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Fußball

Wie hoch springen die Socceroos?

Mit 21 Legionären, einem niederländischen Trainer und viel Selbstbewusstsein geht Australien in seine dritte WM. Für die deutsche Elf sind die Socceroos ein unangenehmer Gegner – vor allem wegen ihrer Mauertaktik.

Australische Fans(Foto:Ulmer)

Australien: Gewachsenes Selbstbewusstsein

Der Frust saß tief: "Wir waren doch die bessere Mannschaft!", stammelte Torwart Mark Schwarzer nach dem Abpfiff fassungslos in die Mikrofone. Was war geschehen? Die Kicker vom fünften Kontinent hatten im Achtelfinale der WM 2006 den späteren Weltmeister Italien nahe an eine Niederlage gebracht. Erst in der Nachspielzeit gelang den Italienern per Elfmeter das erlösende Siegtor, die so knapp einer Blamage entgingen. Denn für die Socceroos war es erst die zweite WM-Teilnahme seit 1974.

13 Spiele, nur zwei Gegentreffer

Beim ersten WM-Turnier für Australien, das nicht auf deutschem Boden stattfindet, muss man die Mannschaft nun ernst nehmen. Vor vier Jahren sammelte die Mannschaft Turniererfahrung und feilte vor allem an ihrem Prunkstück: der Verteidigung. Während der 13 Qualifikationsspiele kassierte Australiens Torhüter Mark Schwarzer nur zwei Gegentreffer. Allerdings hießen die Gegner dort unter anderem Irak, Katar, Usbekistan und Bahrain – beileibe keine Schwergewichte im internationalen Fußball.

Trainer Pim Verbeek (Foto: AP)

Trainer Pim Verbeek setzt voll auf Defensivarbeit

Nun muss die Abwehrreihe beweisen, dass sie auch gegen stärkere Gegner bestehen kann. Kapitän und Verteidiger Lucas Neill, der 2006 gegen Italien den Elfmeter verursachte, geht mit breiter Brust in die Endrunde: "Wir sind stolz auf unsere Defensive und haben gezeigt, dass wir in den letzten drei, vier Jahren ein Team geworden sind, das schwer zu schlagen ist."

Trainer Verbeek: langweilig oder erfolgreich?

Maßgeblichen Anteil daran hat der Coach Pim Verbeek, der seit Ende 2007 im Amt ist. Er hat die Australier zu einer verschworenen Einheit geformt. Verbeek, der 2002 Südkorea als Co-Trainer ins WM-Halbfinale brachte, hat ein ziemlich simples Erfolgsrezept: "Wenn ich hinten nichts zulasse, reicht ein Tor zum Sieg." Verbeek erinnert damit an einen anderen niederländischen Trainer: Huub Stevens ("Die Null muss stehen"). In der Tat ähnelt sich ihre Philosophie. Wie der ehemalige Schalke-Trainer versucht auch Verbeek über eine massive Verteidigung zum Erfolg zu kommen, was nicht überall auf Gegenliebe stößt. "Boring", langweilig, sei sein Stil, kritisierte die australische Presse – den gleichen Vorwurf hatte er schon von südkoreanischen Medien hinnehmen müssen und darauf das Handtuch geworfen.

Australische Fans bei der WM 2006 (Foto: AP)

2006 hatten sie gut Lachen: Dank einer starken Defensive setzte sich Australien in der Gruppenphase durch und scheiterte nur knapp an Weltmeister Italien.

Aber: Verbeek hat mit seinem Stil Erfolg. In Freundschaftsspielen gegen starke Mannschaften wie die Niederlande (0:0), Irland (3:0) und Gruppengegner Ghana (1:0) kassierten die Socceroos nicht einen Gegentreffer und das, obwohl sich das Team nicht besonders oft sieht. "Meine Spieler spielen verstreut auf der ganzen Welt. Ich kann sie nicht alle sehen, habe aber zum Glück einen guten Beobachterstab", sagt Verbeek, von dessen Spielern nur zwei in Australien kicken.

Cahill und Kewell angeschlagen ins Turnier

Zwei Leistungsträger gehen jedoch verletzungsgeschwächt ins Turnier: Tim Cahill vom FC Everton holte sich im letzten Testspiel eine Nackenverletzung und Linksaußen Harry Kewell von Galatasaray Istanbul kämpft mit einer Leistenverletzung. Sollten sie ausfallen, hat Verbeek keinen gleichwertigen Ersatz – die Schwachstelle im australischen Team, denn kaum eine Position ist doppelt besetzt.

Harry Kewell (Foto: AP)

Sie nennen ihn den "Zauberer von Oz": Harry Kewell

Als sichere Bank gilt Torwart Mark Schwarzer. Der 37-Jährige vom FC Fulham gilt als einer der besten Torhüter der Premier League und schaffte es mit seinem Verein bis ins Europa-League-Finale. Er erwartet "ein sehr schweres Turnier. Die Erwartungen an uns sind sehr hoch." Als Sohn deutscher Auswanderer spielte Schwarzer bereits ebenso in Deutschland (für Dresden und Kaiserslautern) wie Joshua Kennedy (u.a. für Wolfsburg, Köln und Nürnberg). Letzterem kommt im 4-2-3-1 die entscheidende Rolle der einzigen Spitze zu. Er soll dank seiner 1,94 Meter mit langen Bällen anspielbar sein, um dann auf die schnellen Außen Kewell und Emerton abzulegen.

Verteidigung und Kampfgeist sind die Trümpfe

Auch wenn Australiens taktische und personelle Möglichkeiten etwas begrenzt sind, machen die gute Verteidigung und der große Kampfgeist des Teams die Socceroos zu einem unbequemen Auftaktgegner für die deutsche Nationalelf.

Australiens Wunschelf:

Tor: Schwarzer

Abwehr: Chipperfield, Moore, Neill, Wilkshire

Mittelfeld: Culina, Grella, Kewell, Cahill, Emerton

Sturm: Kennedy

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Joachim Falkenhagen