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Nahost

Wie Fremde in Jerusalem

Im Sechstage-Krieg eroberte Israel Ost-Jerusalem. Die dort lebenden Palästinenser bekamen einen "Jerusalemer Ausweis" - eine Art Wohnberechtigung. Wer das Land länger als sieben Jahre verlässt, verliert sie.

Felsendom in Jerusalem (Foto: public domain)

Der ewige Streit um die heilige Stadt Jerusalem

Terry wurde in Jerusalem geboren. Ihre Heimatstadt, sagt die 44-Jährige Palästinenserin, sei ihr Leben. Und das Schicksal der umkämpften Stadt ist eng mit ihrem eigenen Schicksal verbunden. Terry ist eine Palästinenserin mit einer "Jerusalem ID" - einem Jerusalemer Ausweis, der sie berechtigt, in der heiligen Stadt zu wohnen. "Die Identitätskarte ist für mich im Grunde meine Berechtigung, als Palästinenserin in Jerusalem zu sein. Gleichzeitig ist sie ein Symbol, um für meine Existenz hier zu kämpfen", sagt sie. Sie gehört zu einer Minderheit von Palästinensern, die im Osten Jerusalems leben dürfen und dort ein Aufenthaltsrecht haben.

Sie war gerade einmal zehn Monate alt, als die Besetzung Jerusalems 1967 begann. "Ich und meine Familie mussten eine Wohnberechtigung im Israel anfragen. Als wäre ich nach Israel eingewandert - dabei sind sie zu uns gekommen und haben uns besetzt."

Fremd in der Geburtsstadt

Nach der Besetzung Jerusalems erhielten einige Palästinenser die israelische Staatsbürgerschaft. Andere wurden als so genannte Wohnberechtigte registriert, basierend auf dem israelischen Einreisegesetz von 1952. Dieser Status sei einzigartig, erklärt Ray Dolphin, Spezialist für Jerusalem Fragen im Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA) der Vereinten Nationen. "Sie haben keinen Reisepass wie jüdische Einwohner oder die arabischen Einwohner im Rest des Landes. Gleichzeitig sind sie auch keine Westjordanland-Bewohner, die unter der Militärverwaltung stehen. Sie haben eine Art Zwischenstatus. Sie können in Jerusalem und Israel leben und arbeiten. Gleichzeitig sind sie aber auch keine vollwertigen Staatsbürger."

Palästinenser mit der Jerusalemer Ausweiskarte haben zum Beispiel kein Wahlrecht bei den israelischen nationalen Wahlen zur Knesset. Auf städtischer Ebene wiederum dürfen sie wählen. Die meisten tun dies aber nicht - als Zeichen dafür, dass sie die israelische Besatzung nicht anerkennen.

Für Palästinenserinnen wie Terry spielt dieser spezielle

Israelische Soldaten im Sechstage-Krieg 1967 (Foto: dpa)

Bis zum Sechstage-Krieg 1967 war Jerusalem in West- und Ost-Jerusalem geteilt

Status eine zentrale Rolle in ihrem Leben. Einerseits gilt sie damit gegenüber Palästinensern aus dem Westjordanland oder dem Gazastreifen als privilegiert. Diese können nur mit Erlaubnis nach Israel und dürfen dort weder wohnen noch arbeiten. Andererseits muss es kein dauerhaftes Privileg sein in Jerusalem zu wohnen, denn die Angst vor Verlust ihres Ausweises ist immer da und auch berechtigt. "Alle paar Jahre muss ich zum Innenministerium, um meinen Aufenthalt zu erneuern. Dabei muss ich ihnen eine dicke Akte mit Belegen und Quittungen vorlegen. Diese müssen beweisen, dass ich meine Stromrechnung in Jerusalem bezahle und, dass ich die israelischen Stadtsteuern, die so genannte 'Arnona', bezahle. Ich muss beweisen, dass ich in Jerusalem arbeite und dort Steuern zahle", sagt Terry. "Wenn ich auch nur ein Papier nicht habe, dann bleibt nur der Weg übers Gericht."

Ständig in der Bringschuld

Die Nachweispflicht bei den israelischen Behörden ist nur eines von vielen Problemen, denen sich Jerusalemer Palästinenser ausgesetzt sehen. Die Liste der Restriktionen und Auflagen ist lang, erklärt Ray Dolphin. "Wenn sie das Land für mehr als sieben Jahre verlassen, wenn sie eine andere Staatsbürgerschaft annehmen oder im Ausland einen Wohnsitz anmelden, dann riskieren sie ihren Jerusalemer Ausweis", sagt Dolphin.

Laut OCHA haben seit 1967 rund 11. 000 palästinensische Jerusalemer ihren Ausweis und damit auch ihren Status verloren. Sie dürfen nicht mehr in Jerusalem leben. "Sie dürfen nur noch zu Besuch kommen mit einem dreimonatigen Touristenvisum, das jeder andere Besucher auch bekommt", sagt Dolphin.

Nicht mehr nach Hause zu können und wie ein Tourist an der Grenze um ein Visum anstehen: Das sind die dramatischen Folgen, wenn die Jerusalemer Palästinenser ihren Status verlieren. Terry macht sich bereits Sorgen um ihre Tochter. Die hat gerade ihr Abitur gemacht und will danach in Genf studieren. Als Jerusalemerin reist sie mit einem speziellen Reisedokument, das sogenannte "Laisser-Passer" – und mit einem Visum. Das müsse, sagt Terry, alle zwei Jahre erneuert werden, sonst drohe auch hier der Verlust des Wohnrechts in Jerusalem.

Autorin: Tania Krämer
Redaktion: Diana Hodali