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Globale Zusammenarbeit

Wie Deutsche Afrika sehen

Das Afrikabild vieler Deutscher ist geprägt von Extremen: Krieg und Leid auf der einen Seite, verklärende Kolonialromantik auf der anderen. Dazu tragen auch die Medien und das Bildungssystem bei.

Ein Mädchen zeigt den afrikanischen Kontinent auf einem Globus (Foto: imago/imagebroker)

Ein Kind zeigt den afrikanischen Kontinent auf einem Globus

Armut, Hunger, Korruption, Krieg, Aids, Diktaturen. Das sind laut Veye Tatah die Schlagwörter, die Deutschen über Afrika zuerst einfallen. Die gebürtige Kamerunerin ist Chefredakteurin des Magazins "Africa Positive". Sie ärgert sich über das stereotype Afrikabild der Deutschen: "Afrika wird ständig nur mit Betteln und Spenden in Verbindung gebracht." Zudem rede man immer über Afrika, als sei es ein einziges Land. "Die Deutschen würden sich bestimmt nicht freuen, wenn man zum Beispiel Polen und Deutschland über einen Kamm schert", so Tatah.

Dass Afrika durchaus viele Facetten hat, weiß Susan Arndt. Doch "in Deutschland stellt man sich Afrika immer vor, als würden da überall Elefanten und Löwen rumlaufen", sagt die Professorin für englische und afrikanische Literaturen an der Universität Bayreuth. Afrika sei in den meisten deutschen Köpfen mit allzu negativen Bildern besetzt: "Das sind Vorstellungen, die dämonisierend wirken."

Veye Tatah, Chefredakteurin von Africa Positive (Foto: Christine Bukana)

Veye Tatah: "Africa Positive berichtet über Gesellschaft, Kultur, Geschichte und Hightech in Afrika"

Eindimensionale Berichterstattung

Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge leben mittlerweile rund 300.000 Afrikaner und Afrikanerinnen in Deutschland. Auch viele Deutsche haben eine enge Bindung zu Afrika.

Die Schuld daran, dass das Afrikabild in der kollektiven deutschen Vorstellung negativ geprägt ist, gibt Veye Tatah dem Bildungssystem und den Medien: "Da nimmt man sich nicht die Zeit, die Länder differenziert darzustellen. Es steckt eine gewisse Ignoranz oder auch eine Arroganz dahinter", kritisiert die Journalistin. Die Berichterstattung deutscher Medien über Afrika sei schematisch und voller Klischees.

Afrikabild mit Scheuklappen

Das räumen auch deutsche Politiker und Wissenschaftler ein. "Gelinde gesagt, verbesserungswürdig", findet Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die Darstellung Afrikas in deutschen Medien. Der Erdteil finde in den deutschen Medien insgesamt wenig Beachtung, obwohl er ein direkter Nachbarkontinent sei, mit dem uns so viel verbinde. "Wenn Afrika vorkommt, dann vor allem, wenn es schlechte Nachrichten gibt. So entsteht das Bild eines Kontinents, der von Krisen, Katastrophen und Hunger geprägt ist", so Beerfeltz weiter.

Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) (Foto: Thomas Ecke)

Hans-Jürgen Beerfeltz: "Afrika ist ein Chancenkontinent mit über 50 ganz unterschiedlichen Staaten"

Dieselbe Meinung vertritt Christoph Kannengießer, Rechtswissenschaftler und Geschäftsführer des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. "Dabei werden Fortschritte im Bereich von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung vernachlässigt", ergänzt er. Die Medien in Deutschland müssten mehr und objektiver über Afrika berichten, sagt Kannengießer. "Sie sollten vermeiden, die Verhältnisse auf dem afrikanischen Kontinent mit denen in Europa zu vergleichen. Man sollte diese eher damit vergleichen, wie Afrika vor 15 Jahren war. So würde ein völlig anderes Bild entstehen."

Geschichten über Afrika

Abgesehen von den Medien ist auch das Bildungssystem für das negative Afrikabild der Deutschen verantwortlich. Aufgrund der unausgewogenen Informationen über Afrika wachsen viele Kinder mit großen Vorurteilen über den Kontinent auf. "In einem Geografiebuch der achten Klasse in Bayern wird Afrika auf nur fünf Seiten behandelt. Und da sieht man entweder Tiere oder auf fast jeder Seite nackte Frauen", bemängelt die Literaturwissenschaftlerin Susan Arndt. Eine solche Darstellung könne bei Kindern nur schiefe Bilder über Afrika entstehen lassen.

Die Literaturwissenschaftlerin Susan Arndt (Foto: Susan Arndt)

Susan Arndt ist Mitgründerin des Festivals "Afrikanische und afrikanisch-diasporische Literatur“ in Bayreuth.

Auch über Kolonialismus werde kaum unterrichtet. Das Angebot in Schulbüchern sei nicht nur äußerst dürftig, sondern biete sogar noch Möglichkeiten, die Kolonialzeit zu verharmlosen: "Mein Kind kam eines Tages mit der Hausaufgabe nach Hause, einen Aufsatz über die Vor- und Nachteile des Kolonialismus zu schreiben", erzählt Arndt. "Man stelle sich einen Lehrer vor, der den Schülern denselben Aufsatz in Bezug auf den Nationalsozialismus aufgibt. Er würde sofort entlassen werden."

Solange Schulen und Medien immer noch so viele wirklichkeitsferne Bilder über Afrika vermitteln, wird es keine realistischere Vorstellung zu dem Kontinent nicht geben. Dabei gebe es viele positive Geschichten über Afrika zu erzählen, sagt Staatssekretär Beerfeltz. Afrika habe weltweit das höchste Wirtschaftswachstum. Langsam aber sicher entstehe in vielen Ländern eine stabile Mittelschicht, die kein Abrutschen mehr in Krise und Konflikt zulasse. Viele afrikanische Länder würden demokratisch regiert und hätten auch Machtwechsel demokratisch hinter sich gebracht. "Mein Appell an die Medien wäre: Erzählen Sie auch diese Geschichten über Afrika."

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