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Kultur

Wie eine Flamme

Sie gehörte zu den ganz Großen der Opernszene: Hildegard Behrens. Auf den großen Bühnen der Welt war sie zu Hause. Am Dienstag ist die Sängerin im Alter von 72 Jahren ganz unerwartet in Japan verstorben.

Hildegard Behrens als Elektra (dpa)

Die Opernwelt trauert um eine der ganz Großen: Hildegard Behrens

Die Brünnhilde war Hildegard Behrens wie auf den Leib geschrieben. Sie sang sie nicht nur bei den Salzburger Festspielen 1996, auch bei Richard Wagners "Ring der Nibelungen" bei den Bayreuther Festspielen 1983 unter Sir Georg Solti sang sie die Brünnhilde, danach an der New Yorker Met unter James Levine und am Münchner Nationaltheater unter Wolfgang Sawallisch. Aber auch als Wagners "Isolde" und als "Elektra" von Richard Strauss feierte sie Triumphe auf der ganzen Welt, in den 70er und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts.

"Hildegard, schrei doch nicht so!" – Dieser Satz wurde an der Freiburger Musik­hochschule zum geflügelten Wort. Hier studierte Hildegard Behrens Gesang bei Ines Leuwen. Behrens hatte schon damals eine kräftige Stimme mit leuchtender Höhe. Und sie schonte sich nicht.

Eine perfekte Stimme war ihr nicht in die Wiege gelegt worden und auch ihre berufliche Laufbahn sah zunächst anders aus. Die Arzttochter Behrens studierte erst einmal Jura in Freiburg.

Hildegard Behrens als Kostelnika (AP)

Behrend identifizierte sich mit starken Frauen auf der Opernbühne

1971 wurde Hildegard Behrens am Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf engagiert. Relativ spät, sie war immerhin bereits 34 Jahre alt, sang sie zu­nächst kleinere Partien. Bald aber auch die Agathe in Webers "Freischütz", die "Figaro"-Gräfin, und die "Fiordiligi" in Mozarts "Cosi fan tutte". In Zürich gastierte sie bereits als Leonore in Beethovens "Fidelio", eine Partie, mit der sie später auch an der Met Furore machen sollte. Sie identifizierte sich ein Leben lang vor allem mit den mutigen, starken Frauen auf der Opernbühne: "Das ist bei mir immer ein entscheidendes Kriterium meiner Darstellung gewesen, die Konsequenz, mit der die Frauen sozusagen dem inneren Triebe folgen, wie Leonore singt."

Karajan engagierte sie vom Fleck weg

Als Hildegard Behrens Mitte der 70er Jahre in Düsseldorf die Marie in Alban Bergs "Wozzeck" sang, hörte Herbert von Karajan ihre Stimme und engagierte sie vom Fleck weg als seine neue "Salomé", die sie mit ihm in Salzburg sang und auch für die Schallplatte einspielte. Es war der Beginn ihrer Weltkarriere.

Mit der Karajanschen "Salomé" avancierte Hildegard Behrens auf einen Schlag zum internationalen Opernstar, nicht nur ihrer enorm kraftvollen Stimme wegen, sondern vor allem wegen ihrer starken Bühnenpräsenz und ihres schonungslosen Einsatzes. ­Die Kraft komme aus der Verausgabung, der Selbstvergessenheit. "Dann habe ich plötzlich so ein Gefühl, als wenn ich an eine große Orgelpfeife angeschlossen wäre und dann kommt mir die Kraft unentwegt zu. Je mehr ich rausgebe, um so mehr bekomme ich zurück. Ich fühle mich dann wie eine brennende Flamme."

Hildegard Behrens als Kostelnika (AP)

"Ich fühle mich wie eine brennende Falmme": Behrens als Kostelnika

Hildegard Behrens war eine hochdramatische Person mit Passion, eine intelligente Sing­schau­spielerin. Mit jeder Phrase, jeder Aus­drucksgeste wußte sie ihr Publikum zu hypnotisieren, auch wenn sie im Eifer der dar­stellerischen Unbedingtheit gelegentlich stimmliche und technische Grenzen über­schritt, und sich regelrecht verbrannte auf der Bühne: Man sah es ihr nach.

Familie und Beruf


"Es muß beides nebeneinander da sein, Zufriedenheit im Beruf und im Privatleben. Ich sehe mein Leben als erfüllt an, als Sängerin und als Mutter, mit Kind und Familie. Das waren von Anfang an die beiden wichtigen Beine, auf denen ich stehe, und ich tanke Kraft vom einen für das andere." Sie habe sich, sagte sie, nie vom Beruf auffressen lassen.

Autor: Dieter David Scholz

Redaktion: Elena Singer