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Kultur

Wie der US-Amerikaner John Neumeier Hamburg zum Ballett-Mekka machte

Hamburg ist nicht erst seit der Eröffnung der Elbphilharmonie ein Ort der Hochkultur. Die Hansestadt gehört zu den wichtigsten Ballett-Zentren der Welt und hat dies einem Mann zu verdanken: dem Amerikaner John Neumeier.

Am 24. Februar feierte er seinen 78. Geburtstag - nicht seinen 75., wie es noch in vielen Lexika heißt. Erst jüngst gab John Neumeier zu, bei seiner Einreise nach Europa im Jahr 1962 ein falsches Geburtsjahr angegeben zu haben. Er hoffte damals, von den Behörden nicht abgewiesen zu werden, wenn er sich jünger machte. 

John Neumeier steht für klassisches Ballett mit modernen Elementen. In Hamburg hat er eine Compagnie um sich geschart, die ihresgleichen sucht und genau das umsetzt, was Neumeier will. Seine Werke sind nicht politisch. Diesen Anspruch hat der Tänzer und Choreograf aus Milwaukee auch gar nicht. Er strebt die perfekte, bis aufs kleinste Detail durchdachte Kombination von Bewegung und Musik an.

Ein Leben für den Tanz

Der Tanz ist Neumeiers Leidenschaft, seit er denken kann. Er ist sein Leben. Alles in seinem Leben scheint sich nur um den Tanz zu drehen. Eine Familie hat er nie gegründet. Nach seiner eher kurzen Karriere als Solo-Tänzer, begann seine bis heute andauernde Karriere als Choreograf. Er wurde Ende der 1960er mit Anfang 30 Deutschlands jüngster Ballett-Direktor in Frankfurt. Das fiel in eine Zeit, als andere junge Männer und Frauen auf die Straße gingen, gegen den Vietnam-Krieg protestierten, gegen das Establishment, gegen Politiker und Wirtschaftsführer, die schon unter dem NS-Regime an der Macht gewesen waren, gegen eine Gesellschaft, der sie sich nicht zugehörig fühlten. Unterdessen tanzte John Neumeier, erfand neue Choreografien für altbekannte Stoffe wie William Shakespeares "Romeo und Julia".

Ballett-Imperium an der Elbe

Der damalige Direktor der Hamburger Staatsoper erkannte Neumeiers Talent und lockte ihn nach Hamburg. Unzählige weitere Choreografien entstanden unter seiner Leitung. Was auf der Bühne geschieht, formt Neumeier zu einem Gesamtkunstwerk. Nicht nur die Bewegungen der Tänzer, auch ihre Kostüme und die Beleuchtung stimmt er aufeinander ab. So erarbeitete er sich einen guten Ruf, der ihm auch einige Privilegien zugestand. Er baute sich in Hamburg ein Ballett-Imperium auf, mit einem Ausbildungszentrum, einer Stiftung, einem Festival und dem Bundesjugendballett.

Diener des Ballett

Neumeier hat mehr als 150 Ballette entwickelt, die weltweit rezipiert, getanzt und geschätzt werden. Dem "Zeit Magazin" sagte er einmal, dass er dem Tanz dienen wolle. Das klingt nach Pflichtgefühl, nach Gefolgschaft, als ob er dem Tanz etwas schuldig wäre. Dabei ist er ein Künstler, der gar nicht anders kann, als sich voll und ganz seiner Leidenschaft hinzugeben. So bezeichnet er auch nicht seine Geburtsstadt Milwaukee als Heimat, nicht Hamburg, wo er seit mehr als 40 Jahren lebt, sondern den Ort, an dem er wohl die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat: den Probensaal.

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