Jargon. Es ist nicht sinnvoll, die Poesie eines Goethe gegen heutigen Alltagssprachgebrauch oder "Jugendsprech" auszuspielen. Im Gegenteil, gelegentlich befruchten sich diese ja auch gegenseitig. Der Verfassungsrang, für den ich mich weiterhin einsetzen werde, gebührt unserem faszinierenden, facettenreichen, dynamischen Kulturgut Deutsche Sprache als Ganzes.

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Werden künftig zum Beispiel Mitglieder des Deutschen Bundestags bei übermäßigem Gebrauch von Anglizismen mit einem Redeverbot belegt?

Nein, ein frei gewählter Abgeordneter des Deutschen Bundestages darf reden, wie ihm "der Schnabel gewachsen" ist. Die Reden vor dem Deutschen Bundestag sind eines der wichtigsten Mittel der Verständigung zwischen dem Abgeordneten und seinen Wählern. Insofern überlegt sich jeder Abgeordnete ganz genau, wie er die Wähler am besten erreicht. Und da ist festzustellen, dass Anglizismen gar nicht so zahlreich sind, wie es gelegentlich den Anschein haben mag. Sie machen nur ein Prozent unserer Sprache aus. Das ergab ein Expertengespräch zur deutschen Sprache als Kulturgut, welches die CDU/CSU-Fraktion im Juni dieses Jahres durchgeführt hat.

Sprache ist ein wichtiges Stück kultureller Identität. Sie ist somit auch Bestandteil des Deutschlandbildes, das die Deutsche Welle, die Goethe-Institute und andere mehr in der Welt vermitteln. Welche Rolle muss die Politik hier spielen?

Die Vermittlung der deutschen Sprache ist ein zentraler Bestandteil unserer auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Dafür gibt es die weltweit begehrten Deutschkurse der Goethe-Institute und die deutschsprachigen Sendungen der Deutschen Welle, die zum Beispiel in Südamerika eine treue Hörergemeinde haben. Aufgabe der Politik ist, diese verlässlich weiter zu fördern. Seit 2005, seitdem die Bundesregierung wieder von der Union geführt wird, sind die Ausgaben für die auswärtige Kultur- und Bildungspolitik deutlich erhöht worden. Die Vermittlung der Sprache ist auch gesetzlich geregelt, zum Beispiel als Aufgabe der Deutschen Welle.

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Deutschland ist Exportland. Haben wir somit auch ein ökonomisches Interesse, den Stellenwert von Deutsch als Fremdsprache zu fördern?

Selbstverständlich. Denn Handel und Ökonomie funktionieren nicht ohne Kommunikation. Dafür ist eine gemeinsame Sprache die erste Voraussetzung. Genauso wichtig ist daher, dass auch wir Deutschen uns um Kenntnisse in einer, besser mehreren Fremdsprachen bemühen. Im Übrigen ist es für uns ein fortwährendes Ärgernis, dass die EU Deutsch stiefmütterlich behandelt und viele Dokumente zwar ins Englische und Französische, nicht aber ins Deutsche übersetzt. Hier muss die EU-Kommission endlich handeln. Dabei ist Deutsch die meistgesprochene Muttersprache in der EU. Weltweit sprechen 150 Millionen Menschen Deutsch, was unsere Sprache zu einer der fünf am häufigsten gesprochenen macht.

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Streiten über Deutsch: Börnsen Portrait sw

Wolfgang Börnsen (Bönstrup) ist seit 1987 Mitglied des Deutschen Bundestages und der CDU/CSU-Fraktion. Der gelernte Maurer stammt aus Flensburg, studierte an der Pädagogischen Hochschule Kiel, verbrachte ein Gast-semester in den USA und leistete Entwicklungsdienst in Indien. Der Realschullehrer und Lehrbeauftragte pflegt den plattdeutschen Dialekt, ist Autor des Buches "Plattdeutsch im Deutschen Bundestag". Er ist stellvertretender Vorsitzender des Rundfunkrats der Deutschen Welle.

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