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Wissen & Umwelt

Wie Deutschland gegen die Ölpest helfen könnte

Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko holen sich die US-Behörden Hilfe aus dem Ausland. Auch Deutschland hat inzwischen Hilfe angeboten.

Männer versuchen, einen Strand von Öl zu säubern (Foto: AP)

"Die USA werden 22 Hilfsangebote von zwölf Ländern und internationalen Organisationen annehmen", darunter Boote zum Abschöpfen von Öl oder schwimmende Brandbarrieren, erklärte das US-Außenministerium. Derzeit würden die Details der Hilfslieferungen abgestimmt. Insgesamt haben nach Washingtoner Angaben 27 Staaten in Europa, Afrika, Lateinamerika, Asien und dem Nahen Osten Hilfe angeboten. Darunter auch Deutschland, das unter anderem Barrieren zum Auffangen des Öls und technisches Personal zur Verfügung stellen will. Die US-Regierung erwägt, auch diese Offerte anzunehmen. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Ölsperren sollen eine Insel in der Nähe der Mississippi-Mündung schützen (Foto: AP)

Ölsperren sollen eine Insel in der Nähe der Mississippi-Mündung schützen

Bisher hat die Regierung nur die Hilfe einer Handvoll von Ländern genutzt, darunter Norwegen und die Niederlande. Viele Betroffene in der Krisenregion halten die Washingtoner Zurückhaltung für unverständlich und unverantwortlich.

Hilfsangebote aus Cuxhaven und Kiel

Auch das deutsche Havariekommando in Cuxhaven, eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer zur Bekämpfung der Folgen von Unfällen auf See, hat seine Unterstützung angeboten. Das Havariekommando könnte nach den Worten der Sprecherin Ulrike Windhövel vor allem mit Ölsperren helfen. Viele dieser Sperren seien inzwischen verbrannt und müssten ersetzt werden. Die Ölsperren könnten in Containern auf dem Luftweg in die USA gebracht werden. Wenn gewünscht, könne das Havariekommando auch Experten in die USA schicken. "Bislang sind unsere Angebote aber noch nicht angenommen worden", sagte Windhövel der Deutschen Welle.

Ein norddeutsches Firmenkonsortium unter Führung der Kieler Contros Systems & Solutions GmbH hat nach eigenen Angaben eine Methode entwickelt, um die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko in den Griff zu bekommen. Dabei sollen besonders leistungsfähige Pumpen und die Chemikalie Monoethylenglykol (MEG) eingesetzt werden, sagte der Geschäftsführer Daniel Esser. Damit werde verhindert, dass Pumpen und Leitungen wegen der niedrigen Temperaturen verstopfen. Nach ersten Laborversuchen liege die Erfolgswahrscheinlichkeit bei rund 70 Prozent, sagte Esser. "Die Idee hatten wir schon vor einiger Zeit entwickelt, der Ölunfall im Golf von Mexiko hat den Anstoß zur Umsetzung gegeben."

Öl strömt aus dem Bohrloch in den Golf von Mexiko (Foto: AP)

Noch immer strömt Öl aus dem Bohrloch in den Golf von Mexiko

Rund vier Millionen Euro soll der Rettungsversuch kosten, der bislang nur im Labor erprobt wurde. Zur Frage, ob das Verfahren je zum Einsatz im Golf von Mexiko kommen werde, hielt sich Esser bedeckt: "Wir sind mit BP in Kontakt, eine Entscheidung gibt es noch nicht."

Esser und seine Partner - der Pumpenhersteller Bornemann aus Obernkirchen in Niedersachsen und das auf Unterwassertechnologien spezialisierte Beratungsunternehmen CCS Consulting aus Hamburg - setzen dabei wie schon der Mineralölkonzern BP auf einen Trichter, der das seit Wochen aus dem Bohrloch aussprudelnde Öl auffangen und an die Meeresoberfläche leiten soll.

Doch sie wollen anders als BP durch eine MEG-Zugabe verhindern, dass sich in dem Trichter Methanhydrat bildet, dessen Kristalle die Trichterspitze verstopfen. Eine hochempfindliche Echtzeitsteuerung soll dafür sorgen, dass immer die richtige Menge MEG in den Trichter gespritzt wird. Eine besonders leistungsfähige Multiphasenpumpe soll dann täglich bis zu sechs Millionen Liter des Öl-Wasser-Gemisches auf ein Schiff pumpen.

Autor: Nils Naumann
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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