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Sport

Wie gefährlich ist Gendoping?

Ein vom Bundesbildungs- ministerium gefördertes Projekt ist kürzlich zu Ende gegangen: Dabei sollten sich junge Nachwuchssportler auf vielfältige Weise mit dem Thema Gendoping auseinandersetzen.

"Aktionsprogramm Gentechnologie im Leistungssport (AGIL) – Urteilskompetenz für Nachwuchssportler“. So lautet der offizielle Titel des Projekts, das mit einem Symposium an der Deutschen Sporthochschule in Köln seinen Abschluss fand. "Ich denke mal, durch die Veranstaltung an unserer Schule und jetzt hier sind wir sehr gut informiert", meint etwa Julian. Der 18-Jährige ist ambitionierter Fußballer und besucht das Helmholtz-Gymnasium in Essen - eine der bundesweit über hundert "Eliteschulen des Sports", die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zertifiziert hat.

In gut einem Dutzend dieser Einrichtungen waren seit Juli externe Expertenteams vor Ort, um mit den Schülern Workshops durchzuführen. "Weil wir denken, dass wir so das Zielpublikum, die künftigen Spitzenathleten in Deutschland, mit dieser für sie sehr relevanten Problematik in Berührung bringen können“, erklärt Swen Körner. Der Ko-Projektleiter und Pädagogik-Professor an der Kölner Sporthochschule verweist dabei auf aktuelle empirische Studien zur Verbreitung des Dopings im deutschen Leistungssport: "Demnach greifen bis zu 35 Prozent der befragten Athleten zum Doping oder haben die Bereitschaft, dies zu tun."

Von den Oberstufenschülern, die mit ihren Fachlehrern zum Symposium gekommen waren, mochte sich jedoch keiner zur Leistung aus der Retorte bekennen. Stattdessen schwingen unverkennbar Ängste mit: "Ich würde nicht über gewisse Grenzen hinausgehen und gesundheitliche Schäden in Kauf nehmen", betont Julian. Und eine junge Skilangläuferin aus Oberstdorf ergänzt: "Das würde ich nicht machen, das wäre es mir nicht wert. Ich habe noch so viel vor in meinem Leben."

Dopingkontrolleure bei den Olympischen Spielen in London (Foto: pa/dpa)

Angeblich 35 Prozent der Athleten dopen oder sind dazu bereit - viel Arbeit für die Kontrolleure

Grenzen des Gendopings noch weitgehend unklar

Dabei sind die gesundheitlichen Folgen von Gendoping noch gar nicht umfassend erforscht. Und selbst die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) tut sich schon mit der Definition schwer: Laut aktueller Verbotsliste versteht man darunter die Übertragung von Nukleinsäuren oder Nukleinsäure-Sequenzen sowie die Anwendung normaler oder genetisch veränderter Zellen. Doch das Spektrum beim Gendoping sei viel breiter, erläutert Professor Patrick Diel. Der Sportmediziner an der Kölner Hochschule hält nur den Begriff für überschätzt: "Im Prinzip ist es eine Variante dessen, was wir im Doping schon immer hatten: Und ob jetzt ein Gen in den Körper eingebracht wird oder ein Medikament oder ein Stoff, der im Körper die Gene aktiviert, ist doch eigentlich irrelevant."

So lässt sich etwa heute gezielt die Wirkung von Myostatin eliminieren, ein Eiweiß, das bei Mensch und Tier das Muskelwachstum begrenzt. Doch ob nun per Gentransfer über Viren oder simpler in Tablettenform - auch in der Gendoping-Szene droht offenbar eine Zweiklassen-Gesellschaft. "Das Einfache ist immer das Effektivste. Und die Manipulation mit zellulären oder genetischen Methoden ist teuer und nicht für jedermann zu leisten", so Experte Patrick Diel. "Selbst im Leistungsbereich dürften Athleten dreimal überlegen, ob sie so was Kompliziertes machen."

Auch die Schüler, die sich außerhalb der offiziellen Projektzeiten über eine eigens eingerichtete Internet-Plattform informieren konnten, fahren mit gemischten Eindrücken zur Gentechnologie nach Hause. "Erschreckend ist es für mich, ehrlich gesagt, nicht. Allein schon durch die Anwendung in der Medizin, um Krankheiten zu heilen", gibt ein junger Wintersportler zu Protokoll. "Ich glaube, es liegt in der Natur des Menschen, immer besser zu werden." Ein angehender Abiturient aus Essen geht da schon mehr auf Distanz: "Auch wenn Gendoping im Moment noch ein relativ kleiner Teil des kompletten Doping-Geschehens ist, geht die Forschung weiter - und man sollte trotzdem die Finger davon lassen!"

Instrumente für die Prävention von morgen

Neben medizinischen Fakten wurden beim AGIL-Projekt auch rechtliche oder ethische Aspekte der Gentechnologie behandelt. Hedda Pohlschmidt, Sport- und Deutschlehrerin aus Essen, sieht hierin die Basis, damit ihre Schützlinge später zu Multiplikatoren werden können: "Ich hoffe, dass sie persönlich etwas mitnehmen und dass sie auch in ihrem weiteren Lebensweg sensibler mit dem Thema umgehen und es dann auch weiter tragen."

Der interdisziplinäre Ansatz und das Thema Nachhaltigkeit liegen den Organisatoren ohnehin am Herzen. Denn bleiben sollen auch Instrumente für die Prävention von morgen: "Zum einen die Internet-Plattform, die von uns weitergeführt und aktualisiert wird", berichtet Projektleiter Swen Körner. "In Kooperation mit Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen, also nicht nur Medizinern, sondern auch Juristen, Soziologen, Theologen oder Philosophen." Darüber hinaus wurden - nach den positiven Signalen aus den Schulen - Unterrichtsmaterialien entwickelt, die demnächst publiziert werden.

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