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Rüstung

Wie gut sind Venezuelas Waffen gesichert?

Nach dem Angriff auf einen Militärstützpunkt in Venezuela stellt sich die Frage nach der sicheren Verwahrung von Waffen in dem politisch instabilen Land. Könnten sie in falsche Hände geraten?

Lateinamerikanische Länder nehmen auf dem Ranking der stärksten Armeen der Welt nicht unbedingt die vordersten Plätze ein. Auf dem US-amerikanischen Index "Global Firepower" (GFP) steht Venezuela auf einem bescheidenen 45. Platz. In Lateinamerika liegt das krisengeschüttelte Land auf dem Index hinter fünf anderen Staaten: Kolumbien (40), Peru (39), Argentinien (35), Mexiko (34) und dem mit Abstand militärisch stärkstem Land in der Region, Brasilien auf Platz 17.

Kaum schwere Waffen

Doch Stärke ist in diesem Zusammenhang ein relativer Begriff und ist von vielen Faktoren abhängig: Der Art der Waffen, ihrem Alter, ihrer Bauweise und vieles mehr. Experten sind sich zum Beispiel weitgehend einig, dass es in der Region kaum schwere Waffen gibt.

Matt Schroeder, Small Arms Survey-Forscher (Small Arms Survey)

Rüstungsexperte Schroeder: "Wir machen uns Sorgen"

"In diesen Ländern gibt es keine Unmengen an Panzern, Kriegsschiffen oder ähnlichen Waffentypen, die man woanders als repräsentativ für eine große Militärmacht halten würde", sagt Matt Schroeder vom internationalen Forschungsprojekt "Small Arms Survey".

Doch in einem instabilen politischen Kontext, wie im Falle Venezuelas, kann von jeder Waffe, unabhängig von ihrer Größe, eine potenzielle Gefahr ausgehen. "Wir machen uns Sorgen um die Handfeuerwaffen, die Granaten und die Kurzstreckenraketen, die in kriminelle Hände fallen könnten", ergänzt Schroeder. In diesem Zusammenhang ist der jüngste Überfall auf einen venezolanischen Stützpunkt besorgniserregend, wenngleich er scheiterte.

"Terroristen, Drogenhändler und Waffenhändler wollen keine High-Tech-Waffen, sondern einfache, kleine. Sollte sich die Situation in Venezuela weiter verschlechtern und sich solche Vorfälle wiederholen, dann haben wir ein Problem", meint Schroeder.

Waffen für eine Freiwilligenarmee von 500.000 Mann

Für Diego Sanjurjo, uruguayischer Politologe an der Universidad Autónoma von Madrid, ist Venezuela noch in anderer Hinsicht einzigartig in Lateinamerika: "Während der Rest der Region in den vergangenen Jahren massiv abgerüstet hat, ist Venezuela eine große Ausnahme", sagt Sanjurjo. Das Land ist so hochgerüstet wie noch nie in seiner Geschichte. Begründet wird die mit der latenten Invasionsgefahr aus den USA".

In Venezuela gibt es außerdem keine überschüssigen Waffen, so Sanjurjo, da es außer dem regulären Militär noch eine Freiwilligenarmee mit circa 500.000 Mann gibt. Es handelt sich dabei um ein Heer von regierungstreuen Bürgern, die der Armee zur Verfügung stehen. Jeder von ihnen soll laut Staatschef Nicolás Maduro noch in diesem Jahr mit einer Waffe ausgerüstet werden.

Boden-Luft Rakete vom Typ IGLA (picture alliance/dpa/epa/G. Licovski)

Boden-Luft Rakete vom Typ IGLA: "Außergewöhnlich hohe Zahl"

Für den Experten Matt Schroeder stellt eine bestimmte Waffe ein besonderes Gefahrenpotenzial dar: "Während der Regierungszeit von Hugo Chávez hat Venezuela sich eine außergewöhnlich hohe Zahl von russischen IGLA-S-Raketen zugelegt. Es handelt sich dabei um ein schultergestütztes Raketensystem. Venezuela hat mindestens 4000 bis 5000 Stück", warnt Schroeder.

In der Region ist dieser Waffentyp nicht besonders verbreitet. Brasilien besitzt zwar genau dieselben Raketen, aber in viel geringerer Stückzahl. "Das Problem im Falle Venezuelas ist die Menge an Handfeuerwaffen und Raketen und die schlechte Sicherheitslage im Land. Das Risiko ist hoch, dass ein Soldat in Versuchung kommt, Waffen an irgendwen zu verkaufen, um seine Familie zu ernähren", sagt der Experte vom Small Arms Survey.

"Perfekt für einen Bürgerkrieg"

Auch Pieter Wezeman, Wissenschaftler am Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI teilt die Sorge: "Alle lateinamerikanischen Länder haben Vorräte an Waffen, die sich perfekt für einen Bürgerkrieg eignen. Deren Alter ist dabei nicht wichtig. Kleinwaffen, die vor 40 Jahren angeschafft wurden, reichen völlig aus, um einen Konflikt zu befeuern", sagt Wezemann.

Im Allgemeinen würden, so der SIPRI-Forscher, während eines Bürgerkrieges, zumindest anfangs, die Waffen benutzt die sich schon im Land befinden. Jüngste Beispiele hierfür seien Libyen, Syrien und der Irak, wo Rebellen die Militärstützpunkte angriffen, um sich Waffen zu beschaffen.

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