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Wirtschaft

Wie hoch kann der Dax noch fliegen?

Der Dax im Höhenrausch: Am Mittwoch kletterte er fast auf 13.000 Punkte. Der seit acht Jahren anhaltende Aufschwung macht aber auch vorsichtig. Experten erwarten zurzeit wohl Korrekturen, aber keinen Crash.

Den einen wird es unheimlich, die anderen versprühen weitere Zuversicht. Acht Jahre dauert der Aufschwung beim Deutschen Aktienindex (Dax) jetzt schon an - im Rückblick ohne größere Korrekturen. Am Mittwoch (14.06.2017) hatte es im Tagesverlauf mit 12.921,17 Punkten ein neues Allzeithoch am deutschen Aktienmarkt gegeben.

Optimisten verweisen auf gute Stimmungsindikatoren, auf steigende Dividenden und vor allem die erhöhten Gewinnerwartungen der Unternehmen, wenn sie raten, weiter auf Aktien zu setzen. Pessimisten, die sich wohl eher als Realisten bezeichnen würden, sagen, all dies seien gute Gründe, jetzt Gewinne mitzunehmen.

Hausse mit langem Atem

Ausgangspunkt der jetzt schon lange laufenden Aktienhausse war etwa der 30. März 2009. Bei 3.989 Punkten stand da der Deutsche Aktienindex, der die Kurse und Dividendenausschüttungen der 30 größten deutschen börsennotierten Aktiengesellschaften zusammenfasst. Jetzt sind es fast 12.900 Punkte, gut 220 Prozent mehr als damals. Der DAX ist also im Schnitt jährlich um ein Viertel gestiegen.

Es gab Einbrüche, etwa im Sommer 2011, als das Börsenbarometer von 7.100 auf rund 5.500 Punkte abrutschte. Oder als es zwischen April 2015 und Februar 2016 von knapp 12.000 auf knapp 9.000 Zähler sackte. Die Steilkurven nach unten sieht man noch im zehnjährigen Verlauf. Aber sie stören den Trend nicht. Und der zeigt nach oben.

Korrektur statt Crash

Die Frage ist nur: Wie lange noch? Und wie weit mögliche Gewinnmitnahmen den DAX nach unten ziehen könnten. Natürlich weiß das niemand, weil niemand in die Zukunft schauen kann. Doch da Erwartungen fast noch mehr als Fakten die Kurse beeinflussen, mag dieser Hinweis helfen: Selbst Markus Reinwand, der Aktienstratege der Helaba, der schon seit Monaten mit der Warnung vor Gewinnmitnahmen durch die Lande zieht, sieht den DAX Ende des Jahres bei 12.000 Punkten und im Frühjahr 2018 bei 12.500 Zählern.

Mit "Crash" hat es also nichts tun, wenn Reinwand zugeben muss, bislang sei eine Korrektur an den Aktienmärkten zwar ausgeblieben. "Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben". Hohe Bewertung und "extreme Gelassenheit" der Anleger sprächen weiterhin für Kursrückschläge.

Anders Michael Bissinger von der DZ Bank. Es spreche wenig für einen abrupten Stimmungswandel an den Märkten, ist er überzeugt: "Trotz der inzwischen hohen Bewertung sollte das zweistellige Gewinnwachstum der Unternehmen die Aktienmärkte weiter nach oben tragen." Aber völlig irreal wirken seine Kurserwartungen für den DAX nicht: Bei 13.000 werde der am Ende des Jahres stehen, bei 13.200 Ende März 2018.

"Weltspartag wird auch dieses Jahr ein Volkstrauertag"

Vorsichtig positiv ist auch Ulrike Jäger eigestellt, die Leiterin der Investmentstrategie bei Sal. Oppenheim: "Die Unternehmensgewinne profitieren von dem freundlichen makroökonomischen Umfeld", nimmt sie als Argument für ihren Rat, die Aktienquote im Depot zu erhöhen. Sie sagt aber dazu: "Die stark gestiegenen Erwartungen erhöhen zugleich das Enttäuschungspotenzial."

Von Korrekturen, von Konsolidierung, spricht auch Robert Halver, der Aktienstratege der Baader Bank. Er würde sich gar über eine Korrektur freuen, sagt er, damit die Ängste davor aus dem Markt verschwänden. Aber einen "Crash" werde es nicht geben. Ein Grund: Es gebe keine Anlagealternative, vor allem auf dem Anleihemarkt mit seinen niedrigen bis negativen Zinsen nicht: "Der Weltspartag wird auch dieses Jahr ein Volkstrauertag werden", sagt er voraus.

Skulptur Bulle und Bär vor der Börse in Frankfurt (picture alliance/Arco Images)

Da sind sich die Auguren derzeit einig: Der Bulle baucht keine Angst vorm Bären zu haben.

Keine Angst vorm Bärenmarkt

Wer selbst ein Urteil fällen will, kann sich diese Maßzahlen anschauen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei den 30 DAX-Aktien im Schnitt zwischen 13 und 14: Aktien müssen also mit dem knapp 14-fachen Jahresgewinn pro Aktie bezahlt werden. Das ist etwas mehr als der langjährige Durchschnitt.

Die Dividendenrendite, also die zuletzt ausgeschüttete Dividende in Prozent des aktuellen Kurses, liegt mit 2,7 Prozent etwa einen Prozentpunkt unter dem langjährigen Durchschnitt. Aktien sind also alles andere als billig.

Zum kurzeitigen Parken liquider Gelder eignet sich der Aktienmarkt wegen seiner Schwankungsanfälligkeit grundsätzlich nicht und aktuell angesichts des hohen Kursniveaus erst recht nicht. Wer Zeit hat, kann einsteigen und mit einigem Recht hoffen, eine mögliche Kursdelle werde sich auch in Zukunft mehr als ausgleichen.