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Deutschland

Wie gut ist Deutschland vorbereitet?

Der Schweinegrippe-Erreger reist per Flugzeug von Kontinent zu Kontinent. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Virus auch Deutschland erreicht.

Grippe-Impfung (Foto: AP)

Viren scheren sich nicht um Landesgrenzen, schon gar nicht um innerstaatliche. Da scheint es zunächst etwas paradox, dass in Deutschland für die Bekämpfung von hoch ansteckenden Seuchen die Bundesländer zuständig sind. Aber das ist alles eine Frage der Koordination, erläutert Dorothea Prütting vom nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium: "Wir haben ein gestuftes Vorgehen vorbereitet: wir haben einen nationalen Pandemieplan, in dem geregelt wird, wie der Bund und die Länder miteinander kommunizieren, welche Meldewege zu beachten sind, was man an Maßnahmen ergreifen muss. Und dann gibt es eine zweite Stufe, das sind die Pandemiepläne der Bundesländer."

Vorbereitung für den Fall der Fälle

Diese Pläne liegen sozusagen fix und fertig in den Schubladen: Spätestens seit 2006, als die Vogelgrippe für große Aufregung sorgte. Welche Schritte ein solcher Pandemieplan vorsieht, das hängt natürlich ganz konkret von der jeweiligen Bedrohungssituation ab: "Wir haben jetzt ein Stadium, da reicht die Information - da reicht es, wenn die Flughäfen informiert sind, wenn man weiß, wie man mit Patienten umgeht, die aus anderen Ländern kommen", sagt Dorothea Prütting.

Verbindliche Verhaltensvorschriften im Pandemiefall

Männersilhouette vor Plakat (Foto: AP)

Ein Plakat in Singapur fordert zu regelmäßigem Händewaschen auf: Ein wichtiger Schutz vor einer Grippe-Infektion

Das bedeutet, dass infizierte Personen möglichst schnell behandelt, dass mögliche Kontaktpersonen zügig identifiziert und ebenfalls untersucht werden. Ist ein Erreger hoch gefährlich, dann müssen Erkrankte gegebenenfalls in Quarantäne. Und wenn erst einmal die Dämme brechen, dann sehen Pandemiepläne auch verbindliche Verhaltensvorschriften und Verbote für die Bevölkerung vor: Keine Großveranstaltungen mehr, Bus und Bahn bleiben in den Depots, Gemeinschaftseinrichtungen werden geschlossen. Und in der letzten Eskalationsstufe droht sogar die Einschränkung der bürgerlichen Grundrechte.

Medikamente für 30 Prozent der Bevölkerung

Tamiflu Tabletten (Foto: AP)

"Tamiflu"- Tabletten und ähnliche Präparate gehören zu den so genannten "Neuraminidase-Hemmern. Sie mildern die Schwere der Grippeerkrankung ab.

Besonders die erste Phase einer Masseninfektion ist potentiell gefährlich, denn anders als gegen Bakterien sind Antibiotika gegen Viren machtlos: "Dann haben wir in der Tat ein Problem. Wenn wir den Erreger noch nicht isoliert haben, dann können wir auch keinen Impfstoff entwickeln. Das heißt, wir brauchen eine Überbrückungsphase, bis ein Impfstoff entwickelt werden kann. In dieser Überbrückungsphase würden wir 'Tamiflu', das von Nordrhein-Westfalen für 30 Prozent der Bevölkerung eingekauft worden ist, verteilen", sagt die Sprecherin des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums. Auch die anderen Bundesländer halten "Tamiflu" und ähnliche antivirale Medikamente auf Vorrat. Die Mittel heilen zwar nicht direkt, mildern aber den Krankheitsverlauf stark ab. Auch der aktuelle Schweinegrippe-Erreger spricht nach derzeitigem Kenntnisstand auf diese Substanzen an.

Warten auf den Impfstoff

Richtig den Garaus machen kann einem Virus aber eigentlich nur eines: wenn sein Wirt, in diesem Fall der Mensch, immun wird, entweder von allein, oder mit ein wenig Nachhilfe - durch eine Impfung also. "Dafür haben sich die Länder auch schon vorbereitet, da gibt es jetzt Verhandlungen mit den Impfstoffherstellern, dass der Impfstoff möglichst schnell entwickelt werden kann. Wenn man den Erreger hat, dann geht man davon aus, dass es circa zwei bis drei Monate dauert, bis man die Impfstoffe hat", so Dorothea Prütting. Deutschland bereitet sich vor: Die Entwicklung eines möglichen Impfserums ist sozusagen in den Startlöchern, die Pandemiepläne liegen in den Schubladen, die antiviralen Mittel im Depot.

Mundschutz gegen Grippeviren?

Nonnen und andere Kirchenbesucher mit Mundschutz in einer Kirche in Mexico City (Foto: AP)

Nonnen beten mit Mundschutz in Mexico City

Eines aber hat jedenfalls die NRW-Landesregierung nicht bevorratet: Mundschutzmasken, wie man sie jetzt auf Bildern aus allen möglichen Ländern sieht. Für eine konkrete kurze Situation, etwa wenn ein Arzt einen Patienten behandelt, seien die sinnvoll, sagt Dorothea Prütting. "Aber wenn jeder jetzt auf der Strasse mit einem Mundschutz herumläuft, und man weiß nicht, trägt er den jetzt schon vier, ssechs oder acht Stunden, dann kann es durchaus sein, dass das gar nichts nützt, sondern sich darin so viele Viren gesammelt haben, dass er höchstens noch ein Überträger wäre." Insofern könne man nicht sagen, dass man für alle einen Mundschutz bräuchte.

Autor: Michael Gessat

Redaktion: Wim Abbink

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