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Bildung

Wie Frauen besser Karriere machen

Frauen sind im Durchschnitt besser qualifiziert - und doch führen meist Männer die erfolgreichsten Unternehmen Deutschlands. Der erste Jobkongress für Frauen "women & work" will das ändern.

Offizielles Plakat der Messe Women&Work 2011 (Foto: DW / Elisabeth Jahn)

Die Messe hat gerade erst ihre Pforten geöffnet, da strömen die Frauen bereits in die Eingangshalle des Bonner World Conference Center. Aus ganz Deutschland sind sie angereist: top gestylt, in schicken Kostümen und High Heels. An verschiedenen Messeständen können sich Jobanwärterinnen mit 60 führenden Wirtschaftsunternehmen über mögliche Berufsperspektiven austauschen.

"So etwas hat es in Deutschland bisher noch nicht gegeben", sagt Initiatorin Melanie Vogel. Sie ist überzeugt, dass eine solche Messe dringend nötig ist, wenn die von der Politik diskutierte Frauenquote erreicht werden soll. Allerdings sei es gar nicht so leicht gewesen, Unternehmen zu finden, die das Thema öffentlich vertreten: "Es sind auch Unternehmen dabei, die erst am Anfang stehen, aber die verstärkt Frauen als Mitarbeiterinnen suchen."

Familienfreundliche Betriebe sind gefragt

Eröffnungsrede im Plenarsaal des alten Bundestages (Foto: DW / Elisabeth Jahn)

Eröffnungsrede im Plenarsaal des alten Bundestages

Doch die Unternehmen müssen die Frauen auf der Jobmesse erst einmal überzeugen. Wer nicht längst flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuung und ein faires Gehaltssystem in seinen Betrieb integriert hat, der hat auf der Messe schlechte Karten. Die Besucherinnen haken kritisch nach, wie es mit der Frauenförderung in den einzelnen Betrieben wirklich steht. Brigitte Klein ist Logistikberaterin aus Alfter: "Viele Unternehmen sagen, sie haben einen Frauenanteil von 40 Prozent. Wenn man aber genauer nachfragt, dann sind das zu 90 Prozent Jobs im Sachbearbeitungsbereich oder an der Rezeption."

Dabei braucht die Wirtschaft Frauen, und das nicht nur, weil sie inzwischen oft besser qualifiziert sind als männliche Kollegen. Die deutsche Bevölkerung schrumpft, und so werden in Zukunft die Männer allein die freien Positionen nicht besetzen können. Das gilt gleichermaßen für die Führungsetagen. Auch die EU-Kommission hat rechtliche Schritte angekündigt, sollte sich der Frauenanteil in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen bis 2015 nicht auf 30 Prozent erhöhen. Frauen hätten einen kollegialen Führungsstil, soziale Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein, so die EU-Kommissarin Vivian Reding. Woran liegt es also, dass in Deutschland nur wenige Frauen bis in die Führungsetagen vordringen?

Matthias Müller arbeitet bei einem Consulting-Unternehmen und leitet regelmäßig Bewerbungsgespräche. Dabei stellt er immer wieder fest, dass Frauen sehr zurückhaltend auftreten - auch wenn sie die gleiche Qualifikation haben wie männliche Mitbewerber. "Männer wirken oft, als ob sie das schon seit ihrer Geburt gemacht hätten. Wenn Frauen zurückhaltend sind, beginne ich zu zweifeln, ob vielleicht tatsächlich nicht viel dahinter ist." Matthias Müller ist überzeugt, würden Frauen selbstverständlicher auftreten, dann wäre auch eine Frauenquote unnötig.

Mütterquoten wären sinnvoll

Eine Frau schiebt einen Kinderwagen über die Messe (Foto: DW / Elisabeth Jahn)

Mit dem Kinderwagen über die Messe: Mütter wollen wieder ins Berufsleben

Während die deutsche Politik weiterhin über eine Frauenquote streitet, hat Nikolaus Reeder eine andere Idee. Der Geschäftsstellenleiter eines Finanzunternehmens in Bonn plädiert für eine "Mütterquote". 40 Prozent der Mitarbeiter in seinem Unternehmen seien Frauen. Mit denen habe er besonders gute Erfahrung gemacht. "Mütter arbeiten zeitlich hocheffizient. Da geht es nicht um Anwesenheit, sondern um Ergebnisse", sagt Nikolaus Reeder.

Doch wer auf der "women & work" gezielt dieses Thema suchte, wurde enttäuscht. Nur zwei der 40 Workshops widmeten sich der Zielgruppe "Mütter Mitte vierzig und älter". Dabei haben gerade die es besonders schwer, nach einer Erziehungspause wieder in ein Unternehmen einzusteigen. Die erste Jobmesse für Frauen richtet sich vor allem an Absolventinnen und Berufseinsteigerinnen. Doch das soll sich ändern. Initiatorin Melanie Vogel hat versprochen, im nächsten Jahr verstärkt auf die Berufswiedereinsteigerinnen aufmerksam zu machen: "Deutschland muss da noch viel aufholen. Andere Länder wie Frankreich sind da schon deutlich weiter." Dort wurde erst im Januar per Gesetz eine Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichts- und Verwaltungsräten verabschiedet.

Autorin: Elisabeth Jahn

Redaktion: Gaby Reucher