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Bildung

Wie Deutsch lernen Spaß macht

Immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund besuchen deutsche Schulen. Gerade im sprachlichen Bereich müssen sie oft speziell gefördert werden. Lehramtsstudierende der Uni Köln helfen ihnen dabei in einer "Ferienschule".

Der Mathekurs der Ferienschule (Foto: Universität zu Köln)

Der Mathekurs der Ferienschule

20 Schüler der 5. und 6. Klasse kurbeln fleißig an mechanischen Rechenmaschinen. Die Kinder verbringen ihre Ferien in der sogenannten Ferienschule der Universität Köln und besuchen heute das Arithmeum, ein Museum für historische Rechenmaschinen in Bonn. In der Ferienschule verbessern die Schüler nicht nur ihre Sprachkenntnisse. Sie lernen auch spielend Mathe, zum Beispiel beim Ausflug ins Museum. So macht Lernen Spaß, findet Schülerin Sarah: "Die Ferienschule ist nicht so wie die Schule, in die wir normalerweise gehen. Man hat Lust zu lernen."

Gezielte Förderung für Kinder mit Sprachschwäche

Tagesplan an einer Pinwand (Foto: Universität zu Köln)

Täglich werden Ziele gesteckt - sprachlich und fachlich

Wie die anderen Schüler in der Ferienschule für Kinder mit Migrationshintergrund spricht Sarah Deutsch als Zweitsprache, denn ihre Eltern stammen aus dem Kongo. Weil Sarah sehr gut Deutsch spricht, ist sie im kombinierten Deutsch-Mathe Kurs, Kinder mit Sprachproblemen besuchen reine Deutschkurse. Am Lehrerpult stehen dabei 55 Lehramtsstudierende der Uni Köln, deren Institut für Deutsche Sprache und Literatur die Ferienschule seit 2003 organisiert. Das Angebot wird mit jedem Jahr beliebter, 2011 nahmen rund 250 Schüler der Klassen 5 bis 10 teil, erklärt Lehrerin Katharina Hermkes: "Es gibt viele Kinder, die Probleme mit der Sprache haben und im Regelschulsystem nicht entsprechend gefördert werden können."

Über ein Viertel der unter 25-Jährigen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Bei Schülern, die in ihren Familien kein oder nur wenig Deutsch sprechen, kann das zum Problem werden, da besonders in Fächern wie Mathematik Sprachkenntnisse gefordert werden, die über die Alltagssprache hinausgehen. Für eine individuelle Förderung ist im normalen Schulalltag aber nur wenig Zeit. Deshalb veranstaltet das Institut für Deutsche Sprache und Literatur der Uni Köln in Zusammenarbeit mit der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien und dem Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration in diesem Jahr zum neunten Mal eine Ferienschule, speziell für Kinder mit Migrationshintergrund.

Matheunterricht zum Anfassen

Die Schüler basteln im Unterricht Rechenbretter (Foto: Universität zu Köln)

So macht Mathe Spaß!

Neben dem reinen Deutschunterricht ist auch der Matheunterricht fester Bestandteil der Ferienschule, der mit Spielen und Basteln auch Mathe-Muffeln wie Tolga, der türkische Wurzeln hat, Spaß macht: "Da macht man nicht nur Schule, sondern spielt auch jeden Tag, und ich lerne neue Leute kennen."

Aber nicht nur die Kinder machen in der Ferienschule neue Erfahrungen. Auch für die studentischen Förderlehrer sei der Praxiseinblick eine willkommene Abwechslung zum theoretischen Unialltag, erklärt Sonderpädagogik-Studentin Hannah Landen. "Im Studium gibt es zwar Pflichtpraktika, aber da sitzt man viel hinten im Unterricht und schaut Leuten zu, die das schon lange machen." Für die Ferienschule muss sie selbst vier Stunden Mathematik am Stück planen.

Eine Gruppe mit internationalen Kindern in verschiedenen Altersstufen unter einen Hut zu bringen, das sei keine leichte Aufgabe, versichert Hannah Landen. Doch dank der kleinen Gruppen kommt hier keiner zu kurz. Auch Schüler Tugay aus der Türkei opfert seinen Sommer gerne für die Ferienschule. In der multikulturellen Gruppe fühlt er sich wohler als in seiner deutschen Schulklasse: "Weil wir alle aus verschiedenen Ländern kommen, wird hier niemand ausgegrenzt. Wir arbeiten mit- und nicht gegeneinander."

Spaß am Lernen fördert die Integration

Ein Schüler rechnet mit einer mechanischen Maschine im Mathe-Museum (Foto: Universität zu Köln)

Spielerisch Rechnen lernen

Neben dem Unterricht besuchen die Schüler kulturelle Einrichtungen wie das Museum für Rechenmaschinen, in dem sie ihr neugewonnenes Wissen ausprobieren können. Außerdem gehen die Schüler am Nachmittag in verschiedene Arbeitsgruppen. Dort schauspielern, experimentieren und tanzen sie. Gerade dabei sei die kulturelle Vielfalt der Gruppe von Vorteil, erklärt Lehrerin Katharina Hermkes. Jedes Kind könne hier seine eigene Kultur einbringen.

Auch Hannah Landen sieht in ihrer Gruppe große Fortschritte: "Man merkt in den Arbeitsgruppen, dass die Kinder wahnsinnig viel Spaß haben." Dadurch würden sie schon viel lernen und sich außerdem immer besser integrieren, meint die angehende Lehrerin: "Denn Integration kann nur stattfinden, wenn auch der Wunsch da ist, die Sprache zu lernen."


Autorin: Nina Treude
Redaktion: Gaby Reucher