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Politik

Wie bedrohlich ist Bioterror?

Bioterrorismus braucht zwei Dinge: ausreichend tödliche Bakterien oder Viren und den Willen, viele Leute zu vernichten. Das Szenario ist nicht immer realistisch.

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Alles rennet, rettet, flüchtet


"Die Biowaffe muss Durchschlagskraft haben – sowohl psychologisch als auch wirtschaftlich und militärisch. Aber das hat sie nicht", sagt Professor Sucharit Bhakdi, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Mainz. Er sieht die bioterroristische Bedrohung kritisch.

Bioterror

Immer wieder macht Bhakdi darauf aufmerksam, dass die Gefahren nicht selten "vermeintlich" und von den "Medien und der Öffentlichkeit hochgespielt" sind. Er erklärt seine These am Beispiel der Anthrax-Briefe, die 2001 in Amerika verschickt wurden: 5 Menschen starben damals an Lungenmilzbrand, 12 oder 13 wurden geheilt. 20 bis 30 erkrankten an Hautmilzbrand, der nicht tödlich verläuft. 50 bis 100 weitere Menschen trugen das Virus, erkrankten aber nicht. Das sei für eine "ernsthafte Bedrohung" zu wenig, meint der Wissenschaftler.

Ganz anders sieht das die internationale kriminalpolizeiliche Organisation Interpol. "Seit den Angriffen mit Anthrax in den USA wissen wir, dass eine kleine Menge Bio-Material globale Auswirkungen haben kann - jenseits des Zielgebietes," erklärt der Generalsekretär von Interpol, Ronald Noble. Deshalb hat Interpol eine Anti-Bioterrorismus-Einheit gegründet.

Nur viel hilft viel

Robuste, hochansteckende Erreger, die sich rasch verbreiten und möglichst tödliche Krankheiten hervorrufen, sind schwierig zu beschaffen. Die meisten Erreger sind in ihrer natürlichen Form für Waffenzwecke nicht geeignet, auch nicht Anthrax (Milzbrand) oder Pest. Sie "aufzurüsten", ist nichts für Hobbyforscher in Garagenlabors. "Biowaffenfähige Anthrax-Sporen herzustellen, erfordert Spezialwissen und Spezialausrüstungen, wie sie wahrscheinlich nur noch amerikanische Labors haben", sagt Bhakdi.

Die Herstellung von waffenfähigen Bakterien- und Virenstämmen wurde ohnehin 1972 mit der Biowaffenkonvention verboten. Die Vergabe von potentiell biowaffenfähigen Erregerstämmen zu Forschungszwecken ist streng geregelt: Nur etablierte wissenschaftliche Labors erhalten sie nach eingehender Prüfung.

Wie groß ist die Gefahr?

Das größte Problem besteht wahrscheinlich darin, die Erreger in die Waffentechnik zu integrieren. Bei Anthrax zum Beispiel ist die notwendige Dosis zur Infektion über die Lunge pro Person relativ hoch: Sie liegt bei bei etwa 8000 bis 50.000 Bazillen. "Anthrax ist – im Vergleich zu giftbestückten Chemiewaffen – eine stumpfe Waffe", sagt Bhakdi. Wenn die Bakterien über einem größeren Areal ausgebracht werden, dann kann ein einzelner Windstoß die gesamte Terrorplanung durcheinanderwirbeln.

Die derzeit ernsthafteste Bedrohung ist das Pockenvirus: Es ist das einzige Virus, das jemals als weltweit ausgerottet galt. Es ist hochansteckend, die meisten Menschen unter 30 sind nicht geimpft. Trotzdem hält es Bhakdi für unsinnig, vorbeugend Impfstoff zu horten. "Deutschland hat 100 Millionen Dosen Impfstoff an einem geheimen Ort gelagert", berichtet er, "das kostet eine halbe Milliarde Euro." Das Geld könne sinnvoller ausgegeben werden, denn "man kann sich auch bankrott schützen".

Was ist gefährlicher: ein bioterroristischer Angriff oder eine weltweite Grippe-Epidemie? Lesen Sie weiter in Teil 2.

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