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Sport

"Wie ein Fußball-Camp"

Weltmeister werden und die Schule schaffen – das ist das Ziel der 40 Sport-Eliteschulen in Deutschland. In Potsdam ist eine der renommiertesten zu Hause.

Schülerinnen der Potsdamer Sportschule beim Kopfball-Training. Foto: dpa

Sport mit Köpfchen

Nach Elite sieht es hier nicht aus. DDR-typische Neubauten ohne jeglichen Charme, die Natur ist sich selbst überlassen, manche Wände sind mit Graffiti beschmiert. Das also ist die Kaderschmiede, wo einst Uwe Hohn, der beste Speerwerfer aller Zeiten, trainiert hat. Die erfolgreichste Kanutin der Welt, Birgit Fischer, hat hier die Schulbank gedrückt, und auch Schwimmstar Britta Steffen hat hier sechs Jahre lang gewohnt.

In 57 Jahren Schulgeschichte sammelten die Absolventen fast 70 Olympische Goldmedaillen. Auch bei den Olympischen Spielen 2008 war die Sportschule Potsdam erfolgreich vertreten: 22 aktuelle beziehungsweise ehemalige Schülerinnen und Schüler haben in Peking teilgenommen. "Das ist von allen Eliteschulen in Deutschland das bei weitem größte Kontingent. Mit vier Mal Gold, zwei Mal Silber und vier Mal Bronze würden wir auf Platz 17 der Nationenwertung stehen", sagt Schuldirektor Rüdiger Ziemer nicht ohne Stolz.

Ein gesundes Gleichgewicht

Der Leiter der Potsdamer Sportschule, Rüdiger Ziemer, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und DFB-Präsident Theo Zwanziger stehen hinter zwei Spielerinnen von Turbine Potsdam mit der offiziellen Lizenzierungsplakette 'Eliteschule des Fußballs' (Foto: dpa)

Mädchen-Fußball wird hier besonders gefördert

600 Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 20 Jahren gehen hier zur Schule, trainieren, der größte Teil von ihnen wohnt auch in der Anlage. Sportliche Begabung bringen alle mit, aber wie werden aus Talenten Sieger? "Das Geheimnis heißt Balance", erklärt Rüdiger Ziemer. "Sie müssen einen Tagesablauf gestalten, der körperliche und geistige Anspannung und Entspannung in ein gesundes Verhältnis bringt." Dabei sei es auch wichtig, die Eltern mit ins Boot zu holen und mit Leuten zusammenzuarbeiten, die wüssten, wann ein Kind Probleme habe und Zuwendung brauche. "Dann kann man aus einem Kind, das es physisch und psychisch in sich hat, eine Olympiasiegerin oder einen Olympiasieger machen."

Diesen Traum haben hier alle. Dafür nehme sie auch einen straffen Tagesablauf in Kauf, der nicht viel Raum für Freizeit lasse, erklärt die 14-jährige Ruderin Lynn, die gerade Englisch-Unterricht hat. "Nach dem Frühstück haben wir die ersten beiden Stunden Training, dann Schule bis um 15.35 Uhr und um 16 Uhr wir wieder Training. Anschließend Hausaufgaben, duschen und bald ins Bett."

Fader Beigeschmack

Alles ist ausgerichtet auf ein Ziel. Für die fußballverrückte Nina, 13 Jahre, ist es "in der Frauenfußball-Nationalelf zu spielen". Doch das Konzept der Eliteschule ist in Deutschland umstritten. Viele assoziieren sie mit den zur DDR-Zeit gängigen Schulen, in denen Kinder und Jugendliche durch ihre Leistungen zum Ruhme des Sozialismus beitragen sollten oder gar mit den Eliteschulen der Nazi-Zeit. Schuldirektor Rüdiger Ziemer: "Ich weiß, dass viele hier im Umfeld mit dem Begriff ein Problem hatten." Mittlerweile habe sich das aber gelegt. Und die Schüler selbst störe das nicht: "Sie müssen einem Riesenanspruch gerecht werden, sowohl was die Leistungen als auch das Verhalten betrifft." Wenn man den Begriff Eliteschule in diesem Sinne benutze, sei er durchaus positiv, so Rüdiger Ziemer.

"Richtig cool"

Für viele Kinder und Jugendliche erfüllt sich hier in der Sportschule Potsdam ein Traum. So ist es für die 13-jährige Chayenne genau der richtige Ort, um ihre Leidenschaft Fußball auszuleben - und gleichzeitig die Schule nicht zu vernachlässigen. "Das ist schon richtig cool. Wie in einem langen Fußballcamp, wo man immer mit seinen Freunden zusammen ist." Klar, vermisse sie auch manchmal die Familie. "Aber das kriege ich hin."

Autorin: Sarah Faupel
Redaktion: Stefan Nestler

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