Wie die Sachertorte zu ihrem Namen kam | Lebensart | DW | 19.12.2016
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Lebensart

Wie die Sachertorte zu ihrem Namen kam

Sie gehört so untrennbar zu Wien wie der Stephansdom und die Wiener Sängerknaben: die Sachertorte. Erfunden wurde sie vom Konditor Franz Sacher, der heute vor 200 Jahren geboren wurde.

Butter, Mehl, Eier, Zucker, Marillenmarmelade und vor allem viel Schokolade. Das sind die Grundzutaten für die wohl berühmteste Torte Österreichs, die Sachertorte. Das Originalrezept wird vom Wiener Traditionshotel Sacher allerdings streng geheim gehalten. 

Die Erfindung der Sachertorte

Die Geschichte der Sachertorte begann im Jahr 1832: Clemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich beauftragte seine Hofküche anlässlich einer Festlichkeit, seinen Gästen ein ganz besonderes Dessert zu kredenzen. Weil der Chefkoch aber plötzlich krank wurde, musste der erst 16-jährige Lehrling Franz Sacher einspringen. Prompt kreierte dieser mit seiner Variation einer Schokoladentorte die Vorläuferin der heutigen Sachertorte, die zwar bei Gastgeber und Gästen Anklang fand, der aber keine weitere Beachtung geschenkt wurde.

Als der begabte Lehrling sich 12 Jahre später selbstständig machte und 1848 einen Feinkostladen mit Weinhandlung in der Wiener Weihburggasse eröffnete, wurde die "Schokoladetorte des Franz Sacher" schließlich zum Verkaufsschlager und erlangte lokale Berühmtheit. Vollendet wurde die Sachertorte aber erst durch Franz Sachers ältesten Sohn. Während seiner Ausbildung beim kaiserlichen und königlichen Hofzuckerbäcker Demel erschuf Eduard Sacher die Wiener Spezialität in ihrer heute bekannten Form. Angeboten wurde diese sowohl bei Demel als auch im 1876 gegründeten Hotel Sacher.

Gesalzener Rechtsstreit um die Sachertorte

Sachertorte mit Schlagsahne (Imago/A. Hettrich)

Original oder echt? Hauptsache, es schmeckt!

So süß die Sachertorte war, so gesalzen war der Rechtsstreit über die Bezeichnung der Leckerei, der viele Jahre später zwischen dem Hofzuckerbäcker Demel und dem Hotel Sacher, das sich mittlerweile nicht mehr im Familienbesitz befand, entbrannte. Der Sohn Eduard Sachers hatte das Rezept der familieneigenen Sachertorte an Demel übertragen. Währenddessen ließen die neuen Besitzer des Hotel Sachers jedoch die Bezeichnung "Original Sacher-Torte" als Markenzeichen eintragen.

Die Prozesse um die Rechte an der kulinarischen Köstlichkeit dauerten jahrzehntelang an, Hauptstreitpunkt war die Rezeptur der Torte. Wie viele Schichten Marillenmarmelade gehörten zur originalen Sachertorte und wo waren diese einzuziehen? Und war es erlaubt, dem Teig auch Margarine beizugeben?

Original Sacher-Torte und Eduard-Sacher-Torte

 Sachertorte Wien (DW/E. Numanovic)

Das Geheimnis sind die Zutaten ...

1963 folgte schließlich die außergerichtliche Einigung durch die Unterscheidung zwischen "echter" und "Original-"Sachertorte. Seitdem führt das Hotel Sacher die  "Original Sacher-Torte", die mit einem runden Siegel gekennzeichnet wird. Beim Zuckerbäcker Demel gibt es echte, mit einem dreieckigen Siegel markierte "Eduard-Sacher-Torte" zu kaufen. Der Unterschied der beiden Torten liegt übrigens vor allem in der Verwendung der Marmeladenschichten: Die Sachertorte des Hotel Sachers weist zwei Schichten Marillenmarmelade auf, eine direkt unter der Kuvertüre und eine in der Mitte der Torte. Demels Variante kommt hingegen ohne Marmeladenschicht in der Mitte aus.

Mittlerweile finden sich weltweit Variationen von Schokoladentorten mit Marillenmarmelade und Schokoladenüberzug, die als Sachertorte bezeichnet werden. Ob letztendlich wirklich wichtig ist, ob man die "echte" oder die "originale" Torte isst, bleibt jedem selbst überlassen. Aber eigentlich zählt doch vor allem, dass die kulinarische Leckerei nach Idee eines Wiener Lehrlings schmeckt.

 

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