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Politik

Wie ein Mediziner den Kongo verändern will

Der Arzt Oscar Kashala ist Nummer 9 auf der Liste der 33 Präsidentschaftskandidaten im Kongo. Er kam aus dem Ausland zurück in seine Heimat, um dort gegen die Seilschaften von Männern wie Kabila und Bemba anzutreten.

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Neues Gesicht in der politischen Szene des Kongo: Oskar Kashala

Oscar Kashala ist ein großer kräftiger Mann mit Halbglatze, freundlichem Blick, goldgerahmter Brille und einem festen, trockenen Händedruck. Typische Arzthände, ruhige und selbstsichere Ausstrahlung. Das Vorzimmer seines Büros in Kinshasa ist voll von übrig gebliebenem Wahlkampf-Material und Zeitungen der letzten Tage. Kashala selbst hat für einige Schlagzeilen gesorgt, schließlich ist er ein neues Gesicht in der politischen Szene des Landes.

Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahlen

Entsprechend groß war die Genugtuung für den 53-jährigen, auf unzähligen Wahlplakaten und schließlich auf der langen Liste der Präsidentschaftskandidaten seinen Namen zu sehen. Nach der ersten Euphorie hat er allerdings immer mehr Zweifel, ob im Wahlgang am letzten Sonntag (30.7.) auch wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen ist: So habe es Leute gegeben, wählen wollten, aber nicht konnten, weil schon jemand anders die gleiche Nummer auf seiner Wahl-Karte gehabt habe. Solche Dinge seien immer wieder vorgekommen.

Auch der Kandidat selbst musste erfahren, was es heißt, im Kongo Wahlkampf zu machen: Kashalas Anwälte wurden wegen angeblichen Waffenhandels von Regierungssoldaten verhaftet. Er selbst wurde als Kandidat diskreditiert: "Da sind Leute systematisch von Bar zu Bar gezogen und haben den Menschen erzählt, ich hätte aufgegeben und schon vor der Wahl irgendwelche Allianzen mit anderen Politikern gebildet. Das stimmt nicht, und diese Art von Rufmord ist eine Verletzung des Wahlgesetzes, so etwas darf einfach nicht sein."

Kampf von innen

Dass man im Kongo kämpfen muss, egal ob ums Überleben oder um politischen Einfluss, das ist nichts Neues für Oscar Kashala. Zwar hat er im Alter von 30 Jahren seine Heimat Lubumbashi in Richtung USA verlassen und eine erfolgreiche Karriere als Krebsforscher und Tropenarzt in Harvard hingelegt. Doch schon als Student im Kongo hatte er damals gegen Staatschef Mobutu und den Präsidenten der Universität von Kinshasa Proteste organisiert. Der Folter konnte er zwar entgehen, aber er und seine Kommilitonen wurden mit dem Tode bedroht.

Seitdem sei ihm klar, so sagt er, dass man das System nur von innen bekämpfen und verbessern könne. Deshalb gründete er denn auch seine Partei UREC, die "Union für den Wiederaufbau des Kongo", deshalb sein Entschluss, zurückzukehren, und deshalb auch seine Slogans in typischer Wahlkampf-Sprache: "Wir sind fest entschlossen, die Aufgabe zu erfüllen, die von uns erwartet wird." Aber der Mediziner Kashala kann auch konkret werden - besonders wenn es um das Thema Gesundheit geht: "Die Demokratische Republik Kongo hat die höchste Kinder- und Müttersterblichkeit der Welt. Dann haben wir hier Malaria, AIDS, Tuberkulose, Lepra, jetzt kommen sogar schwere Virus-Erkrankungen zurück, wie Poliomyelitis und so weiter." Das komme alles noch zum Problem der schlechten Ernährung hinzu und bedrohe das Leben der Menschen. "Wir werden die Gesundheit zum Schwerpunkt machen, aber wir sehen sie global, daher arbeiten wir in meiner Stiftung auch mit Nicht-Regierungs-Organisationen zusammen", erklärt der Arzt und Politiker.

Der große Umzug muss noch warten

Für seine Privatsekretäre ist Kashala bereits Monsieur le Président. Dem Kandidaten gefällt das, und er ist fest entschlossen, die sehr wahrscheinliche zweite Runde der Präsidentschaftswahl zu erreichen, also die Stichwahl am 29. Oktober. Zumindest wissen seine Frau und seine mittlerweile acht Kinder in den USA, dass er auf jeden Fall im Kongo bleiben will. Die Familie will erst einmal das Ergebnis dieser Wahl abwarten, bevor der große Umzug nach Kinshasa stattfindet:

Kashala hat das Zeug zum Präsidenten - er hat die Kontakte, das Geld, er hat Wähler - aber noch zählen in diesem Land andere Mächte. Wenn er es also nicht auf Anhieb schaffe, werde er auf jeden Fall dran bleiben, sagt er. Schließlich werde in vier Jahren wieder ein Präsident gewählt.

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