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Wissen & Umwelt

Wie die MH17-Satellitenbilder bearbeitet wurden

Enthüllungsjournalisten der Plattform Bellingcat werfen dem russischen Verteidigungsministerium Bild-Fälschung nach. So sind sie bei ihrer Analyse vorgegangen.

Ein Foto von einem Bauernacker illustriert am deutlichsten, wie die Journalisten der britischen Plattform Bellingcat dem russischen Verteidigungsministerium die Fälschung von Satellitenbildern nachweisen wollen.

In diesem Bildvergleich von "Bild 4" ist jeweils derselbe Ausschnitt des Bauernackers zu sehen. In den Aufnahmen vom 2. und 21. Juli 2014 sind deutlich Ackerfurchen zu erkennen, die von der Feldarbeit stammen. Im Bild vom Mai 2014 sowie in dem des russischen Verteidigungsministeriums, fehlen sie jedoch.

Satelliten-Bild von MH17

"Bild 4" Bildausschnitt mit eingeblendeten historischen Bildausschnitten von Google Earth Pro

Das Problem dabei: Das russische Verteidigungsministerium behauptet, dass seine Aufnahme vom 17. Juli stammt - also der Tag, an dem die Malaysian Airlines Flug MH17 über der Ostukraine auf mysteriöse Weise abgeschossen wurde - und keiner der 298 Passagiere überlebte.

Laut dem Verteidigungsministerium zeigt "Bild 4" eines von drei ukrainischen Luftabwehr-Batallionen in der Ortschaft Avdeevka nördlich von Donetzk. Mit anderen Worten: Die ukrainische Armee hätte in dieser Zeit Flugabwehrraketen vor Ort gehabt, die in der Lage gewesen wären MH17 abzuschießen.

Die Journalisten von

Bellingcat

haben ihre Untersuchungen auf historische Bilder von Google Earth Pro gestützt. Sie kommen nun zu einem ganz anderen Ergebnis: "'Bild 4' wurde zwischen dem 1. und dem 18. Juni 2014 aufgenommen" schreibt Hauptautor und Bellingcat-Gründer Eliot Higgons. Das heißt: Die Flugabwehrraketen waren zwar dort, aber mindestens einen Monat vor dem Abschuss des Flugzeuges.

Mit Photoshop verändert

Wer von dem fraglichen Acker weg-zoomt findet dazu ein weiteres Problem mit "Bild 4". Wenn ein solches Foto mit der Bildbearbeitungssoftware Photoshop bearbeitet und hinterher komprimiert wird - etwa indem man die Datei abspeichert - bleibt ein sichtbares, weißes Rauschen übrig. Dieses weiße Rauschen wird "error levels" genannt. In der komprimierten Datenform lässt sich demensprechend erkennen, an welchen Stellen das Originalbild verändert wurde.

Dieses Rauschen könnte man etwa an Stellen erwarten, die absichtlich verändert wurden - etwa eingefügte Beschriftungen oder Bildüberschriften. Aber Wolken sollten davon eigentlich nicht betroffen sein. Aber genau solche Wolken finden sich auf dem Bild. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Wolken digital auf der linken und rechten Seite des Bildes hinzugefügt wurden, um damit Details zu verwischen, die später für einen eventuellen Vergleich mit historischen Satellitenbildern herangenommen werden könnten," vermutet Higgons beim Vergleich der folgenden Bilder.

Satelliten-Bild von MH17

"Bild 4" Gesamtansicht mit Wolkenbedeckung und forensischen Metadaten (rechts) mit erkennbarer Rausch-Grenze

Der Unterschied in den "error levels" zwischen den Bereichen D und C, kann nach Ansicht des Journalisten nicht durch den Inhalt des Bildes - wie etwa Wolken - erklärt werden.

"Bild 5"

Das gleiche Problem trat bei einem weiteren Bild auf. Hierbei behauptet das russische Verteidigungsministerium, dass die Aufnahme eine ukrainische Luftabwehrbrigade mit zwei BUK-Raketenwerfern zeigten, die im Süden des Dorfes Zaroschinskoe in der Ostukraine stationiert seien.

Die forensische Analyse der "error levels" des Bildes förderte Stellen zu Tage, bei denen das Bellingcat-Team zu dem Schluss kommt, dass diese Bereiche "mit großer Wahrscheinlichkeit" digital modifiziert wurden.

Am deutlichsten wird das im Fall einiger ukrainischer Militärfahrzeuge. In den beiden oberen Bildern, sind die Fahrzeuge tatsächlich da - es gibt kein weißes Rauschen in der Analyse der Metadaten des Bildes. Aber in den unteren beiden Bildern, gibt es Zeichen der digitalen Manipulation.

Satelliten-Bild von MH17

Ausschnitte von "Bild 5" mit (unten) und ohne (oben) Bildbearbeitung

Also steht nach Ansicht der Bellingcat - Journalisten auch die Echtheit von "Bild 5" in Frage. Durch einen Vergleich von Bodenstrukturen und Pflanzen kommen sie außerdem auch hier zu dem Ergebnis, dass das Bild schon vor dem 15. Juli 2014 aufgenommen worden war. Auch dieses Bild hatte das russische Verteidigungsministerium auf den 17. Juli 2014 datiert.

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