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Sprachbar

Wie geil!

Sind Begriffe wie „geil“, „fett“, „dissen“ und „abfucken“ nur etwas für Jugendliche? Von wegen! Es ist nie zu spät, die Jugendsprache zu lernen. Denn wie heißt es so schön: YOLO! You only live once! Ne, Alter?

„Jo Alta, hör’ ma’ auf zu zocken und schieb’ deinen fetten Arsch zu mir rüber, wir wollten noch Busse gehen!“ Nichts verstanden? Na, dann kommt unsere Nachhilfe-Sprachbar in Jugendsprache ja genau richtig. So manche Deutschlernende könnten eventuell verzweifeln, wenn sie nach Deutschland kommen und ihnen an der Busse, also an der Bushaltestelle, zwei Jugendliche begegnen und so richtig loslegen. Sicher stellen sie sich dann die Frage, ob sie im Deutschunterricht wirklich gut aufgepasst haben. Sie haben – keine Frage! Denn es ist ja ohnehin schon schwierig, die deutsche Umgangssprache und die regionalen Unterschiede zu verstehen, aber die Jugendsprache setzt dem Ganzen die Krone auf. Sie ist gefärbt von vielen Anglizismen, Abkürzungen und bildlichen Ausdrücken.

Ein bisschen Nachhilfe

Ein dunkelhäutiger Mann schaut mit Sonnenbrille in die Kamera und zeigt dabei seine glitzernde Zahnschiene.

Bei diesem Homie schiebt man echte Paras!

Wenn für euch dieser Slang voll nicht easy ist und euch übelst abfuckt, dann schiebt keine Paras, wir werden euch den Stuff hier schon erklären. Will sagen: Wenn die Jugendsprache für euch schwer verständlich ist und euch aufregt, habt keine Sorge, wir werden euch langsam an die Sache heranführen. Denn wenn man die Grundregeln kennt, ist es halb so wild.

Um eines mal vorwegzunehmen: Vieles in der Jugendsprache ist nicht so ernst oder wörtlich gemeint. Wenn ein Junge einen anderen mit Alter anspricht, dann hat das nichts mit seinem Alter zu tun, sondern ist einfach nur eine Anrede. Unter Homies nämlich, also unter Freunden, spricht man halt so.

Echt geil!

Ein Fan hält ein Pappschild hoch, auf dem steht: Deutscher Meister 2011, Geil! Geil! Geil!

Das ist ein wahrer Fußball-Fan!

Ähnlich verhält es sich mit dem Wörtchen geil. In der Botanik bedeutet es, dass Pflanzentriebe üppig, aber kraftlos wachsen. Bezogen auf den Menschen drückt das Wort geil aus, dass er oder sie sexuelle Erregung zeigt. Wenn man geil auf jemanden oder auf etwas ist, dann heißt es so viel wie „gierig“. Ist man zum Beispiel geil auf eine Frau, dann steht Mann auf sie. Ist eine Person karrieregeil, will sie unbedingt Karriere machen. Hört man aber das Wort auf der Straße oder liest es in der Werbung, dann steht es meist für „toll“ oder „super“.

Es ist sehr beliebt und lässt sich mit vielen Vorsilben verstärken: saugeil, endgeil oder megageil. Aber es gibt noch eine Menge anderer Begriffe, die für „toll“ stehen. Da kann der Film dann auch nach dem Kinobesuch als fett, porno, cool, krass, korrekt oder hammer bezeichnet werden. Aber bevor hier Stimmen laut werden, die sagen: „Ach, die Jugend von heute!“ – mal schön langsam mit den jungen Pferden! Denn eine Jugendsprache gab es schon immer. So hieß vor 30 Jahren alles noch knorke, tofte, dufte oder fitty.

Was geht?

Im Vordergrund ist ein Ghettoblaster zu sehen, im Hintergrund spielt ein Junge Basketball.

Was für 'n fetter Sound!

Viele Wörter in der heutigen Jugendsprache sind aber auch einfach nur da, um einer Sache den entsprechenden Nachdruck zu verleihen. Zum Beispiel Alter oder Boa. Sagt also jemand „Boa, fetter Sound, Alter! Ohne Scheiß!“, dann sagt das eigentlich nur aus, dass er ein Lied besonders gut findet. „Ohne Scheiß!“ – was so viel heißt wie „Ohne Quatsch!“ – kann hinter jeden Satz gesetzt werden, um eine Aussage zu verstärken. Genauso funktioniert auch: „Ich schwör’!“

Wenn ihr jetzt denkt, Jugendsprache sei ja mehr Aufwand, weil die Jugendlichen mehr Wörter benutzen, dann irrt ihr euch gewaltig. Denn sie lassen dafür einfach Präpositionen und Artikel weg. „Ich war Schule heute“ ist zum Beispiel die Kurzversion für „Ich war heute in der Schule“. Oder: „Lass ma’ Stadt gehen“ steht für „Lass uns mal in die Stadt gehen“. Wer aber nun glaubt, dass das ja hammerpraktisch ist, da man so die Artikel zu den Nomen nicht lernen muss: zu früh gefreut! Denn dafür gibt es jede Menge anderer Regeln. Wer Jugendsprache benutzt, muss wissen, wann und wie.

