1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Wie die Banane nach Deutschland kommt

Rund 1,3 Millionen Tonnen Bananen verzehren die Deutschen pro Jahr. Die Früchte kommen zumeist per Schiff. Ein Viertel davon landet in Bremerhaven an. Wir haben einem Logistiker über die Schulter geschaut.

Fest vertäut liegt die "Star Service 1" in Bremerhaven an der Columbuskaje - 62 Meter lang, 26 Meter breit. 4.000 Tonnen Bananen hat es geladen. Auf dem Deck werden die Kühl-Container entlascht. Im Schiffsbauch stapeln sich die Bananenkartons auf Paletten. "Das Schiff ist eines von fünf, die Bremerhaven regelmäßig anlaufen", sagt Matthias Hasselder, Prokurist des Bremerhavener Unternehmens Heuer Logistics.

Das Ladegeschirr der Containerbrücke greift sich einen Container nach dem anderen und macht so den Weg frei zu den Schiffsluken. Gabelstapler bringen die Bananen in die riesige Halle, in der die Bananen in 15 tennishallengroßen Klimazellen zwischengelagert werden.

Die Bananen in den Kartons sind grün, auf den Plantagen in Mittelamerika unreif geerntet und bei 14 Grad über den Atlantik transportiert worden. Erst kurz bevor die Bananen in den Handel kommen, wird der unterbrochene Reifeprozess wieder in Gang gesetzt. "Wir sind ein reines Umschlagslager", betont Matthias Hasselder. "Wir können die Bananen auf Temperatur halten, das heißt, die Kühlkette wird nicht unterbrochen.“

Bananen

Bananenschiff an der Bremerhavener Columbuskaje

1,3 Millionen Tonnen Bananen kommen jedes Jahr ins Land

Nach Äpfeln sind Bananen in Deutschland das zweitbeliebteste Obst. Statistisch gesehen verzehrt jeder Bundesbürger 16 Kilo, der deutsche Jahresverbrauch liegt bei etwas mehr als 1,3 Millionen Tonnen Bananen. 300.000 Tonnen schlägt das Bremerhavener Unternehmen jährlich um und überprüft dabei die Früchte auf die strengen EU-Vorschriften hin. Länge und Durchmesser sind für die drei Handelsklassen vorgegeben, der Krümmungswinkel, entgegen einem hartnäckigen Vorurteil, dagegen nicht. Beschädigte Ware mit Druckstellen oder gebrochenem Hals wird aussortiert.

Es sind Stichproben, die Bananenkontrolleur Axel Krüger und seine beiden Kollegen auf den Tisch bekommen. Diesmal werden es 200 Kartons sein. Einer Banane aus der Mitte des ausgepackten Kartons steckt er ein Thermometer durch die Schale in die Frucht. Mehr als 17 Grad dürfen es nicht sein. Gelbe Bananen sind ihm ein Graus: "Die stecken die anderen Früchte an, die wollen ja auch reifen." Wenn es hart auf hart kommt, muss die ganze Palette weggeschmissen werden.

Gescheiterte Fusion

Die meisten Bananen kommen aus Equador, Kolumbien, Costa Rica und Panama. Zwei der vier Weltmarktführer, Chiquita und Fyffes, wollten vor einem Jahr fusionieren. Der Zusammenschluss scheiterte am Veto der Aktionäre. Der Bremerhavener Umschlagsfirma und ihren 100 Mitarbeitern soll es recht sein. Torrben Kuhl, verantwortlich für das Zoll- und Qualitätsmanagement bei Heuer Logistics erklärt, warum: "Wir haben natürlich beide als Kunden, wobei Chiquita unser Hauptkunde ist." Auch die „Star Service 1“ fährt im Auftrag des US-Konzerns. "Vielleicht wären irgendwann die Vertriebswege zusammengelegt worden." So aber bleibt erst einmal alles beim Alten.

Matthias Hasselder steht in der Halle im Rampenbereich: "Die Heizstrahler an der Decke halten die Halle frostfrei. Im Sommer haben wir hier die Außentemperatur, weil es nur eine Blechhalle ist." Etwa 20 Minuten können die Bananen hier stehen. Der LKW muss also an der Rampe stehen, erst dann werden die Bananen aus den Klimazellen herausgefahren und verladen - so wird die Kühlkette nicht unterbrochen. Hasselder: "In den Klimazellen können wir die Temperatur zwischen null und 15 Grad Celsius fahren." Bis zu 80 LKW mit Kühlcontainern werden pro Tag abgefertigt. "Die Ware geht nach München, ins Ruhrgebiet, nach Stuttgart, auch nach Polen und Skandinavien." Über die Schiene wird kaum noch Ware abtransportiert. Hasselder schätzt diesen Anteil auf vielleicht fünf Produzent: "Sehr viele Reifereien sind auf der grünen Wiese gebaut worden - ohne Gleisanschluss."

Bananenschiff an der Bremerhavener Columbuskaje

Zunächst müssen die Container gelöscht werden, dann erst können 4000 Tonnen Bananen wieder ans Tageslicht kommen.

Billige Bananen

Der Endverbraucherpreis für Bananen hält sich seit vielen Jahren auf konstant niedrigem Niveau: Fairtrade-Organisatoren beklagen, die ärmsten Menschen müssten für unsere billigen Bananen bezahlen. Die Arbeitsbedingungen auf den Bananenplantagen spielen an der Bremerhavener Columbuskaje, wo der Kran die Bananen gerade Palette für Palette aus dem Schiffsbauch zieht, kaum eine Rolle. Wohl aber der Preis im Discounter: "Je billiger die Bananen, desto höher ist der Druck auf unseren Umschlagspreis", meint Matthias Hasselder. Und Torrben Kuhl ergänzt: "Der Zollsatz pro Karton liegt bei 2,40 bis 2,50 Euro – egal ob Bio-Banane, konventionelle Banane oder Mini-Banane."

Es ist dunkel mittlerweile geworden. Die Bordlichter und die mächtigen Scheinwerfer der Containerbrücke zeichnen helle, milchige Kreise in das Gemisch von Nacht, Nebel und Nieselregen. Im Hafen wird rund um die Uhr gearbeitet. Die "Star Service 1", das Bananenschiff, das an der Bremerhavener Columbuskaje liegt, soll um vier Uhr in der Früh in See stechen – mit Kurs auf Karibik und Mittelamerika. In vier Wochen ist es wieder in Bremerhaven - mit der nächsten Ladung Bananen an Bord.

Die Redaktion empfiehlt