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Afrika

Wie der Suezkanal einen Deutschen reich machte

Zuerst war er ein wirtschaftliches Fiasko: Der Suez-Kanal, der 1859 geöffnet wurde. Doch dann sprudelte der Gewinn - und floß bis zum Rhein. Dort beteiligte sich Stephan Sarter am Kanal - und gewann dafür ein Schloss.

Die Drachenburg bei Königswinter (dpa -Bildarchiv)

Die Drachenburg bei Königswinter

"Es hat sicherlich ein bißchen Märchenschlosscharakter." Walburga Schulte Wien blickt auf "Schloss Drachenburg", eine in der Tat märchenhafte bis skurrile Residenz. Sie liegt malerisch auf dem Drachenfels, über dem Rhein bei Königswinter. Die vielen Türme, Erker und Zinnen irritieren, auch noch auf den zweiten Blick. Ein Stilmix sei das aus Burg, Schloß und Kapelle, erklärt Walburga Schulte Wien, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Schlossverwaltung arbeitet.

Vom Bonner Wirtssohn zum Pariser Börsenstar

Stephan Sarter, Erbauer der Drachenburg, Glücksritter und Spekulant (privat)

Stephan Sarter, Erbauer der Drachenburg

Ähnlich schillernd wie das Anwesen selbst ist auch die Geschichte der Drachenburg. Ihr Erbauer, Stephan Cornelius Sarter, verdankt sein Vermögen - und damit die Burg - einem der größten Verkehrsbauprojekte der Welt: Dem Suez-Kanal, tausende Kilometer von der Drachenburg entfernt. 1833 als Sohn eines Bonner Gastwirtes in einfache Verhältnisse geboren, ging Sarter nach einer Banklehre nach Paris. Dort schaffte er als Börsenmakler einen kometenhaften Aufstieg.

Er spekulierte um immer höhere Summen – und setzte schließlich mit einer Beteiligung am Suez-Kanal, der Verbindung zwischen Mittelmeer und Rotem Meer, auf ein Mammutprojekt mit unsicherem Ausgang. Ein Zeichen für Sarters Größenwahn? Walburga Schulte schüttelt den Kopf. Sie verweist auf seinen Leitspruch 'Wäge Wage', der auch am Nordturm angeschlagen ist. Erst abwägen, dann aber auch etwas wagen - "Ein durchaus sinniger Spruch für jemanden, der an der Börse spekuliert“, findet Schulte Wien.

Voller Einsatz in "Müll-Anleihen"

Über dem Wappen Stephan Sarters prangt der Leitspruch: Wäge wage (privat)

Am Schloß prangt der Leitspruch: "Wäge wage"

Und gewagt hat Stephan Sarter einiges. Schon der Bau des Suez-Kanals war in seinem Aufwand beispiellos. Kohle, Eisen, Maschinen, Werkzeuge: Alles musste vom europäischen Festland nach Ägypten transportiert werden. Für die Trinkwasserversorgung der Arbeiter wurde später eigens ein Süßwasserkanal vom Nil bis nach Suez angelegt. Rund 1,5 Millionen Menschen waren während des zehnjährigen Baus im Einsatz. Und die Kosten des Projekts stiegen in unerwartete Höhen.

Zwar konnte der Kanal 1869 feierlich eröffnet werden, doch entpuppte er sich erstmal als wirtschaftliches Fiasko. Doch Sarter ließ sich nicht abschrecken und stieg in das Projekt ein – Vielleicht sogar extra kurz vor dessen Beinahe-Bankrott, vermutet der Wirtschaftshistoriker Christoph Zier: "Er muss in 'junk bonds', in Müll-Anleihen hineingegangen sein, die zu Schleuderpreisen, angeboten worden sind." Sonst hätte er sich nicht mit relativ geringem Kapitaleinsatz ein so großes Vermögen zusammenspekuliert haben können. Und dann hat er wohl darauf spekuliert, dass das Ganze gut geht."

"Er hat alles oder nichts gespielt"

Christoph Zier arbeitet bei „Sal. Oppenheim“, einer alteingesessenen Kölner Privatbank, bei der auch der junge Stephan Sarter einmal als Kassierer gearbeitet hatte - ein höchst vertrauensvoller Posten, eigentlich keiner für angehende Hochrisikospekulanten. Doch obwohl das Risiko, in den Suez-Kanal zu investieren, so hoch war, dass viele Anteile an dem Projekt ohne Abnehmer blieben, vertraute Sarter seinem unternehmerischen Instinkt. Und tatsächlich: Ab 1874 begann der Suezkanal, sich zu rentieren, der Schiffsverkehr nahm zu. Der Kurs der Kanal-Aktien stieg an der Pariser Börse unablässig an, aus dem Fiasko wurde eine Erfolgsgeschichte. Auch für Stephan Sarter.

Zur Belohnung kaufte er sich einen Adelstitel und legte 1882 den Grundstein für die Drachenburg. Zwar möchte Christoph Zier heutigen Bankern nicht zu ähnlichem Wagemut raten. "Diese Spekulation hatte ein viel zu hohes Risiko, das macht keine nachhaltig wirtschaftende Bank.“ Dennoch klingt auch ein wenig Anerkennung für Sarter durch: „Er war ein Glücksritter, hat alles oder nichts gespielt und hat gewonnen.“

Autorin: Anna Corves / Redaktion: Christine Harjes/Dirk Bathe