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Politik

Wie die Befreiung Frankreichs

Militärischer Erfolg ist derzeit in Washington das Maß aller Dinge. Kein Wunder, dass Politiker die Verhaftung des El-Kaida-Terroristen Khalid Sheikh Mohammed mit der Befreiung Frankreichs im 2. Weltkrieg vergleichen.

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FBI und CIA haben damit den wichtigtsten Fahndungscoup seit den Terroranschlägen des 11. Septembers gelandet. Und Präsident Bush hat einen wichtigen politischen Erfolg erzielt; die Kritiker, die ihm vorgeworfen hatten, vor lauter Kriegsgeschrei gegenüber dem Irak die El Kaida vollkommen vergessen zu haben, werden nun verstummen. Vielleicht werden die beim Scheich gefundenen Aufzeichnungen sogar den Verdacht der bislang bloß behaupteten Verbindung zwischen dem Terrornetzwerk und dem Irak erhärten. Wer weiß.

Auch die erhöhten Terrorwarnungen in den USA erscheinen im Nachinein mehr als gerechtfertigt, schliesslich konnte man den Scheich nur deshalb aufspüren, weil er bei der Vorbereitung neuer Terrorattentate Spuren hinterliess.

Schwierige Nordfront

An einer anderen Front, der imaginären Nordfront in einem künftigen Krieg im Irak, musste Washington am Wochenende allerdings eine schwere Niederlage einstecken. Die unerwartete Ablehnung einer Stationierung von über 60.000 US-Soldaten auf türkischem Territorium duch das Parlament in Ankara wird die Kriegsführung erschweren, es sei denn die Türken besinnen sich doch noch anders. Nun müssen die knapp dreißg US-Kriegsschiffe, die seit Wochen in türkischen Häfen auf grünes Licht zur Entladung von Mensch und Material warten, wieder den Anker lichten.

Durch den Verzicht auf eine Nordfront wird sich der Krieg vermutlich verlängern und zu höheren Verlusten führen. Die Schiffe müssen jetzt vom Mittelmeer über den Suezkanal in den Persischen Golf umdirigiert werden, um dann die in Kuwait stationierten Verbände zu verstärken. Die wichtige Sicherung der Ölfelder im Nordirak, die von den aus der Türkei anrückenden Verbänden übernommen werden sollte, müsste dann durch Luftlandetruppen erfolgen.

Saddams Taktik

Wie sich der Verlauf der diplomatischen Front im Weltsicherheitsrat, der dritten wichtigen Front an der Washington derzeit kämpft, weiter entwickeln wird, ist derzeit noch vollkommen offen. Die begonnene Verschrottung der El-Samoud-Raketen scheint zunächt Wasser auf die Mühlen derer zu sein, die behaupten, die Inspektionen funktionieren. Doch gleichzeitig bestärkt es auch die Bushianer. Schlieslich gibt der Irak nur unter dem ungeheuren militärischen Druck der auf ihm lastet, die Existenz illegaler Raketenbestände zu - inzwischen auch diejenige lange geleugneter Milzbranderreger.

Denkbar ist also, dass auch die diplomatische Front der Widersacher im UN-Sicherheitsrat über kurz oder lang zusammenbricht.