Wie gefährlich ist Tollwut? | Wissen & Umwelt | DW | 28.09.2016
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Gesundheit

Wie gefährlich ist Tollwut?

Tollwut ist tödlich. Auch heute noch! Der "Welt-Tollwut-Tag" am 28. September soll auf das tückische Virus aufmerksam machen. Eine Impfung ist das einzige Mittel, um sich vor der Krankheit zu schützen.

Tollwut gilt als eine der gefährlichsten Infektionserkrankungen für Mensch und Tier und gehört zu den sogenannten Zoonosen. Das sind Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Die WHO geht weltweit von etwa 50.000 Tollwut-Toten pro Jahr aus. Die meisten Infektionen bei Menschen gibt es in Entwicklungsländern, allen voran Indien. Dabei beträgt die Infektion durch Hunde 99 Prozent. Das Tollwut-Virus gehört zur Familie der Lyssa-Viren. Es ist im Speichel des infizierten Tieres. Wird ein Mensch von einem solchen Tier gebissen, kann das Virus in den Körper eindringen und wandert dann über das Rückenmark bis zum Gehirn.

Eine Krankheit in verschiedenen Phasen

Die erste Phase des Krankheitsverlaufs ist das Vorstadium (Prodromalstadium). Während dieser Zeit leidet der Infizierte unter Übelkeit und Erbrechen, Fieber und Kopfschmerzen.

Die zweite Phase wird als Erregungsstadium (Exzitationsstadium) bezeichnet, oft verbunden mit der so genannten Hydrophobie. Dabei reagiert der Betroffene auf Wasser in jeglicher Form mit großer Erregung und mit Krämpfen. Es reicht der Anblick von Wasser oder das Geräusch, um diese Reaktionen auszulösen. Die sind oft unvorhersehbar: Wutanfälle, Toben, Schreien sind nur einige. Viele Patienten versterben bereits in dieser Phase an schierer Erschöpfung oder sie ersticken.

Erreicht der Erkrankte das dritte Stadium, wird er teilnahmslos. Es kommt zu Lähmungen, die schließlich auch die Atemfunktion betreffen.

Oft unterschätzte Gefahr

Für Deutschland warnen Forscher mittlerweile vor der Gefahr durch Fledermäuse als Virenträger und vor dem Kontakt mit toten oder lebendigen Tieren. Die Fledermaustollwut ist in ganz Europa epidemisch, wie Forschungen ergeben haben. Vor allem die Vampirfledermaus gilt als Krankheitsüberträger.

Viele Reiselustige unterschätzen die Gefahr einer Infektion. Besonders gefährlich ist Indien, aber auch in afrikanischen Ländern, in Osteuropa und der Türkei ist Tollwut noch immer weit verbreitet.

Straßenhunde in Sarajevo (DW/N. Velickovic)

Straßenhunde können Tollwut übertragen

Deutsche Touristen sind sich des Risikos oft nicht bewusst, da Tollwut hierzulande doch schon fast in Vergessenheit geraten ist. Frei herumlaufende Tiere, die nicht geimpft sind, können das Virus in sich tragen. Ein Biss kann die Infektion auslösen. Es reicht aber auch schon, dass man mit dem Speichel eines infizierten Tieres in Kontakt kommt, sich danach das Auge reibt oder den Mund berührt. Auch in kleine Haut-Kratzer kann das Virus eindringen.

Die Inkubationszeit kann nach Angaben des Hamburger Tropeninstituts 20 bis 70 Tage betragen. Die Krankheit kann aber auch schon nach vier Tagen ausbrechen, in anderen Fällen hingegen erst nach einem Jahr.

Gegen Tollwut gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. Ärzte können lediglich die Symptome lindern. Der Patient muss zudem auf eine Isolierstation, denn Speichel, Urin und selbst Tränen sind ansteckend.

Sicherheit durch Impfung

Sobald der Verdacht auf eine Infektion mit dem Lyssa-Virus besteht, ist die einzige Chance eine unmittelbare, nachträgliche Impfung (Postexpositionelle Immunprophylaxe). Wird sie schnell verabreicht - innerhalb weniger Stunden - kann sie den Ausbruch der Krankheit verhindern.

Eine Impfung kann auch als vorbeugende Maßnahme verabreicht werden. Sie besteht aus drei Injektionen in den Oberarm-Muskel. Alle zwei bis drei Jahre muss der Impfschutz aufgefrischt werden. Vor allen Dingen bei Reisen ins Ausland empfehlen Mediziner dringend die Impfung gegen Tollwut.

Auch wenn in Deutschland die Gefahr, sich mit Tollwut zu infizieren, äußert gering ist, Aufklärung ist dennoch notwendig. Der Welt-Tollwut-Tag dient dazu, die Menschen aufzuklären und die Anzahl der Infektionen soweit wie möglich zu reduzieren.

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