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Europa

Wie bekämpft Italien die 'Ndrangheta?

Der Kampf gegen die Mafia in Italien ist gefährlich. Polizei und Staatsanwälte versuchen trotz Gefahr und Personalmangel, gegen diese Organisationen vorzugehen. Die 'Ndrangheta ist dabei eine der mächtigsten.

Menschen halten ihre Hände mit weißen Handschuhen mit blutiger Schrift hoch (Foto: AP)

Nicht nur die Polizei bekämpft die Mafia in Italien (Archivfoto: 21.03.2009)

Vor zwei Jahren wurden in Duisburg sechs Italiener ermordet - als sie gerade die Aufnahme eines neuen Mitglieds in die Mafia-Organisation 'Ndrangheta feierten. Dass die Mafia auch in Deutschland verbreitet ist, hat Nando Dalla Chiesa, Politiker und Sohn eines von der Mafia ermordeten Generals, hat nicht überrascht. "Die 'Ndrangheta ist die kriminelle Vereinigung, die sich international am besten vernetzt hat", sagt er. Nando Dalla Chiesa engagiert sich als Oppositionspolitiker für schärfere Gesetze gegen die organisierte Kriminalität.

Anti-Mafia-Gesetze konsequenter umsetzen

Ein Mann arbeitet an seinem Laptop (Foto: AP)

Auch Nando Dalla Chiesa ist indirekt ein Opfer der Mafia geworden

Nando Dalla Chiesa plädiert dafür, Mafiabesitz konsequenter zu beschlagnahmen. "Ein Mafioso ohne Besitz ist ein Niemand. In dem Moment, in dem wir seinen Besitz beschlagnahmen, wird er zum armen Teufel. Genau das müssen wir anstreben." Ein entsprechendes Gesetz gibt es bisher allein in Italien, es geht zurück auf einen Volksentscheid, wird aber immer wieder von einzelnen Politikern in Frage gestellt. Auch andere wichtige Instrumente im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität, wie etwa das Abhören von Verdächtigen werden von Mitgliedern der Regierung Berlusconi als zu weitgehend kritisiert.

Der Kampf gegen die Mafia ist in Italien nicht immer einfach. Zwar brüstet sich Innenminister Roberto Maroni gerne mit den Fahndungserfolgen der Polizei, gleichzeitig leiden jedoch sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaften unter Personalmangel. Außerdem hat die Regierung Budgetkürzungen beschlossen. "Unsere Polizei tut, was sie kann, obwohl sie kaum Geld hat, aber wir können uns nicht immer nur auf den selbstlosen Einsatz einiger weniger verlassen", sagt der Staatsanwalt und Mafiajäger Antonio Ingroia ärgerlich.

Die Macht der Bosse ist ungebrochen

Ein Mann wird von zwei Polizisten abgeführt (Foto: AP)

Ein Mafia-Boss der 'Ndrangheta wird festgenommen (Archivfoto: 18.08.2008)

Von Regierung und Parlament fühlt er sich nicht unterstützt. Die Liste der Straftaten, die das Abhören von Telefongesprächen rechtfertigen, solle beispielsweise drastisch reduziert werden, erzählt er: "So sehr liegt dem Gesetzgeber der Schutz der Privatsphäre von Verdächtigen am Herzen."

Solche Gesetze, die die Ermittlungen der Justiz einschränken, hält Antonio Ingroia für ein Geschenk an die organisierte Kriminalität. Noch immer können die Bosse das Leben der Einwohner in Kalabrien kontrollieren, als wären es ihre Untergebenen. In Dörfern wie San Luca und Städten wie Gioiatauro oder Locri herrscht eisiges Schweigen.

Die jüngere Generation gibt Hoffnung

Eine Demonstration (Foto: AP)

Italiener demonstrieren gegen die Mafia

Nur ein paar Schüler haben "Basta 'Ndrangheta, basta omicidi", Schluss mit den Morden, auf eine Hauswand gesprüht. "Die Mafia lähmt unsere Entwicklung. Diese Plage namens 'Ndrangheta blockiert hier den freien Arbeitsmarkt, weil sie die Unternehmen fest in ihrer Hand hat", sagt der 19-jährige Renato. Er sammelt mit Freunden Informationen über das organisierte Verbrechen und verteilt Flugblätter in den Schulen.

Bis vor einigen Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Es habe an Mut, aber auch an Kreativität und selbständigem Denken gefehlt, betont der als 'Ndrangheta -Gegner bekannt gewordene Geistliche Monsignor Bregantini. Doch er hat Hoffnung. "Unsere Jugendlichen sind heute wacher und kritischer als früher. Für mich sind sie wie frische Blüten, die hervorsprießen", sagt er. Nun sei die Politik aufgerufen, die Ideen der Jugendlichen aufzugreifen und in ein ernsthaftes und eindeutiges Programm umzusetzen. "Damit ihre Anstrengungen auch Früchte tragen."

Autorin: Kirstin Hausen
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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