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Afrika

Wie die Elfenbeinküste die Schokolade entdeckt

Die Elfenbeinküste baut so viel Kakao an wie kein anderes Land - trotzdem gab es lange kaum Schokolade. Das ändert sich gerade. Katrin Gänsler über die ersten Confiserien und Pralinen "Made in Ivory Coast".

Wenn Yao Cesar Victoria N'Guessan Gäste über seine kleine Plantage führt, steht ihm der Stolz ins Gesicht geschrieben. Seine Felder liegen rund 30 Minuten von der Provinzhauptstadt Gagnoa im Süden der Elfenbeinküste entfernt. Auf fünf Hektar Land baut er Kakao-Pflanzen an. Das sei Familientradition. "Schon unsere Großeltern haben Kakao angebaut", sagt der 38-Jährige. Wie so viele Ivorer wurde er mit dem Kakao groß, aber nicht mit der Schokolade. "Die gab es zwar in der Elfenbeinküste. Aber wir kannten sie nicht."

Dabei ist das westafrikanische Land mit seinen 23 Millionen Einwohnern der weltweit größte Anbauer. Laut Kakao-Barometer 2015, das von mehreren nichtstaatlichen Organisationen herausgegeben wird, produziert die Elfenbeinküste jährlich mehr als 1,7 Millionen Tonnen. An zweiter Stelle liegt Ghana mit 897.000 Tonnen.

Vom Kakao-Baum in den Supermarkt

Trotzdem ist das Endprodukt Schokolade für viele Ivorer wie Farmer N'Guessan lange eine Kostbarkeit gewesen. Produziert und gegessen wird Schokolade schließlich vor allem in Europa und den USA. Doch das ändert sich gerade, auch wenn es dazu noch keine verlässlichen Zahlen gibt. Aber gerade in der Wirtschaftsmetropole Abidjan gibt es in Supermärkten immer häufiger Schokolade "Made in Ivory Coast". Auch Cafés bieten Pralinen aus eigener Herstellung an.

Schokolade aus der Elfenbeinküste (Foto: Katrin Gänsler/DW)

Amoin Odette Kouassi entwirft Verpackungen für Pralinen

In Cocody, einem Stadtteil im Herzen Abidjans, hat Amoin Odette Kouassi aus dünnem Pappkarton kleine Schachteln und Tüten in verschiedenen Farben gebastelt. Jetzt umwickelt sie diese mit Geschenkband. "Das sind die Etiketten dafür", sagt sie und zeigt auf kleine Anhänger in Gold. "Auf Baoulé sagt man schließlich: Die Augen müssen auch." Sie lacht über das Sprichwort, das so viel bedeutet wie "das Auge isst mit". Wenn sie mit einer Schachtel fertig ist, legt sie vorsichtig zwei Pralinen hinein. Die süßen Kostbarkeiten sind etwas besonderes, denn sie wurden komplett in der Heimat des Kakaos produziert.

Vom Banker zum Chocolatier

Im Supermarkt gibt es die kleine Geschenkbox zwar noch nicht. Derzeit produzieren die zehn Mitarbeiter des Kleinunternehmens Instant Chocolat, für das Amoin Odette Kouassi die Pralinen einpackt, nur auf Bestellung. Zu den Kunden gehören Fluggesellschaften oder wohlhabende Privatpersonen. Einige Unternehmen bieten Pralinen auch auf Messen an und machen damit Werbung für Schokolade aus der Elfenbeinküste.

Axel Emmanuel gehört das kleine Unternehmen. Er will seine Kreationen bald in ganz Westafrika bekannt machen. Noch bis 2010 arbeitete Emmanuel als Vollzeit-Banker, dann wechselte er ins Schokoladen-Geschäft. "Wenn die Elfenbeinküste doch größter Kakao-Produzent ist, muss am Ende dieses Prozesses zumindest ein Ivorer stehen." Der erste Chocolatier aus der Elfenbeinküste ist er zwar nicht. "Aber die anderen haben immer nur französische Schokolade verarbeitet", sagt Axel Emmanuel. Nach seiner Ausbildung wurde er mehrfach ausgezeichnet - für seine Pralinen, aber auch für seinen Unternehmergeist.

Schokolade aus der Elfenbeinküste (Foto: katrin Gänsler/DW)

Axel Emmanuel hat für die Schokolade seinen Job in einer Bank an den Nagel gehängt

Axel Emmanuel geht in den ersten Stock seiner kleinen Werkstatt. Noch produziert er in einer winzigen Küche. Hier steht seine kleine Mühle, die er extra aus Indien angeschafft hat. Dann klopft er vorsichtig auf die Arbeitsplatte aus Granit. "Ein guter Untergrund", sagt er. Denn nur auf kalten Flächen lasse sich die Schokolade richtig verarbeiten. Im Hintergrund surrt die Klimaanlage.

Schokolade für die Mittelschicht

Schokolade ist ein sensibles Produkt. Trotzdem lasse es sich gut in der Elfenbeinküste herstellen, meint der Chocolatier. Mehrere Fabriken gibt es bereits. Und die Regierung will die Schokoladen-Produktion vorantreiben. "Sie hat gesagt: Die Zeit des Umwandelns ist gekommen", sagt Axel Emmanuel. Gemeint ist, dass die Ivorer den Kakao nicht mehr nur anbauen, ernten und dann exportieren - sondern ihn

Wenn der Rohstoff-Reichtum schrumpft

direkt im Land verarbeiten. Das, so hoffen viele, schafft neue Jobs und kurbelt den Konsum an. Bis 2020, heißt es, sollen 50 Prozent des Kakaos im Land verarbeitet werden, zu Kakaopulver, -butter oder eben Schokolade.

Und die sollen die Ivorer dann kaufen. Die

Wirtschaft

der Elfenbeinküste wächst jährlich um neun Prozent und in Abidjan gibt es zahlreiche Cafés, die in den Mittagspausen und am Wochenende gut gefüllt und beliebte Treffpunkte sind. "Früher konnte sich niemand Schokolade leisten, weil sie ein Luxusprodukt war. Doch jetzt geht es", sagt Unternehmer Emmanuel.

Und auch weit weg von der Hauptstadt, in Gagnoa wird inzwischen Schokolade gegessen. "Sie war ganz köstlich", erinnert sich Farmer Yao Cesar Victoria N'Guessan an sein allererstes Stück. Eine solche Besonderheit ist sie für seine drei Kinder heute aber nicht mehr, im Gegenteil. "Wenn ich heute mit meinem jüngsten Kind nach Gagnoa fahre, gibt es dort immer Schokolade", sagt N'Guessan und lacht.

Kakaoproduktion in der Elfenbeinküste

Die Schokoladen-Produktion könnte neue Jobs schaffen

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