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Wissen & Umwelt

Wie gefährlich ist das afrikanische LuJo-Virus?

Das LuJo-Virus ist fast immer tödlich. Es ist einer dieser unheimlichen Krankheitserreger, der den Patienten innerlich verbluten lässt. "Trotzdem kein Grund zur Sorge!", versichern Virologen vom Robert-Koch-Institut.

Ebola-Viren unter dem Mikroskop (Foto: dpa)

Tödliche Verwandte. Ebola-Viren, die den LuJo-Viren sehr ähneln

Forscher aus Südafrika und den USA haben das Erbgut eines sehr aggressiven Virus entschlüsselt. Es ist eine völlig neue Art, die dem Erreger von Ebola ähnelt. Noch ist nicht bekannt, welches Wirtstier das gefährliche Virus überträgt.

Die Gefäßwände lösen sich auf

LuJo erzeugt sehr hohes Fieber, schädigt das Gewebe massiv und führt zu inneren Blutungen. "Die Krankheitsverläufe sind sehr dramatisch. Es geht wirklich sehr schnell. Dazu kommt, dass die Viren sehr ansteckend sind", bestätigt Matthias Niedrig vom Robert-Koch-Institut in Berlin.

Eine Erkrankte aus Lusaka, Sambia, hatte im vergangenen Herbst bei ihrer Evakuierung in eine südafrikanische Klinik drei Pflegekräfte angesteckt. Alle vier verstarben. Eine Pflegekraft, die das Sterbezimmer gereinigt hatte, erkrankte ebenfalls. Mit antiviralen Medikamenten konnte ihr Tod abgewendet werden.

Notfalleinheit für hochinfektiöse Patienten am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), Hamburg(Foto: AP)

So sieht eine Notfalleinheit für hochinfektiöse Patienten aus

Eine Epidemie ist unwahrscheinlich

Trotz der hohen Todesrate bei Infizierten ist Matthias Niedrig nicht übermäßig beunruhigt, dass es zu einer LuJo-Epidemie kommen könnte. "Es ist so gut wie auszuschließen, dass sich so etwas groß ausbreitet. Die Patienten, die daran erkrankt sind, sind gar nicht mehr in der Verfassung, sich zu bewegen. Sie sind dann meist schon in der Klinik." Zu der Serie von Todesfällen bei Krankenschwestern und Pflegern in Südafrika im letzten Herbst sei es gekommen, "weil sie nicht wussten, dass die Patientin aus Lusaka mit einem so gefährlichen Virus infiziert war."

Die Forscher vermuten, dass das LuJo-Virus über Körperflüssigkeiten wie Stuhl, Urin, Erbrochenes und Schweiß übertragen wird. "Es ist kein Virus, das sich wie die Grippe verbreiten kann", erklärt auch Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Allergie und Infektionskrankheiten in den USA.

Mysteriös - wer überträgt das LuJo-Virus?

Hausmaus (Foto: picture-alliance/dpa)

Übertragen Hausmäuse das tödliche LuJo-Virus über Kot und Urin?

Der vorläufige Name LuJo ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben der Städte Lusaka, wo sich die erste Patientin angesteckt hatte und Johannesburg, wo das Virus zuerst identifiziert wurde.

Die Familie der Viren, zu denen das neue Virus gehört - die Arenaviren - ist weit verbreitet in Nagetieren, wie Ratten oder Hausmäusen. Sie können die Viren über ihren Kot und Urin verbreiten.

Welches Wirtstier das LuJo-Virus in sich trägt und wie sich die erste Patientin genau angesteckt hat, sei bislang unklar, so Epidemiologe Ian Lipkin von der US-amerikanischen Columbia Universität. Möglicherweise hatte sie mit Ratten- oder Mäuseexkrementen verunreinigten Staub eingeatmet oder verunreinigte Nahrungsmittel zu sich genommen. Auch ist bislang ungeklärt, ob das LuJo-Virus für die Wirtstiere tödlich ist. Im Hochsicherheits-Labor in Johannesburg, Südafrika, wurde jetzt ein Forschungsprojekt gestartet.

Gefilterte Atemluft und Essigsäure-Duschen

Auch in Deutschland wird an tödlichen Viren geforscht: in den Hochsicherheitslaboren der Stufe 4 an der Universität Marburg und am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg.

Immer wieder werden hochgefährliche Viren wie das Lassa-Virus aus Afrika oder anderen Regionen der Welt mit Reisenden nach Deutschland importiert. Auch wenn die Infizierten meistens nicht gerettet werden konnten - gegen eine Epidemie ist Deutschland gut vorbereitet, versichert Matthias Niedrig. "Das Robert-Koch-Institut hat einen Notfallplan. Es gibt auch mehrere Kliniken, die mit Infektionsbetten ausgestattet sind, in denen die Patienten sicher versorgt werden können und auch für das klinische Personal kein Risiko besteht. Es ist dann die Aufgabe der Abteilung für Epidemiologie des Robert-Koch-Instituts, die Kontaktpersonen ausfindig zu machen und notfalls zu warnen."

Autorin: Ulrike Wolpers
Redaktion: Judith Hartl

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