Ungeiler Horst oder Willi

Ein Mädchen zeigt mit Daumen und Zeigefingern den Buchstaben L, das Zeichen für Looser

Wer loost hier wohl ab?

Wenn Erwachsene versuchen, die Ausdrücke der jungen Leute zu übernehmen, können sie nur abloosen und sich zum Horst oder zum Willi machen, also verlieren und sich lächerlich machen. Aber was können denn Horst und Willi dafür? Eigentlich nichts, aber ihre Namen sind so out, dass sie als Synonyme für Witzfiguren herhalten müssen.

Als Erwachsener sollte man lieber auf Nummer sicher gehen und weiterhin seine Old School-Begriffe benutzen. Andersfalls kann es passieren, dass die Kids einen dissen und mit so kreativen Schimpfwörtern wie Pfosten, Opfer, Honk, Patient oder Flop betiteln.

Die Kunst der Beleidigung

Eine hässliche große Gesichtsmaske, die aussieht wie ein Alien

Gesichtsgulasch ...

Halt’s Mett, du Vollpfosten, sonst gibt’s Fratzengeballer!“ ist beispielsweise eine solch einfallsreiche Beschimpfung und soll der betreffenden Person zu verstehen geben, dass sie den Mund halten soll, da sie sonst mit körperlichen Konsequenzen zu rechnen hätte.

Eine andere fette Wortschöpfung ist der Körperklaus, der einen ungeschickten Menschen bezeichnet. Oder aber das Gesichtsgulasch, das verwendet wird, wenn jemand sein Gesicht zu einer Fratze verzieht oder – auch ohne Fratze – für hässlich befunden wird. Man kann den Jugendlichen ja eine Menge vorwerfen, aber keine mangelnde sprachliche Kreativität!

Der natürliche Feind des Jugendlichen: der Lehrer!

Eine streng aussehende Lehrerin steht mit verschränkten Armen vor einer Tafel

„Das ist kein guter Stil.“

Doch selbst wenn ihr als Deutschlerner noch jugendlich seid, empfehle ich euch, nicht allzu viel Jugendsprachliches zu übernehmen. Eure Lehrer werden das sicher nicht als guten Stil empfinden.

Versteht diese Sprachbar einfach als eine kleine Hilfe, wenn ihr wieder mal nur Bahnhof versteht. Oder als Ansporn, euer Deutsch zu verbessern. Denn wer wirklich gutes Deutsch spricht, der kann sich hier und da auch mal ein geil erlauben.

Voll korrekt!

Und falls man mal too much kriegt von der Jugendsprache und gar nichts mehr checkt, kann man sich mit einem Jugendsprache-Lexikon behelfen. Das gibt's mittlerweile in jeder Buchhandlung. Es wird jedes Jahr neu aufgelegt, da sich dieser Slang so schnell verändert. Ich werde euch jetzt nicht weiter zutexten. Also: Haut rein!




Fragen zum Text

Schiebt jemand Paras, dann ...
1. macht jemand sich unnötige Gedanken.
2. schiebt jemand ein Kind im Kinderwagen.
3. hat jemand Stress.

Erfolgreiche Menschen sind nicht ...
1. geldgeil.
2. endgeil.
3. karrieregeil.

„Ich check' das nicht!“ bedeutet hier: ...
1. Ich verstehe das nicht!
2. Ich bezahle das nicht!
3. Ich überprüfe das nicht!


Arbeitsauftrag
Der folgende Dialog ist übersät von Ausdrücken der Jugendsprache. Lies ihn dir durch und übersetze ihn mit Hilfe des Mini-Lexikons in „Erwachsenen-Deutsch“. Anschließend schreibe selbst einen kleinen Dialog.

– Jo Alter, ich schieb’ voll den Hunger! Lass ma' was snacken gehen.
– Du Opfer, wir haben doch gerade erst angefangen zu zocken. Fuck mich nicht ab, Mann! Ich bin jetzt ziemlich angepisst.
– Komm ey, ich hab’ voll Bock auf so 'nen fetten Burger. Ich fahr’ eben Burgerladen.
– Ohne Scheiß, du haust nur ab, weil du sowieso am abloosen bist. Haha, du Flop!

Mini-Lexikon

abgespacet – verrückt
abhängen – nichts tun
angepisst – verärgert
Auf jeden! – Auf jeden Fall!
Auf keinsten! – Auf keinen Fall!
Alter (m.+f., nur Singular) – hier: Kumpel
Busse (f.) – Bushaltestelle
chillen – ausruhen
cool – toll
jemanden dissen – jemanden ärgern, beschimpfen
fett – hier: toll
geil – toll, gierig
Gesichtsgulasch (n., nur Singular) – hässliche Person
hammer – hier: toll
Haut rein! – Bis bald!
Homie (m.) – Freund, Kumpel
Honk (m., nur Singular) – hier: Dummkopf, Trottel
Hunger schieben – Hunger haben
Kein Plan! – Keine Ahnung!
Körperklaus (m., nur Singular) – Mensch mit unkoordinierten Bewegungen
Opfer (n.) – hier: Verlierer
Patient (m.) – hier: Dummkopf, Trottel
Pfosten (m.) – hier: Dummkopf
etwas am Start haben – etwas besitzen
snacken – essen
zocken – hier: Computer spielen
zutexten – ganz viel reden

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